Osnabrücks Björn Lindemann: „Wurden unterschätzt und waren jedes Mal der Außenseiter!“

In der ersten DFB-Pokalrunde trifft der VfL Osnabrück am Freitagabend auf den 1. FC Kaiserslautern. „Beide Mannschaften sind in der vergangenen Saison aufgestiegen und beide Teams sind Traditionsmannschaften“, fasste es Osnabrücks Björn Lindemann vor der Partie treffend zusammen. Goal.com blickt gemeinsam mit dem 26-Jährigen auf den Gegner, die Vergangenheit und die Zukunft.

Ein Interview von Sebastian HEIER

DFB Pokal: VfL Osnabrück - Borussia Dortmund, Alexander Schnetzler & Angelo Barletta (Bongarts/Getty-Images)
Osnabrück. Björn Lindemann hat in der vergangenen Saison dazu beigetragen, dass der VfL Osnabrück wieder den Sprung in die Zweitklassigkeit geschafft hat. Der 26-Jährige war jedoch auch daran beteiligt, dass die Osnabrücker in der abgelaufenen Pokalsaison zum Favoriten-Schreck wurden.

Hansa Rostock, der Hamburger SV und Borussia Dortmund wurden besiegt. Zwei hochgehandelte Bundesligisten mussten sich somit schon frühzeitig mit dem Aus abfinden. „Am Freitag wird es so sein, wie in der vergangenen Pokalsaison:  Wir waren jedes Mal der Außenseiter“, erklärt VfL-Mittelfeldspieler Björn Lindemann im Interview mit Goal.com.

Osnabrück trifft erneut auf eine Mannschaft aus der höchsten deutschen Spielklasse – der 1. FC Kaiserslautern gastiert in der osnatel ARENA. „Dort“, sagt Lindemann, „wird es für jeden Gegner, der zu uns kommt, schwer. Ob es ein Top-Favorit, ein Bundesliga-Aufsteiger oder ein Zweitligist ist, es ist völlig egal, denn zu Hause haben wir jede Menge Fans hinter uns!“ Goal.com blickt gemeinsam mit dem 26-Jährigen auf den Gegner, die Vergangenheit und die Zukunft.

„KAISERSLAUTERN HAT EINE ÜBERRAGENDE SAISON GESPIELT“

In der ersten Runde des DFB-Pokals treffen Sie auf den 1. FC Kaiserslautern. Wie bewerten Sie dieses Los?

Lindemann: Ich würde sagen, es ist ein sehr schönes Los. Beide Mannschaften sind in der vergangenen Saison aufgestiegen und beide Teams sind Traditionsmannschaften. Es ist ein Freitagabendspiel unter Flutlicht und ich glaube es gibt nichts Schöneres.

Es ist das Duell zweier Aufsteiger. Wo sehen Sie die Stärken vom Bundesliga- und vom Zweitliga-Aufsteiger?

Lindemann: Kaiserslautern hat eine überragende Saison in der zweiten Liga gespielt. Sie haben leider einige Abgänge zu verzeichnen, die sehr wichtig waren in ihrer Mannschaft. Aber das Team wurde auch wieder gezielt verstärkt. Ich glaube sie sind dennoch eine sehr eingespielte Mannschaft. Es wird auf jeden Fall ein harter Gegner für uns, weil ich sie auch für die kommende Bundesliga-Saison relativ gut einschätze.

Und bei uns gilt eigentlich das Gleiche. Wir sind auch ein Aufsteiger – aus der dritten Liga – mit einigen Höhen und Tiefen. Letztlich sind wir trotzdem aufgestiegen. Wir sind auch eine eingespielte Mannschaft und wir haben uns auch sehr gut in der Breite verstärkt. Ich glaube beide Mannschaften sind jetzt heiß darauf, dass es endlich losgeht.

„WIR WAREN JEDES MAL DER AUßENSEITER!“

Wie würden Sie im Vorfeld der Pokalbegegnung die Stimmung innerhalb der Mannschaft und in der Stadt beschreiben?

Lindemann: Es herrscht eine gewisse Spannung in der Stadt. Die Euphorie ist sehr groß und man hört von allen Seiten, dass uns alle ganz viel Glück wünschen. Innerhalb der Mannschaft freut sich natürlich auch jeder auf dieses Spiel. Es war nun eine lange Vorbereitung für uns und wir fiebern dem ersten Pflichtspiel entgegen. Für einige ist die zweite Liga noch Neuland, auch ich freue mich besonders darauf. Aus meiner Sicht beginnt die Spielzeit mit einem echten Highlight - überhaupt wird die gesamte Zweiligasaison ein großes Highlight. Ich glaube nicht nur wir sind begeistert, sondern um uns herum auch alle Anderen.

Wie wichtig – mit Blick auf die neue Saison – wäre schon vor dem Startschuss der neuen Spielzeit ein Erfolg in der ersten Pokalrunde?

Lindemann: Am Freitag wird es so sein, wie in der vergangenen Pokalsaison:  Wir waren jedes Mal der Außenseiter. Wir müssen einfach mit Selbstvertrauen in das Spiel gegen Kaiserslautern gehen. Ich glaube Lautern wird uns nicht unterschätzen, wie die anderen Bundesligisten, gegen die wir in der vergangenen Saison gespielt haben. Hauptsächlich zählt für uns die Liga und so ein Pokalspiel ist natürlich immer noch ein kleiner Zusatz, für die Fans und auch für uns. Es wäre schön, wenn wir gewinnen würden.

Die richtige Einstellung und die richtige Vorbereitung wird mit Sicherheit ein großer Faktor sein…


Lindemann: Entscheidend ist, dass wir gut in das Spiel kommen und am Ende – egal ob wir gewinnen oder verlieren – mit einem gestärkten Selbstvertrauen vom Platz gehen können. Ich glaube jeder von uns möchte das Spiel gewinnen. Auf die Liga hat ein Sieg oder eine Niederlage sicherlich keinen großen Einfluss. Wir wollen natürlich auch für die Fans etwas leisten, so wie in der vergangenen Saison. Wir müssen die Köpfe freibekommen, auf den Platz gehen und einfach unser Spiel spielen.

„HEIMSPIEL IST SEHR ENTSCHEIDEND!“

Wie entscheidend kann es sein, dass das Duell mit dem 1. FCK vor heimischem Publikum ausgetragen wird?

Lindemann:  Für uns spielt das eine große Rolle. In der osnatel ARENA wird es für jeden Gegner, der zu uns kommt, schwer. Ob es ein Top-Favorit, ein Bundesliga-Aufsteiger oder ein Zweitligist ist, es ist völlig egal, denn zu Hause haben wir jede Menge Fans hinter uns, die uns bei jedem Spiel nochmals 10 Prozent mehr Antrieb geben. Daher ist es auch enorm wichtig, im DFB-Pokal ein Heimspiel zu haben.

In der vergangenen Spielzeit erreichten Sie mit dem VfL Osnabrück das Viertelfinale. Mit dem Hamburger SV und Borussia Dortmund wurden sogar zwei Bundesligisten ausgeschaltet – was hat die Mannschaft in der vergangenen Saison so stark gemacht?

Lindemann: Die Fans haben sehr viel dazu beigetragen, dass es in der vergangenen Saison so gut lief – sie haben einen großen Anteil an diesen Erfolgen gehabt, denn sie haben uns einfach super unterstützt. Auch unser Teamgeist und der Wille, dass wir unbedingt gewinnen wollten, hat dazu beigetragen. Jeder Spieler hat einfach noch mehr aus sich herausgeholt. Wir wollten ganz Deutschland zeigen, dass wir Fußball spielen können und das wir eine gute Truppe haben. Wir hatten nicht die großen Einzelspieler, sondern waren im Kollektiv stark.

Osnabrück sorgte in den vergangenen Monaten nicht nur für Pokalsensationen, sondern auch für den Zweitligaaufstieg. Sie sind zum Drittliga-Spieler der Saison 2009/2010 gewählt worden, welche Bedeutung hat diese Auszeichnung für Sie?

Lindemann:   Für mich hat das eine sehr große Bedeutung. Es war das erste Mal, dass diese Auszeichnung vergeben wurde. Dass es gleich mich trifft, ist natürlich eine super Sache. Es spiegelt aber auch die Leistung der gesamten Mannschaft wieder, denn erst so war diese Auszeichnung möglich. Das ganze Umfeld, der Betrauerstab, der ganze Verein und alle Fans zählen natürlich auch dazu, um so einen persönlichen Erfolg erreichen zu können, denn alleine schafft man so etwas nicht.

„WOLLEN DEN VfL IN DER ZWEITEN LIGA ETABLIEREN!“

In der letzten Saison waren sie als Vorbereiter und Torjäger einer der überragenden Spieler beim VfL Osnabrück.  Wie würden Sie sich selbst charakterisieren?

Lindemann:  Ich konnte einfach sehr oft auf meiner Lieblingsposition spielen und dort meine Stärken, zu denen auch die Spielübersicht zählt, gut ausspielen. Ich hatte natürlich auch Mitspieler, die mich gepusht und unterstützt haben. Ich glaube, wenn man so viele Leute hinter sich stehen hat, dann ist man automatisch durch diese Unterstützung nochmals 20 Prozent stärker.

Welche Rolle nimmt Chefcoach Karsten Baumann in dem ganzen Konstrukt VfL Osnabrück ein?

Lindemann:  Ich denke Karsten Baumann hat eine starke Mannschaft geformt, die am Saisonende verdient den Aufstieg in die zweite Bundesliga geschafft hat. Selbst wenn es einmal nicht so gut lief, hat er die Mannschaft motiviert. Der Aufstieg war auch für ihn persönlich ein riesiger Erfolg. Das Zusammenspiel zwischen Trainer und Team stimmt.

Mit welchen Hoffnungen und mit welchen Zielen gehen Sie nach der ersten DFB-Pokalrunde in die bevorstehende Zweitligasaison? Aus persönlicher Sicht und aus Mannschaftssicht.

Lindemann: Unser Ziel ist der Klassenerhalt. Wir wollen den VfL in der zweiten Liga etablieren. Das Image der Fahrstuhlmannschaft wollen wir ablegen. Es soll nicht immer heißen ‚wir steigen auf, wir steigen wieder ab‘. Mit dem Abstieg wollen wir in der kommenden Saison schon so schnell wie möglich nichts mehr zu tun haben. Wir als Mannschaft, der Verein und der Trainer wollen dazu beitragen, dass der VfL Osnabrück eine etablierte Zweitligamannschaft wird.

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