Bochums Anthar Yahia exklusiv: „Nach der WM kommt vielleicht die Zeit, woanders den nächsten Schritt zu wagen“

„Ein großes Kompliment von einem großen Trainer“, schwärmt Anthar Yahia noch heute von Marcello Lippi, der ihn einst mit Laurent Blanc verglich. Langsam, aber sicher neigt sich unser exklusives und überaus spannendes Goal.com-Interview mit dem algerischen Abwehrrecken dem Ende. Schade eigentlich!

Ein Interview von Francois DUCHATEAU

Anthar Yahia, Verteidiger des VfL Bochum (Bongarts/Getty)
Portrait: Bochums Blanc & Lippis Liebling

Bochum.
Das Gespräch mit Anthar Yahia vom VfL Bochum nimmt noch mal an Fahrt auf. Denn die Kritik an der Abwehrleistung von Algerien will der Verteidiger nicht so recht verstehen. Dafür erzählt er uns viel lieber von seiner Zeit bei Inter Mailand und verrät uns auch, wer nächste Saison vielleicht in Barcelona spielt.

Teil 1 des Interviews:
Wir sollen nicht nur hinter uns schauen


Teil 2 des Interviews:
Wir fahren nicht nach Südafrika, um Urlaub zu machen


Im arabischen Raum meinen Kritiker, wenn Algerien einen Schwachpunkt hat, dann ist es vielleicht die Abwehr. Wie sehen sie das?

Anthar Yahia: Ich denke bei uns gibt es ein Dilemma: Viele arabische Länder hätten bei der WM lieber Ägypten gesehen. Aber in zwölf Spielen haben wir die wenigsten Gegentore aller afrikanischen Mannschaften kassiert, zusammen mit Ghana und der Elfenbeinküste. Diese Kritik ist Schwachsinn, denn wir haben eine sehr stabile Verteidigung, wir haben oft zu null gespielt und die Verteidiger schießen viele Tore. Ich würde gerne wissen woher diese Kritik kommt, vielleicht kam sie ja von einem Ägypter (lacht).

Ihre Nebenleute sind ja auch keine Nobodys.

Anthar Yahia: Richtig. Neben mir spielt Madjid Bougherra, der vielleicht kommendes Jahr nach Barcelona geht.  

Mit wem aus der Nationalmannschaft haben sie am meisten Kontakt?
 
Anthar Yahia: Wir sind nicht nur Kollegen, sondern eine Gruppe von Freunden. Wir haben fünf Wochen gemeinsam verbracht und nie gab es ein Problem. Die Zeit verging wie im Flug. Normalerweise sagt man in einem Trainingslager: „Ich will nach Hause.“ Diese Jungs wollten sogar wieder zusammen sein. Ich denke, wenn man diesen Teamgeist nicht hat, dann gewinnt man keine Spiele oder verkraftet keine Rückstände.

In Ägypten haben sie Krawalle am eigenen Leibe erlebt, dann gab es das Togo-Attentat. Fürchten sie um ihre Sicherheit in Südafrika?

Anthar Yahia: Was wir in Ägypten und bei Togo gesehen haben, das war pure Gewalt. Ich denke in Südafrika werden wir das nicht sehen. Die Sicherheitskräfte wurden im Vergleich zu Angola sicher verstärkt. Und außer diesem Attentat gab es keinen Vorfall in Angola. Es ist schon bitter, wenn man wie die Fußballer von Togo Angst um sein Leben haben muss. Auch bei uns in Ägypten war das eine Katastrophe. Ich hoffe, dass in Zukunft solche Vorfälle ausbleiben.  

Sie haben das entscheidende Tor geschossen, den Afrika-Cup gespielt, die Ehrung erhalten. Sie dürften ihren Platz im Kader sicher haben, auch wenn sich in Bochum an ihrer Situation nichts ändern sollte. Wie wäre das denn im Sommer? Wollen sie schauen, ob sie bis dahin wieder eine feste Größe in Bochum werden?

Anthar Yahia: Ich war in einer ähnlichen Situation nach meiner Verletzung im letzten Jahr. Da habe ich mir meine Platz zurückerkämpft und eine gute WM-Qualifikation gespielt. Ich denke, nach der WM kommt vielleicht für mich irgendwann Zeit, um woanders anzufangen und den nächsten Schritt zu wagen.

Gibt es da Präferenzen?

Anthar Yahia: Mir ist es wichtig, dass es meine Karriere einen Schritt nach vorne treibt und dass ich mich wohl fühle.  

Gab es schon Gespräche mit dem Verein oder anderen Interessenten?

Anthar Yahia: Nein, dafür habe ich einen Berater. Ich konzentriere mich auf Fußball und alles außerhalb regelt er für mich.



Foto-Album: Anthar Yahia, Bochums WM-Held

Wie kam es, dass sie damals bei Inter Mailand landeten?


Anthar Yahia: Ich war in der Jugend in Sochaux. Inter Mailand hat mir meinen ersten Profivertrag angeboten. Ich hatte dort einen Fünf-Jahresvertrag unterschrieben. Lippi war damals Trainer. Unter ihm war ich immer im Profikader. Dann ist Lippi nach zwei, drei Monaten gegangen und ich war auf einmal seltener im Kader. Zum Saisonende wurde ich nach Bastia ausgeliehen. Dort habe ich mehr gespielt.

Stimmt es, dass Lippi sie mit Laurent Blanc verglichen hat?

Anthar Yahia: Ja, er sagte, er sieht in mir denselben Spielertyp wie Laurent Blanc ihn verkörperte. Ein großes Kompliment von so einem großen Trainer. Er ist ein klasse Typ.

Lippi hat Inter früh verlassen. Meinen sie, ihre Karriere hätte einen anderen Verlauf genommen, wenn er länger dort Trainer geblieben wäre?

Anthar Yahia: Ich weiß nicht, das ist schon lange her. Aber ich denke, alles was Gott macht, hat einen Sinn. Wenn es so laufen musste, dann musste es so laufen. Und ich bin zufrieden mit dem Weg, den Gott mir gegeben hat. Man hat als Sportler immer Ziele und ist nie zufrieden. Aber ich habe gesehen: Als ich verletzt war, war ich unglücklich. Und wenn ich fit war, ging es mir gut. Da konnte ich Ziele im Kopf haben. Das ist das Wichtigste. Man sollte nicht zu sehr auf die Vergangenheit blicken.

Gibt es noch Leute aus Mailänder Zeiten, mit denen Sie heute noch Kontakt haben?

Anthar Yahia:
Nein.

Wir kooperieren mit Myspace und fragen Fußballer nach ihrem Musikgeschmack. Sind sie jemand, der viel Musik hört?

Anthar Yahia: Ja, ich höre viel Musik. Rap, algerische Musik, R’n’B, House, sehr gemischt. Algerische Lieder verbinde ich immer mit meiner Heimat. Die höre ich gerne morgens oder im Auto. Dann gibt es Lieder, die einen die richtige Motivation geben.

Besuchen sie auch Konzerte?

Anthar Yahia: Vor zwei, drei Jahren habe ich mir Lenny Kravitz angesehen. Das war sehr schön.

Reportage: Zu Besuch beim VfL Bochum


 
Goal.com-Flutlicht
  1. Mit Rio Ferdinand, Domenico Criscito & Marko Marin: Große Namen, die bei der EM fehlen Mit Rio Ferdinand, Domenico Criscito & Marko Marin: Große Namen, die bei der EM fehlen

    Die endgültigen Aufgebote der 16 EM-Teilnehmer sind bekannt. Bei der Auswahl der Nationaltrainer sind hochgehandelte Akteure außen vorgeblieben - wir präsentieren einige davon.

  2. Das Video-Profil: Der „kroatische Cruyff“ - Luka Modric ist heiß auf die Europameisterschaft Das Video-Profil: Der „kroatische Cruyff“ - Luka Modric ist heiß auf die Europameisterschaft

    Rund eine Woche vor dem Start der EM stellt Euch Goal.com-Kroatien-Experte Luke Matthews Tottenham- und Kroatien-Mittelfeldmann Luka Modric vor.

  3. „Jovanovs Rothosen“, die HSV-Kolumne: Leere Kassen, Barca und das Millionengeschäft „Jovanovs Rothosen“, die HSV-Kolumne: Leere Kassen, Barca und das Millionengeschäft

    Jeden Mittwoch heißt es: Nur der HSV! Daniel Jovanov gewährt euch exklusive Einblicke und versorgt euch mit Infos zu allen wichtigen Themen rund um den Volkspark.

  4. Starte dein eigenes Tippspiel auf Kicktipp.de! Starte dein eigenes Tippspiel auf Kicktipp.de!

    Ob Bundesliga, Fußball International oder EM 2012 - Tippe jetzt online gegen Freunde und Kollegen in deiner eigenen Tipprunde