Exklusiv-Interview mit Anthar Yahia: „Wir fahren nicht nach Südafrika, um Urlaub zu machen“

Ein Schuss wie ein Strich! Bühne frei für Anthar Yahia! Mit seinem alles entscheidenden Treffer in der WM-Qualifikation wird er nun in seinem Land als Nationalheld gefeiert. Algerien spielt mit im Konzert der Großen. Grund genug für Goal.com, sich mit dem schussstarken Verteidiger zu verabreden.

Ein Interview von Francois DUCHATEAU

Arabiens Fußballer des Jahres 2009: Anthar Yahia (Getty)
Portrait: Bochums Blanc & Lippis Liebling

Bochum.
Wayne Rooney, Didier Drogba und andere: Für Anthar Yahia bedeuten Begegnungen mit solchen Superstars die besonderen Momente im Fußball. Und warum der VfL Bochum in Afrika nun viel bekannter ist, verrät uns der Algeriens Abwehrspieler im zweiten Teil unseres exklusiven Goal.com-Interview.

Zu Teil 1 des Interviews: „Wir sollen nicht nur hinter uns schauen"


Man hat nachgemessen, dass ihr Tor gegen Ägypten einer der härtesten Schüsse während der ganzen WM-Qualifikation war. Versetzt der Wille Berge?

Anthar Yahia: Ich bin ein Spieler, der viel Temperament hat. Ich hatte große Lust auf eine Revanche nach dem Spiel in Kairo. Ägypten hatte gewonnen, aber nicht fair. Ich hatte so viel Wut im Bauch. Als ich diesen Ball bekam, habe ich meine ganze Kraft in diesen Schuss gelegt. Dieses Tor hat ganz Algerien mit mir geschossen. Ein unglaubliches Gefühl!

Zuletzt wurde der Spieß  jedoch umgedreht, da gab es eine 0:4-Niederlage eben gegen Ägypten. Ein Dämpfer im Vorfeld zur WM?

 
Anthar Yahia: Ich denke, mit einer Revanche im Kopf ist es immer einfacher zu spielen. Ägypten hatte diese im Sinn, wir waren schon für die WM qualifiziert. Das Spiel ist für uns einfach nicht so gelaufen wie wir wollten. Der Schiedsrichter hat direkt von Beginn an einen Spieler von uns die Rote Karte gezeigt, es stand 1:0 zur Halbzeit. Dann hat er einem Zweiten Rot gezeigt, kurz vor Schluss einem Dritten., Wir hatten unsere Chancen, aber bei Neun gegen Elf oder zum Schluss Acht gegen Elf ist es dann schon etwas schwieriger. Im Hinspiel war es andersherum. Jeder Afrikaner weiß, dass es in Ägypten immer etwas schwierig zu spielen ist.

Nicht nur sie haben ein entscheidendes WM-Tor geschossen, auch ein anderer Bochumer, ihr Kollege Zlatko Dedic. Haben sie mit ihm gefeiert?
 
Anthar Yahia: Ja, ich habe ihn direkt nach dem Spiel angerufen. Ich war im Sudan. Nach dem Spiel sind wir im Hotel angekommen, ich schaltete den Nachrichtensender im Fernsehen ein und sah plötzlich sein Tor. Zlatko Dedic schießt Slowenien zur WM! Da habe ich sofort zum Hörer gegriffen. Er war noch in der Kabine. Da haben wir uns zusammen gefreut.

Zwei Bochumer schießen ihr Land nach Südafrika.

Anthar Yahia: Viele Leute in Afrika kannten Bochum gar nicht. Das ist jetzt anders. Jetzt weiß  man sogar, dass das der älteste Verein der Bundesliga ist. Das war eine große Ehre für uns wie auch für den Verein.

Kurios ist, dass sie bei der WM auf Slowenien, also auf Dedic, in der Gruppenphase treffen.

Anthar Yahia: Das wird ein spannendes Duell.

Redet man da im Training schon mal drüber?

Anthar Yahia: Ja, Zlatko und ich haben ein freundschaftliches Verhältnis. Er weiß, dass wir hier gemeinsam Spaß haben und das gleiche Trikot tragen. Doch am 13. Juni sind wir 90 Minuten keine Kollegen mehr, sondern Gegner, aber immer noch mit Fair Play.




Foto-Album: Anthar Yahia, Bochums WM-Held

Trainer Herrlich hat sie heute im Training versucht zu ärgern, in dem er rief, dass er wie ein ägyptischer Schiedsrichter pfeifen wird. Macht er das, um sie zu pushen?

Anthar Yahia: Ich denke, er hat diese ganze Geschichte auch verfolgt und heute im Training hat er in der Tat gepfiffen wie der ägyptische Schiedsrichter (lacht).

Sie sind schon sehr lange in der Nationalmannschaft. Wie hat sich das Team seit 2003 entwickelt?

Anthar Yahia: Wir haben mit vielen jungen Spielern angefangen. Unser erstes Viertelfinale 2004 gegen Marokko haben wir verloren. Da entstand ein Bruch, weil der Trainer auf einmal einfach weg war, dann war er auf einmal wieder da. Und er hatte es mit der gleichen Generation zu tun, denn er kennt jeden von uns. Jeder Spieler hat sich in seinem Verein weiterentwickelt und wir wurden viel besser. Man kann sehen, dass wir mit dieser Generation viel Qualität und Talent vereinen. Auch eine große Stärke von uns ist: Wir lieben unser Land und wir sind bereit alles dafür zu geben. Wir können gegen jede Mannschaft Erfolg haben.

Ihre Ziele in Südafrika? Meinen sie, Algerien schafft den Einzug in die nächste Runde?
 
Anthar Yahia: Wir fahren sicher nicht nach Südafrika, um Urlaub zu machen. Wir haben eine gute Mannschaft. Aber es stimmt, dass wir auch andere sehr starke Mannschaften in unserer Gruppe haben. Alle Teams, die sich qualifiziert haben, sind natürlich sehr stark. Wir haben die gleichen Chancen wie Slowenien und die USA, wobei die schon sehr weit sind. Aber im Fußball ist alles möglich. Wir haben in Spielen gegen große Mannschaften gezeigt, dass wir bereit sind. Ich denke, wir werden unsere Chance bekommen.

Sie sehen England also als klaren Favoriten an?
 
Anthar Yahia: Man muss schon blind sein, um England als Favoriten abzuerkennen. Aber es ist für keine Mannschaft leicht, mit dem Favoritenstatus umzugehen.

Wenn sie gegeneinander spielen, wird wahrscheinlich Wayne Rooney ihr Gegner sein.

Anthar Yahia: Ja, darauf freue ich mich, genau so wie ich mich auf Drogba gefreut habe im Viertelfinale. Solche Spieler sind eine große Herausforderung, um zu zeigen, dass es manchmal um die kleinen Dinge geht, einen Schritt schneller nach vorne zu machen oder nicht. Wenn man die Chance hat, gegen solche Spieler zu spielen, kann man sich zeigen.

Reportage: Zu Besuch beim VfL Bochum

Und wie startete Anthar Yahia eigentlich mit seiner Karriere durch? Von seiner Zeit bei Inter Mailand unter Trainer Lippi und wer nächsten Sommer vielleicht in Barcelona spielt, das erzählt Anthar uns im dritten und letzten Teil unseres exklusiven Goal.com-Interviews.


 
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