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Guido Buchwald exklusiv: „Bei Weltmeisterschaften werden Stars geboren“ (Teil I)
Guido Buchwald hat in seiner Karriere als Spieler und als Trainer Höhen und Tiefen erleben dürfen. Er war Teil der deutschen Weltmeister-Mannschaft aus dem Jahr 1990 und weiß, wie es sich anfühlt, diesen Titel zu gewinnen. Er weiß aber auch, wie man als Trainer Erfolge feiern kann. Das hat er in Japan unter Beweis gestellt, wenngleich ihm ein ähnliches Erfolgserlebnis in Deutschland bisher verwehrt blieb. Im Interview mit Goal.com stand er geduldig Rede und Antwort. Er sprach über die anstehende Weltmeisterschaft, den jüngsten Streit beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), seine Erfahrungen in Japan und auch über seine persönliche Zukunft. Lest heute den ersten Teil des exklusiven Gesprächs.
Ein Interview von Dennis WEINACHT
Berlin. In diesen Tagen muss Guido Buchwald so einige Fragen beantworten. Die Weltmeisterschaft 2010 steht wieder vor der Tür und nun wird der Titelgewinner von 1990 wieder sehr oft auf dieses Erlebnis angesprochen. Im ersten Teil des Gesprächs mit Goal.com erklärt er deshalb, warum die deutsche Nationalmannschaft auch in diesem Jahr das Zeug zum Titel hat, welcher Spieler der Gewinner dieses Turniers werden kann und wer seine Favoriten bei der Weltmeisterschaft im kommenden Sommer sind.
„Wenn man den Pokal in der Hand hat, kommen Erinnerungen hoch“
Herr Buchwald, unmittelbar vor der Weltmeisterschaft: Sie selbst haben 1990 den WM-Titel gewonnen. Kommen da jetzt wieder Glücksgefühle hoch oder nimmt man das mittlerweile gar nicht mehr so wahr?
Guido Buchwald (49): Ja, doch. In einem WM-Jahr kriegt man das doch immer wieder mit. Das ist ja nun schon 20 Jahre her, als wir Weltmeister wurden, aber man wird immer wieder daran erinnert und umso näher die WM kommt, umso mehr wird darüber gesprochen, umso mehr wird man selbst drauf angesprochen und umso mehr erinnert man sich auch daran, wie es bei uns vor 20 Jahren war. Natürlich sind das sehr positive und freudige Erinnerungen, die man da hat. Und man freut sich eigentlich auf die WM.
Wie werden Sie denn die Weltmeisterschaft verfolgen? Beobachten Sie das von zu Hause aus oder sind Sie vor Ort?
Buchwald: Also meine Planungen sind so, dass ich, wenn die deutsche Mannschaft – und davon gehen wir alle aus – die Vorrunde übersteht runter fliege und mir dort dann auch das ein oder andere Spiel anschaue. Das habe ich fest vor und das ist bei mir auch in der Planung drin.
Schon gesehen? Die Goal.com-Bildergalerie zu Guido Buchwald
Um noch einmal auf das Turnier von 1990 zurückzukommen: Wie ist das, wenn man den WM-Pokal in den Händen hält? Lässt sich dieses Gefühl beschreiben?
Buchwald: Das ist natürlich schwer zu beschreiben. Das ist ein unheimliches Glücksgefühl und man ist natürlich auch stolz, da man endlich das erreicht hat, wovon man eigentlich immer geträumt hat. Denn Weltmeister wird man nicht jedes Jahr. Vor allem ist das auch das größte Ziel, das ein Sportler oder Fußballer erreichen kann. Und dann in einem Team bei der WM zu sein - Ich glaube das ist der größte Traum, den jeder Fußballer hat. Und wenn man den Pokal in der Hand hat, kommen die ganzen Erinnerungen an den Kampf, die Vorbereitung, wie viel man da investiert hat, um das zu erreichen, hoch. Da ist man dann auch auf jeden Fall stolz drauf. Ich glaube, alleine schon an einer WM teilzunehmen ist was ganz, ganz großes, dann aber noch den Pokal zu gewinnen ist sehr schwer zu beschreiben. Das ist wahnsinn. Man möchte das nicht missen, man erinnert sich gerne an den Augenblick zurück.
„Jeder muss ein Stück seiner Persönlichkeit in das Team reingeben“
Wie ist das dann in der Vorbereitung und vor den Spielen? Überwiegt da eher die Anspannung und die Nervosität oder die Freude an der Sache?
Buchwald: Während der Vorbereitung ist natürlich schon eine gewisse Anspannung da und man sehnt eigentlich den Anpfiff herbei, dass es endlich mal losgeht, weil die Vorbereitung ja doch relativ lange auch geht und man möchte dann einfach in das Turnier einsteigen und spielen. Aber man bekommt natürlich diese ganze WM-Stimmung vom Publikum und von außen nicht so mit, wie wenn man nicht beteiligt ist. Das ist auch klar. Man ist sehr konzentriert darauf. Man konzentriert sich auf den Gegner und versucht sich optimal einstellen und vorbereiten auf die Spiele. Also von daher kann man die WM ganz anders genießen, wenn man nur als Zuschauer dabei ist. Auch vor vier Jahren in Deutschland. Das war einfach ein tolles Erlebnis, dabei zu sein und keinen Druck zu haben, nicht spielen zu müssen oder zu dürfen. Man erlebt die WM viel freudiger und auch als eine Art Feier. Wenn man Teilnehmer ist, hat man andere Prioritäten, wie einfach nur zu genießen und die WM zu verfolgen.
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Was würden Sie sagen, ist für eine Mannschaft unabdingbar, um Weltmeister zu werden? Und hat das die aktuelle deutsche Nationalmannschaft? Würden Sie ihr den Titel zutrauen?
Buchwald: Ich glaube, man benötigt einen unheimlichen Teamgeist, einen Respekt untereinander. Jeder muss ein Stück seiner Persönlichkeit in das Team reingeben und vielleicht auch ein Stück seiner Persönlichkeit abgeben. In den vielen Wochen, in denen man zusammen ist, ist es sehr wichtig, dass man vom Charakter her zusammenhält. Das hatten wir vor 20 Jahren zu 100 Prozent. Wir waren auch nicht alle untereinander Freunde, aber wir haben uns respektiert und akzeptiert und haben nur ein Ziel vor Augen gehabt: den WM-Titel. So muss man in eine WM reingehen. Und dann hat auch die deutsche Mannschaft eine ganz große Chance, den WM-Titel dieses Jahr wieder nach Deutschland zu holen, denke ich.
„Khedira und Gomez können Durchbruch schaffen“
Sie haben vorhin gesagt, dass Sie davon ausgehen, dass Deutschland die Vorrunde übersteht. Ist Serbien der größte Stolperstein oder kann man auch gegen Ghana und Australien verlieren?
Buchwald: Also ich glaube, ein Stolperstein ist man nur selbst. Wenn man nicht so konzentriert in die Spiele reingeht, wie es sein muss, wenn man das doch ein bisschen zu lässig angeht, dann ist das ein Stolperstein. Wenn man konzentriert ist, ist man besser wie jeder Gegner in der Vorrunde. Das muss man einfach zeigen. Deswegen gibt es für mich gar kein Wenn und Aber: Deutschland wird die Vorrunde überstehen und hoffentlich dann auch als Erster, um wahrscheinlich einen besseren weiteren Verlauf der Gegner zu haben. Ich meine, alle Mannschaften, ob das nun Australien oder Ghana ist, sind eigentlich sehr gute Nationen, haben sehr gute Fußballer. Aber wir sind besser. Und das muss man dann auch präsentieren. Dann übersteht man auch die Vorrunde schadlos.
Sie selbst waren ja der „heimliche Gewinner“ in der Nationalmannschaft 1990, Dieter Eilts erging es bei der EM 1996 ähnlich. Welchem deutschen Spieler würden Sie denn zutrauen, dass er besonders gestärkt aus dieser WM hervorgeht und sich für seine Karriere nochmals pushen kann?
Buchwald: Ich denke, das wird bestimmt einer von den jüngeren Spielern. Da wird sicherlich einer sehr überraschen. Wer jetzt genau, weiß ich nicht. Ich glaube, der „Jogi“ Löw nimmt auch ein paar junge Spieler mit und ich kann mir schon vorstellen, dass da der ein oder andere sein Potential optimal abruft und ein sehr großer Gewinner ist. Bei Weltmeisterschaften werden auch immer Stars geboren oder gemacht. Man braucht große Turniere, um ein Star zu werden und ich glaube da haben schon einige Spieler wie ein Sami Khedira vom VfB Stuttgart gute Chancen, den nächsten Schritt zu machen. Oder auch ein Mario Gomez nach seiner verkorksten EM, dass er dann vielleicht auch den internationalen Durchbruch schafft. Ich denke, da wird der ein oder andere sicherlich absolut positiv überraschen.
Eure Meinung: Denkt Ihr auch, dass Deutschland die WM-Vorrunde sicher überstehen wird? Und welchem Spieler traut Ihr zu, bei dem anstehenden Turnier einen weiteren Schritt nach vorne zu gehen?
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