Marco Reus exklusiv: „Ich lebe meinen Bundesliga-Traum“

Goal.com traf sich mit Borussia Mönchengladbachs Marco Reus zu einem Exklusiv-Interview. Dort plauderte der Shooting-Star in Teil 1 unter anderem über den Saisonverlauf, den Trainer und seinen Sturm-Partner Raul Bobadilla.

Marco Reus, Borussia Mönchengladbach (Bongarts/Getty)
Ein Interview von Christoph VOGEL

Nach einer Niederlage und einem Unentschieden in Berlin, erfolgte nun der erste Sieg der Rückrunde gegen Bremen. Wie hast Du das Spiel erlebt?

Marco Reus: „Das war natürlich vor allem für die Fans ein tolles Erlebnis. Ich denke, dass viele dachten, als wir nach 18 Minuten 3:0 führten, dass die Sache gelaufen ist. Wir wussten natürlich, dass die Bremer enorme Qualitäten in der Offensive haben und dass die immer ins Spiel zurückkommen können. Und dann haben wir es hinterher noch einmal spannend gemacht, weil wir nach vorne nicht mehr so viele Akzente gesetzt haben und wir uns einfach zu tief haben fallen lassen. Das haben wir aber in der zweiten Halbzeit besser gemacht und auch verdient gewonnen.“

„Ich denke, der Raul hat sich selbst am meisten Gedanken darüber gemacht, warum er nicht trifft“

Die Bremer Offensive ist ja bekannt, aber vor allem habt Ihr, wie Euer Trainer gesagt hat, „perfekt gekontert“. War das so auch vor dem Spiel Eure Taktik?


Marco Reus: „Wir wussten natürlich, dass die Bremer enorme Qualität nach vorne haben, aber wir wussten auch, dass sie in der Rückwärtsbewegung Probleme haben und immer das Spiel machen wollen. Dann haben wir in der Woche darauf hintrainiert, dass wenn wir die Chance bekommen, wir die auch nutzen. Ich denke, wir haben das vor allem in der ersten Halbzeit auch super gemacht.“

Bei deinem Teamkollegen, Raul Bobadilla, scheint der Knoten geplatzt zu sein. Er hatte vor dem Spiel nur ein Tor geschossen – war das innerhalb der Mannschaft ein Thema?

Marco Reus: „Nein, eher weniger. Ich denke, der Raul hat sich selbst am meisten Gedanken darüber gemacht, warum er nicht trifft. Wir hoffen natürlich alle, dass es für ihn das Zeichen ist ‚jetzt geht’s aufwärts’. Ich denke, davor hat er auch Spiele gehabt, wo er gut gearbeitet hat, es aber nicht für ein Tor reichte. Aber es geht halt schnell im Fußball. Jetzt hat er am Samstag ein richtig gutes Spiel gemacht und wir hoffen natürlich, dass es jetzt so weiter
geht.“

Du rangierst in der Torjägerliste sogar vor Bobadilla mit vier Saisontoren. Hattest Du damit gerechnet, so schnell den Sprung aus der zweiten Liga aus Ahlen zu schaffen?

Marco Reus: „Man macht sich natürlich Hoffnungen, dass man mehr Einsätze und Spielpraxis bekommt. Ich denke, dass es am Anfang auch so war und es zu Beginn schwierig ist, sich einzugewöhnen von der zweiten auf die erste Liga. Schon im Training ist das was anderes, die Qualität ist viel höher. Nach einer Zeit habe ich mir gesagt: ‚Irgendwann kriegst du die Chance, dann musst die nutzen’. Als erstes habe ich sie dann in Freiburg nicht genutzt, aber zum Glück habe ich noch eine zweite Chance bekommen. Ich denke, ab da an ging es aufwärts, und wenn man natürlich Spiele macht, bekommt man auch eine gewisse Sicherheit. Und die habe ich mir, denke ich, auch geholt von Spiel zu Spiel.“

Zwischendurch gab es dann eine Durststrecke, danach ging es wieder aufwärts. Was ist Dein Fazit der bisherigen Saison?

Marco Reus: „Für mich ist es am Anfang eigentlich gut gelaufen. Ich habe gehofft, dass ich zu Einsätzen komme und die habe ich auch erhalten, von daher ist es ja auch nicht wirklich schlecht gelaufen. Dann wurde es immer besser, da kann man ja nicht mit rechnen. Aber wenn man seine Leistung bringt, sich anbietet und die Chance nutzt, ist man erst einmal im Team drin – da muss man zunächst bleiben und weiter Gas geben! Ich denke, dass wir am Anfang eigentlich guten Fußball gespielt haben: Gegen Hertha gewonnen, in Bochum unentschieden gespielt; da hätten wir auch gewinnen müssen. Dann kam unsere Durststrecke mit den Niederlagen. Da haben wir auch ordentlich gespielt, aber wir hatten nicht das Glück, dass der Ball mal reingeht oder wir auch mal so ein Drecksspiel gewinnen. Das Schlüsselspiel war gegen Hamburg, als keiner damit gerechnet hatte, dass wir gewinnen. Da hat es in unseren Köpfen Klick gemacht und wir wussten: ´Wir sind eine Truppe, die jeden schlagen kann.´ Und das versuchen wir von Spiel zu Spiel.“



„Das Schlüsselspiel war gegen Hamburg, als keiner damit gerechnet hatte, dass wir gewinnen. Da hat es in unseren Köpfen Klick gemacht und wir wussten: ´Wir sind eine Truppe, die jeden schlagen kann´.“

Du warst seit dem Spiel gegen Wolfsburg immer in der Startelf. Du kamst ja für eine Million Euro aus Ahlen. Kam dieser Umschwung für Dich überraschend, dass Du zum Stammspieler wurdest? 

Marco Reus: „Es ist immer ein schmaler Grad. Wenn es läuft, hat der Trainer keinen Anlass zu wechseln. Wenn es nicht läuft, muss man eben improvisieren. Dann habe ich gegen Wolfsburg gespielt und zu Beginn ein paar Probleme gehabt. Aber dann holt man sich sein Selbstvertrauen wieder, wenn man Zweikämpfe gewinnt oder versucht gut zu spielen. Ich denke, dass ich seit Wolfsburg im Team bin, weil ich versucht habe, mich im Training anzubieten. Ich denke, es ist das Wichtigste, im Training Gas zu geben. Da entwickelt man sich einfach am meisten weiter. Bisher ist das gut gelaufen und ich hoffe, es geht so weiter.“

Apropos Entwicklung: Du spielst im Mittelfeld und hast Deine Stärken in der Offensive. Wo siehst Du noch Luft nach oben?

Marco Reus: „Es ist noch überall Luft nach oben. Man kann sich immer weiter verbessern, egal in welchem Bereich. Ob Offensive oder Defensive – es gibt immer bessere Möglichkeiten, die man entwickeln kann. Ich versuche immer mein Bestes für das Team zu geben und hasse es einfach, zu verlieren. Ich glaube aber, das mag keiner aus unserer Mannschaft.“

Mit Dir zusammen kam ja Michael Frontzeck als neuer Trainer nach Gladbach. Wie würdest Du ihn beschreiben?

Marrco Reus: „Er ist ein geradliniger Trainer, genauso wie seine Ansprachen. Er weiß, was er will. Ich kann nur sagen: Er ist ein toller Trainer, wir verstehen uns alle mit ihm. Es macht Spaß im Training mit ihm zu arbeiten, und wir freuen uns, dass er Trainer von Borussia Mönchengladbach ist.“



„Wo ich gehört habe, dass Borussia Mönchengladbach Interesse hat, war mir sofort klar, dass ich hier hin wechseln möchte

Wieso hast Du Dich bei Deinem Wechsel für Gladbach entschieden? Gab es noch andere Interessenten – vielleicht sogar die „andere“ Borussia aus Dortmund?

Marco Reus: „Ich habe in der Jugend bei Borussia Dortmund gespielt, bin da auch geboren und meine Familie wohnt noch da. Aber wo ich gehört habe, dass Borussia Mönchengladbach Interesse hat, war mir sofort klar, dass ich hierhin wechseln möchte. Hier habe ich das Gefühl, dass ich mich besser entwickeln kann und meine Zukunft ist. Bis jetzt habe ich nichts falsch gemacht und lebe einfach meinen Traum. Ich hoffe natürlich, dass es so weiter geht.“

Was sagt ihr zur Saison von Marco Reus und Borussia Mönchengladbach?



 
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