Exklusiv-Interview mit Marius Ebbers (Teil 2): „Am 4. Spieltag auf Platz 1 zu stehen bringt gar nichts!“

Vier Spiele, zehn Punkte und Platz eins in der zweiten Liga: Der FC St. Pauli blickt aktuell auf einen erfolgreichen Sommer. Doch „es bringt halt gar nichts, wenn du am vierten Spieltag auf dem ersten Platz stehst und am 34. bist du zehnter“, weiß Angreifer Marius Ebbers, denn „dann kannst du dir mit der Tabelle auch den Hintern abwischen!“. Goal.com hat den 31-Jährigen nach dem Training zum EXKLUSIV-Interview getroffen.

Zwei Versuche: Ebbers spielte zwischen 1998–1999 und 2001–2003 in Duisburg (firo)
Ein Interview von Sebastian HEIER

HIER: Exklusiv-Interview mit Marius Ebbers (Teil 1): „Wir reden nicht über den Aufstieg“

Hamburg. Marius Ebbers hat in seiner Karriere schon für die SG Wattenscheid 09, den MSV Duisburg, den 1. FC Köln und für Alemannia Aachen gestürmt. Seit Sommer 2008, also seit etwas mehr als zwölf Monaten, geht der 31-Jährige für den FC St. Pauli auf Torejagd. Ebbers weiß, dass „jeder Fußballer bestätigen wird, dass es immer etwas Besonderes ist am Millerntor zu spielen“. Dort hat der 1,92 Meter große Angreifer zwar in dieser Saison noch nicht getroffen, dafür aber schon drei Mal auf dem gegnerischen Platz.

Goal.com hat den 31-Jährigen nach dem Training zum EXKLUSIV-Interview getroffen und sprach mit ihm über den Saisonstart, das Erfolgsrezept und über vieles mehr… (HIER: Exklusiv-Interview mit Marius Ebbers (Teil 1): „Wir reden nicht über den Aufstieg“). Im zweiten und letzten Teil des Interviews geht es nicht nur um seine Rolle in der Mannschaft, sondern auch um das Vereinsjubiläum im kommenden Jahr, seine Ex-Vereine und um das bevorstehende DFB-Pokalspiel in Bremen…

Wie ist das für Sie als erfahrener Spieler mit den ganzen jungen Spielern in der Mannschaft - Welche Rolle nehmen Sie ein und wie bewerten Sie diese?


Marius Ebbers: Ich habe eine gewisse Erfahrung, habe schon einiges mitgemacht und bin schon etwas länger dabei – das versuche ich natürlich auch auf dem Platz umzusetzen. Den jüngeren Spielern versuche ich den einen oder anderen Tipp zu geben. Ich sage ihnen, wie ich es machen würde, ob das immer so richtig ist, ist wieder eine andere Sache. Ich versuche aus meinen Erfahrungen zu sprechen, aber ich bewerte meine Rolle dabei nicht zu hoch, weil ich mich auch noch relativ jung fühle. Ich bin nicht der Typ, der als älterer Spieler ruhig ist, im Gegenteil: Ich mache jeden Spaß mit und deswegen bewerte ich mein Alter und meine Erfahrung auf gar keinen Fall über.



„… DANN KANNST DU DIR DAMIT DEN HINTERN ABWISCHEN!“

Einige Anhänger und Verantwortliche erinnern sich wohl noch daran, als der FC St. Pauli in der Bundesliga-Tabelle zum ersten Mal auf dem ersten Platz stand. Damals haben sich sicherlich auch einige Spieler die Tabelle aus der Zeitung ausgeschnitten und an die Wand gehängt. Jetzt grüßt der FC St. Pauli von der Spitze der zweiten Liga - eine Momentaufnahme, die vielleicht auch ausgeschnitten wird?

Marius Ebbers: Ich persönlich schneide sie mir nicht aus und ich gucke auch nicht jeden Tag auf die Tabelle. Sicherlich sieht man sie ab und zu, da es gerade hier in den Printmedien ein großes Thema ist. Ich kann mich allerdings nur wiederholen, es bringt halt gar nichts, wenn du am vierten Spieltag auf dem ersten Platz stehst und am 34. bist du zehnter - dann kannst du dir mit der Tabelle auch den Hintern abwischen! Wie gesagt: Für uns ist es erst am Ende der Saison interessant, wo wir stehen und dann schauen wir mal, wo wir uns befinden.

„ALS GESCHENK EINEN GUTEN ABSCHLUSS IM JAHR 2010“

Im kommenden Jahr wird der FC St. Pauli 100 Jahre alt, was wünschen Sie sich vielleicht oder was würden Sie dem Verein gerne schenken?


Marius Ebbers: Ich hoffe, dass wir als Mannschaft dem Verein eine richtig gute Saison schenken und schließlich einen guten Abschluss im Jahr 2010 haben – wie dieser dann im Endeffekt aussieht, wird man sehen.

Jüngst wurde das Millerntor-Stadion von unserer Sportredaktion zum Kultstadion Nummer eins in Deutschland gewählt (ganzer Artikel). Aus Ihrer Sicht, welches wäre die Kultstätte in Europa?


Marius Ebbers: Da gibt es wahrscheinlich viele… Ich habe ehrlich gesagt so viele europäische Stadien noch nicht von innen gesehen. Ich denk, dass viele Stadien aus England dazu zählen. Der alte Tivoli war kultig und das Millerntor ist es noch immer. Es gibt wahrscheinlich mehrere Stadien, die richtig schön sind.

„DAS MILLERNTOR IST ETWAS BESONDERES“

Sie haben unter anderem schon für die SG Wattenscheid 09, den MSV Duisburg, den 1. FC Köln und für Alemannia Aachen gespielt – alles Klubs, die im und rund um das Ruhrgebiet liegen. Geboren wurden Sie sogar in Essen, im „Herzen des Potts“. Was macht den Hamburger/Pauli-Charme aus und wo liegen vielleicht die Unterschiede?

Marius Ebbers: Das ist natürlich schwer zu sagen. Ich denke, das wird jeder Fußballer bestätigen: Es ist immer etwas Besonderes am Millerntor zu spielen, weil dort die Stimmung einfach grandios ist. Man wird immer nach vorne gepeitscht, egal ob das Spiel gut oder schlecht läuft. Die Fans stehen hinter der Mannschaft und das ist etwas Besonderes - das macht die Atmosphäre und den Charme auf Sankt Pauli aus!

Haben Sie ihre Ex-Vereine auch noch etwas im Blick oder sind die Kapitel komplett abgeschlossen?

Marius Ebbers: Also im Prinzip sind die Kapitel abgeschlossen. Der Verein, den ich am meisten verfolge, ist sicherlich noch Aachen. Dort habe ich als letztes gespielt und in Aachen kenne ich auch noch einige Spieler aus der Mannschaft.  Bei den anderen Mannschaften, wie Duisburg und Köln, kenne ich gar keinen aktiven Spieler mehr persönlich. In einem gewissen Grad verfolge ich natürlich noch den MSV Duisburg und den 1. FC Köln: Duisburg ist ein Konkurrent aus der Liga und auf die Kölner blickt man automatisch, wenn man sich die Bundesliga ansieht. Wie gesagt, den meisten Bezug habe ich noch zu Aachen.



„WERDEN ALLES FÜR EINE POKALSENSATION MACHEN“

Ein Blick in die nahe Zukunft: In drei Wochen spielen Sie im DFB-Pokal in Bremen, was wird dort für den FC St.Pauli möglich sein?

Marius Ebbers: Wir sind sicherlich krasser Außenseiten, das ist auf jeden Fall so. Bremen ist eine Spitzenmannschaft im deutschen Fußball und wir sind immerhin in der zweiten Liga.  Dennoch haben wir bewiesen, dass wir auch einen guten Fußball spielen können und wir werden alles dafür tun, um eine Runde weiter zu kommen. Wir werden es den Bremern so schwer wie möglich machen. Ich denke, dass es gegen uns immer unbequem ist zu spielen. Wir werden sehen, was in drei Wochen dabei rumkommt. Wenn wir gewinnen würden, wäre es ja nicht die erste Überraschung im DFB-Pokal…

„NICHT VIEL ZEIT FÜR ANDERE SACHEN“

Wie können wir uns Marius Ebbers neben dem Platz vorstellen – wie sieht es bei Ihnen privat aus und was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Marius Ebbers: Ich bin verheiratet, wir haben einen Hund und wir haben jetzt einen acht Monate alten Sohn. Unser Kind nimmt natürlich richtig viel Zeit in Anspruch, das ist auch wunderschön, und deswegen bleibt dann auch nicht viel Zeit für andere Sachen.

Spielen Sie Konsolenspiele und übernehmen Sie vielleicht sogar die Rolle des Stürmers ‚Marius Ebbers‘ an der Konsole?

Marius Ebbers: Nein, überhaupt nicht. Ich habe sicherlich schon seit fünf Jahren nicht mehr Play Station oder ähnliches gespielt. Da komme ich aus zeitlichen Gründen gar nicht mehr zu.

Abschließend noch eine Frage: Viele Fußballer haben ein festes Ritual vor dem Spiel, haben auch Sie irgendwelche abergläubische Geheimnisse?


Marius Ebbers: Nein, eigentlich nicht [überlegt], ich wüsste jetzt zumindest nicht, dass mir da irgendwie was Besonderes einfällt. Alles ganz normal…

Goal.com bedankt sich bei Marius Ebbers und beim FC St. Pauli für dieses Interview und wünscht beiden natürlich auch weiterhin eine erfolgreiche Saison.


Schon gelesen? - Das Goal.com-Portrait: Marius Ebbers

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HIER: Exklusiv-Interview mit Marius Ebbers (Teil 1): „Wir reden nicht über den Aufstieg“


 
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