Erik Meijer exklusiv: „Computer, Telefon & Laptop sind nun mein neuer Sechzehner“

Mit Stolz präsentierte Goal.com Euch vor kurzem unseren neuen Promi-Experten Erik Meijer. Der Nationalstürmer, der während seiner aktiven Zeit die Strafräume in Holland, England und natürlich Deutschland unsicher gemacht hat, wird wie angekündigt regelmäßig das Geschehen des internationalen Fußballs in seiner gewohnt witzig ehrlichen Art an dieser Stelle analysieren. Vorher statteten wir dem Holländer allerdings einen Besuch in Aachen ab, wo Erik Meijer mittlerweile im Marketing-Bereich der Alemannia arbeitet.

Erik Meijer, Alemannia Aachen
Von François DUCHATEAU

Aachen.
Schwerpunkt-Gebiet von Erik Meijers neuem Aufgabengebiet ist die Vermarktung des neuen Tivoli-Stadions, welches am Montag feierlich eröffnet wird. Goal.com sprach exklusiv mit dem Holländer über die alte und neue Spielstätte von Alemannia Aachen und über die Dinge, die der Stürmer nach seiner aktiven Karriere gemacht hat...


Ehrlich gesagt kann man sich einen Erik Meijer nur schwer hinter einem Schreibtisch vorstellen...


Erik Meijer: Daran muss man sich am Anfang erst gewöhnen. Das ist logisch, wenn man vorher sein ganzes Leben lang draußen ist und sich da austobt. Aber gut, jetzt schlägt man einen anderen Weg ein. Jetzt hat man einen Computer, ein Telefon und einen Schreibtisch, das ist nun dein Arbeitsgebiet statt dem Sechzehner. Man gewöhnt sich aber sehr schnell, und ich muss sagen, ich suche auch hier wieder meine Möglichkeiten, ein Tor zu erzielen. Dann wenn ich neue Sponsoren an Land bringe oder neue Business Seats verkaufe oder eine Loge. So sucht man sich seinen Erfolg.


„Jetzt hat man einen Computer, ein Telefon und einen Schreibtisch, das ist nun dein Arbeitsgebiet statt dem Sechzehner. Man gewöhnt sich aber sehr schnell, und ich muss sagen, ich suche auch hier wieder meine Möglichkeiten, ein Tor zu erzielen.“


Hat man da als Ex-Fußballer bessere Karten, weil einen die Leute aus dem Fernsehen kennen?

Erik Meijer: Der einzige Bonus liegt vielleicht darin, dass dies am Anfang die Tür öffnet, aber sobald man drin ist, muss man sich selbst wieder neu verkaufen und das Produkt, was man anbietet, an den Mann bringen. Dann entscheidet der Kunde, ob er das gerne haben möchte: Ja oder nein. Dann ist Erik Meijer erst einmal zweitrangig, weil dann geht es um Knete, dann geht es um Geld, dann ist es nicht wichtig, ob da der Ex-Fußballer sitzt oder der Marketingmann, der noch nie Fußball gespielt hat. Aber um am Anfang einen Fuß in die Tür zu bekommen hilft das schon, bin ich der Meinung.

Viele wissen gar nicht, was sie aktuell genau machen: Sie arbeiten im Marketing für Alemannia Aachen speziell für Stadionfragen...


Erik Meijer: Ich versuche, so viel wie möglich im Marketingbereich und Vertrieb auszuhelfen und suche neue Sponsoren. Gerne auch mal in den Niederlanden oder Belgien, und natürlich die im Aachener Umkreis, die bisher noch nicht dachten, dass sie bei Alemannia als Sponsor einsteigen müssten. Das sind meine neuen Aufgaben. In Richtung neues Stadion: Business Seats, Logen, Werbebanden, Spots, diese Geschichten halt...

Hätten sie sich diesen Job am Ende ihrer Karriere vorstellen können? Oder wie kam es dazu? Warum wäre eine klassische Trainerlaufbahn nichts für sie gewesen?

Erik Meijer: Die wäre möglich gewesen, ich habe es ja ein Jahr lang versucht als Assistenztrainer im Bundesliga-Jahr. Allerdings hat mir das zunächst nicht so gut gefallen. Vielleicht hatte das auch damit zu tun gehabt, dass ich vor zwei Monaten noch mit den Jungs in der Kabine herumgeflachst habe. Und plötzlich war ich dann der, der das Sagen hatte, neben Michael Frontzeck. Es war vielleicht nicht so gut, dass so schnell zu machen. Andererseits habe ich daraus wieder gelernt. Und das, was ich jetzt mache, ist etwas, wo ich mich sehr wohl bei fühle. Auch als Spieler war ich immer in den Business-Räumlichkeiten und habe oft den Kontakt zu Sponsoren gesucht, damals um die Mannschaftskasse zu specken. Jetzt bin ich ein zufriedener Mensch.




„Ich habe es ja ein Jahr lang versucht als Assistenztrainer im Bundesliga-Jahr. Allerdings hat mir das zunächst nicht so gut gefallen. Vielleicht hatte das auch damit zu tun gehabt, dass ich vor zwei Monaten noch mit den Jungs in der Kabine herumgeflachst habe.“


Der neue Tivoli wurde wenige hundert Meter neben dem Original gebaut. War es nicht möglich gewesen, den alten Tivoli einfach zu modernisieren?

Erik Meijer: Einfache Antwort: Nein. Da hätte man so viel machen müssen und es wäre die gleiche Summe Geld dabei und nichts Besseres dabei herumgekommen. Außerdem hätte man sehr viel in Richtung Lärmschutz investieren müssen, wegen des anliegenden Wohngebietes. Das wäre auch in die Millionen gegangen. Da muss man auch logisch nachdenken und schauen. Wir haben einen Grundstückstausch gemacht mit der Stadt Aachen, die hat das Grundstück des alten Stadions bekommen  und wir haben ein Grundstück etwas weiter runter bekommen. Und jetzt haben wir eigentlich auch eine perfekte Lage, weil daneben ist die Sportstätte Soers, so dass die beiden größten Sportzentren Aachens brüderlich nebeneinander liegen. Es hätte also nicht besser kommen können.

Sie sind ja im niederländischen Meersen bei Maastricht in Limburg aufgewachsen, nahe der deutschen Grenze. Wie viel bekamen sie als Jugendlicher von der Alemannia und dem Tivoli mit?

Erik Meijer: Mein Vater war auch ein bisschen fußballverrückt. Also überall wo Fußball gespielt wurde, ob das jetzt Lüttich, Maastricht, Sittard oder Kerkrade war – da sind wir hingefahren, und natürlich auch nach Aachen. Im Tivoli bin ich auch als kleiner Junge schon einmal gewesen, damals durfte man noch eine leere Limonadenkiste mitnehmen, damit man was vom Spiel sehen konnte, weil es damals auch schon vornehmlich Stehränge waren. Seitdem hat sich nicht mehr ganz so viel am Stadion verändert.
„Im Tivoli bin ich auch als kleiner Junge schon einmal gewesen, damals durfte man noch eine leere Limonadenkiste mitnehmen, damit man was vom Spiel sehen konnte“

Können sie sich noch an ihr erstes Spiel im Tivoli erinnern?

Erik Meijer: Nein, das ist zu lange her. Ich kann mich nur dran erinnern, dass Fußball gespielt wurde und ich als kleiner Sechs/Siebenjähriger Bursche dabei sein durfte.

Und wo werden sie beim ersten Spiel im neuen Stadion sitzen? Business Seat, Loge oder Stehplatz?

Erik Meijer:
Dort, wo noch ein Platz übrig ist, und wenn ich dann halt stehen muss, dann stehe ich halt. Das macht mir nicht so viel aus. Hauptsache die Leute, die dafür bezahlt haben, bekommen ihren Platz, fühlen sich wohl und kommen wieder, wenn es das zweite Heimspiel gibt. Nein das ist für mich eigentlich egal wo ich sitze, das ist nicht so wichtig. Ich werde es genießen, ich genieße es schon jetzt, wenn ich mit potenziellen Sponsoren durchs Stadion gehe und erkläre, was sie hier vorfinden werden oder wo ihre Plätze sein werden. So werde ich es auch dann am 17. Genießen, wenn es dann so richtig los geht.



„Wenn ich dann halt stehen muss, dann stehe ich halt.“


Fühlen sie sich vielleicht gerade in Aachen so wohl, weil es direkt neben ihrer Heimat ist, obwohl sie als Fußballer so ein Wandervogel waren?

Erik Meijer: Ich muss schon sagen, dass Freunde, Bekannte und Familie in meinem Umkreis wichtig für mich sind. Ich bin einige Jahre sehr viel herumgekommen, von Maastricht aus Richtung Eindhoven, Liverpool, Hamburg... Ich wusste aber schon immer, dass es für eine beschränkte Zeit sein wird und dass ich eines Tages dort wieder zurückkehren werde, wo ich herkomme. Und das ist grob um Maastricht herum. Dass ich jetzt einen Verein gefunden habe, der direkt so an der Grenze liegt: Okay, das ist jetzt so gewesen, aber für mich gibt es sowieso keine Grenzen mehr. Ich lebe hier in der „Euregio“: als Niederländer wohne ich in Belgien und arbeite in Deutschland – besser kann es nicht sein.

Dabei wollten sie doch nach ihrer Karriere eigentlich erst einmal die Freizeit genießen und Herumreisen?

Erik Meijer: Das wollte ich Eigentlich machen, ja - doch dann ist der Co-Trainer-Job dazwischengesprungen. Als dieser zu Ende war, habe ich mich entschlossen, eine kleine Auszeit zu nehmen und bin ab nach Australien, wo ich zwei Monate herumgereist bin, auch Hong Kong, und habe mir einfach ein bisschen etwas von der Welt angeschaut.

Was machen sie in ihrer Freizeit? Haben sie ein Hobby? Sind sie Golfer?

Erik Meijer: Ich golfe, ja – gerne. Morgen haben wir das Alemannia Aachen Golfturnier. Das habe ich mitorganisiert. Aber wenn man mich nach meinen Hobbys fragt, dann a) Reisen. Das ist das Größte. Golf und Reisen kann man zudem sehr gut kombinieren. Ich gehe sehr gerne mit Freunden angenehm und lecker Essen, mit einer guten Flasche Wein dabei.

Die letzte Frage: Ihr Handicap beim Golfen?

Erik Meijer:
Elf – und ein bisschen. Ich bleibe ja bei meiner Rückennummer (lacht).


 
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