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Vielseitig und aufbrausend – Das ist Manchester Uniteds neuer Verteidiger Marcos Rojo

Der 24-Jährige lieferte bei der WM beeindruckende Leistungen ab und ist nun auch in der Mitte ein starker Spieler. Ob er auch seine Disziplin in den Griff bekommt?

PORTRÄT
Von Jan Hagen

Marcos Rojo wechselt zu Manchester United. Am Dienstagabend verkündete der englische Klub die Einigung mit seinem Noch-Arbeitgeber Sporting Lissabon. Rund 24 Stunden später war der Deal dann endgültig in trockenen Tüchern. United zahlt 20 Millionen Euro Ablöse und leiht zudem Nani an die Portugiesen aus. Aber wer ist der Argentinier, den Louis van Gaal unbedingt wollte?

Der neue Coach der Red Devils suchte seit mehreren Wochen nach einem Linksfuß für die Abwehr. Einem Verteidiger, der im Zentrum spielen kann, den eine gute Spieleröffnung auszeichnet und der auch auf der linken Seite einsetzbar ist.

Arsenals Thomas Vermaelen war ebenfalls ein Kandidat. Er entschied sich aber für den FC Barcelona und  spätestens ab diesem Zeitpunkt machte United bei Rojo ernst.

Links in der Albiceleste, zentral bei Sporting

Hinter dem 24-Jährigen liegt eine starke Weltmeisterschaft. Er war Stammkraft in der Albiceleste, die in Brasilien das Endspiel erreichte. Trainer Alejandro Sabella setzte ihn auf der linken Außenbahn ein. Bei Sporting agierte er dagegen in den vergangenen beiden Jahren in der Innenverteidigung. Vor allem in der Vorsaison lieferte er auf dem Weg zur Vizemeisterschaft dort glänzende Leistungen ab.

Rojo erfüllt so ziemlich alle gewünschten Kriterien. Doch bei allen Vorzügen sollte der englische Rekordmeister auch wissen, worauf er sich einlässt.

Die große Stärke des 1,89 Meter großen Kraftpakets ist ohne Zweifel das Passspiel. Keine Frage, diese Qualität wird van Gaal sehr an ihm schätzen. Er verfügt außerdem über eine tolle Physis, ist schnell und hat ein ordentliches Kopfballspiel.
Vor der Weltmeisterschaft hatten viele Fachleute ihn und Keeper Sergio Romero als Schwachstellen der Argentinier ausgemacht. Doch Rojo belehrte sie eines Besseren und avancierte zu einem der Leistungsträger. Er verteidigte kompromisslos und war gleichzeitig einer der Fixpunkte im Angriffsspiel.

Sprintstark und spektakulär

Während der ersten Partie gegen Bosnien sprintete er mit 31,79 km/h über das Feld und bewies, dass er zu den schnellsten Spielern der Endrunde gehört.

Es mangelt ihm auch nicht an Selbstvertrauen. Im selben Match klärte er im eigenen Sechzehner mit einem sogenannten "Adlerauge", bei dem er den Ball mit dem linken Fuß hinter dem rechten Bein weg spektakulär aus der Gefahrenzone bugsierte.

Wie es sich aber für jemanden gehört der "Rojo" (spanisch für "rot") heißt, ist er auch ein Hitzkopf. Noch am Sonntag verkündete er, er trete bei Sporting in einen Trainingsstreik, um seinen Transfer nach Manchester durchzudrücken. Wenig später ruderte er zurück und entschuldigte sich öffentlich.

Während seiner ersten Saison in Portugal erlebte Sporting unter Ricardo Sa Pinto einen miserablen Saisonstart und Rojo sah am sechsten Spieltag gegen Porto seine erste Ampelkarte. Später wurde Sa Pinto, der ihn überhaupt erst als Innenverteidiger eingesetzt hatte, gefeuert. Die Mannschaft erlebte einen Aufschwung, aber auch im Rückspiel gegen Porto kassierte Rojo einen Platzverweis.

24 Karten in zwei Jahren

Er hat die Tendenz, in verbissen geführten Zweikämpfen über die Strenge zu schlagen. Außerdem ist er dafür bekannt, nach Schiedsrichterentscheidungen gegen ihn, verärgert den Ball wegzuschießen. Das erklärt unter anderem auch die 20 gelben Karten und vier Platzverweise in den letzten beiden Spielzeiten.

Bei der WM verpasste er das Halbfinale gegen van Gaals Niederländer wegen einer Sperre, nachdem er Ricardo Rodriguez über die Klinge springen lassen hatte.

Zweifel gibt es auch an seiner Konzentrationsfähigkeit in wichtigen Partien. In Lissabon stand er mehrfach wegen seiner Leistungen gegen die Topgegner in der Kritik. Vor allem sein Stellungsspiel, aus dem Spiel heraus und bei Standards, war ausbaufähig. Fairerweise muss man konstatieren, dass er sich in diesem Bereich unter Leonardo Jardim stark verbessert hat und einer der Schlüsselspieler während der tollen Vorsaison war.

Van Gaal ist zweifelsohne der richtige Trainer, um ihn auf die nächste Leistungsstufe zu führen. Allerdings ist der Verteidigerjob bei United auch ein besonders anspruchsvoller. Noch am Samstag sagte der niederländische Trainer: "Jede Mannschaft wird sich gegen uns Möglichkeiten und Chancen erspielen. Denn wir spielen mit jeder Menge Raum hinter uns. Das ist schwer zu verteidigen." Mit Rojo soll es jetzt etwas leichter werden.


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