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Der Hamburger SV baggert seit Wochen an Matthias Ostrzolek. Nach der Zusage der Kühne-Millionen ist der Wechsel nur noch eine Frage der Zeit.

SPECIAL REPORT
Von Stefan Döring

Matthias Ostrzolek ist einer jener Bundesligaspieler, die von der breiten Öffentlichkeit nur selten wahrgenommen werden. Seit einigen Wochen ist er aber immer wieder in den Schlagzeilen der Sportteile verschiedener Zeitungen, denn der gebürtige Bochumer möchte den FC Augsburg eigentlich verlassen. Der Hamburger SV soll erster Kandidat für die Abnahme des Linksverteidigers sein, doch die Verhandlungen ziehen sich bereits seit Wochen hin.

Dass Ostrzolek inzwischen auf seine Wechselabsichten reduziert wird, hat er sich ein Stück weit selbst zuzuschreiben. Zum Ende der abgelaufenen Saison sagte er nämlich: "Ich möchte den FC Augsburg im Sommer auf jeden Fall verlassen." Doch der 24-Jährige ist nicht der "untreue" und "geldgierige Drecksack", wie er von einigen FCA-Fans in Internet-Foren beschimpft wird. Schließlich war es der Verein, der ihm nahegelegt hat, sich einen neuen Arbeitgeber zu suchen, nachdem er eine Vertragsverlängerung abgelehnt hatte. Verständlich, wenn man bedenkt, dass ihm aufgrund seiner glänzenden Perspektive viele Türen offen stehen und Augsburg ihn nicht ablösefrei ziehen lassen will.

Leistungen sinnbildlich für FCA-Aufschwung

Vom VfL Bochum wechselte der Abiturient zum damals aufstrebenden FC Augsburg. Dort steht er sinnbildlich für die letzten guten Jahre der Allgäuer, wusste er doch stets durch Kampfgeist, Laufbereitschaft und gute Technik zu überzeugen. Er ist ein hart arbeitender, gut ausgebildeter Außenverteidiger, ein Dauerbrenner in der Mannschaft von Markus Weinzierl. Ostrzolek absolvierte 33 Spiele und fehlte nur aufgrund einer Gelb-Sperre, war eine der Stützen, auf denen der Trainer sein Erfolgssystem gebaut hat, das den FC Augsburg sogar lange an den Europa-League-Plätzen schnuppern ließ. Nun will er den nächsten Schritt gehen.

Aufgrund seiner Leistungen ist Ostrzolek zu Unrecht ein von der Öffentlichkeit nahezu unbeobachteter Spieler in der Bundesliga. Die Manager der Vereine hingegen werden ihn schon länger auf ihren Zetteln haben. Weinzierl ist trotzdem nicht bange, dass er den Verein noch so kurz vor Saisonstart verlässt: "Er steht bei uns bis 2015 unter Vertrag. Momentan suchen wir keinen Spieler für diese Position." Die Aussagen des Spielers, die er gegenüber der Bild tätigte, sprechen allerdings eine andere Sprache. "Ich hatte zweieinhalb fantastische Jahre in Augsburg, mit einer tollen Mannschaft und unglaublichen Fans. Ich möchte mich aber persönlich und sportlich weiterentwickeln und deshalb jetzt gehen", wird Ostrzolek zitiert.

Noch ist allerdings nichts entschieden, da der FC Augsburg möglichst viel von der Entwicklung des ehemaligen U21-Nationalspielers profitieren will. Er gab allerdings bereits zu, dass er sich mit zwei Vereinen über die Zukunft unterhalten hat: "Richtig ist, dass ich sowohl mit den Verantwortlichen von Hannover 96, als auch dem HSV sehr gute Gespräche hatte und ich beide Klubs interessant finde". Und: "Meines Wissens nach liegen Angebote vor."

Noch Mitte der vergangenen Saison lachte FCA-Trainer Weinzierl über ein Angebot des Hamburger SV für Ostrzolek. "Sie wissen gar nicht, in welcher Liga sie spielen, haben hundert Millionen Schulden und wollen nach Augsburg kommen und uns die Spieler wegkaufen", erklärte er damals. Inzwischen bereiten sich die Hanseaten aber auf eine weitere Bundesliga-Saison vor und können sich aufgrund weiterer Millionen von Klaus-Michael Kühne auf dem Transfermarkt umsehen.

Über den HSV zum Nationalspieler?

Sollte Ostrzolek den Weg nach Hamburg einschlagen, trifft er dort mit Marcell Jansen und Heiko Westermann auf namhafte Konkurrenz. Westermann ist aber kein ausgebildeter Außenverteidiger, was er zum Unmut der Fans häufiger unter Beweis stellte, und Jansen ist häufig verletzt, trainiert in der Vorbereitung immer noch nicht voll mit. Kein Wunder also, dass sich Dietmar Beiersdorfer mit einem anderen Kandidaten auf der Position beschäftigt. Sowohl für den HSV als auch für Ostrzolek könnte ein Wechsel zu einer Win-Win-Situation führen.

Die Hamburger hätten einen guten Außenverteidiger und er könnte sich bei einem großen Klub in das Blickfeld von Nationaltrainer Joachim Löw spielen. Denn: Die linke Abwehrseite des DFB-Teams ist bekanntlich die größte Baustelle. Bei der Weltmeisterschaft spielte Benedikt Höwedes vom FC Schalke 04 auf dieser Position, doch das ist sicherlich nicht die zukunftsträchtige Variante. Marcel Schmelzer von Borussia Dortmund, der vor seiner Verletzungspause dort auflief, machte im Trikot mit dem Adler auf der Brust auch noch nicht die sichersten Eindrücke. Gut möglich, dass sich Löw in der kommenden Saison anderweitig umsehen wird. Und das wäre die große Chance für Ostrzolek, der in den Jugend-Nationalmannschaften stets zum Stammpersonal gehörte.

Noch ist das allerdings reine Spekulation, denn ein Wechsel ist lange nicht in trockenen Tüchern. Da haben auch die Mitspieler wie Tobias Werner Mitleid: "Matze ist der Geschädigte. Er hängt zwischen den Seilen. Wenn der Transfer nicht passieren wird, dann bin ich mir aber sicher, dass er alles für den Verein geben wird". Man darf gespannt sein, wohin es den Linksverteidiger, der beim VfL Bochum eine exzellente Ausbildung genoss, hinziehen wird. Eines scheint aber sicher: Sein Weg führt weiter hinauf.

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