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Belgiens schneller Sturmtank: Romelu Lukaku im Porträt

Mit 16 Jahren als Profi gestartet, reifte er in nur fünf Jahren zu einem der vielversprechendsten Spieler in ganz Europa. Goal nimmt den belgischen Angreifer unter die Lupe.

PORTRÄT
Von Lukas Nowak

Mit zarten 18 Jahren wagte Romelu Lukaku den Sprung in die Premier League. Für kolportierte 22 Millionen Euro eiste ihn der FC Chelsea vom RSC Anderlecht los. Dort spielte der Belgier zuvor drei Jahre und machte seine ersten Schritte als Profi. Gerade einmal drei Jahre später steht er in Belgiens WM-Kader. In Brasilien soll er die Roten Teufel mit seinen Toren ganz weit bringen.

MEINUNG AUS ENGLAND
Jamie Dunn, Goal UK

Romelu Lukaku passt in die Bundesliga. Er ist ziemlich schnell und dennoch sehr kräftig. In der letzten Saison schoss er alle seine Tore von innerhalb des Strafraums. Dabei benutzte er beide Füße und netzte auch ein paar Mal per Kopf ein. Ich glaube er hat bewiesen, dass er vielseitig genug ist, in den meisten von Europas Topligen zu spielen. Man darf außerdem nicht vergessen, dass er erst 21 Jahre alt ist. Wenn er sich weiterhin verbessert und sein Spiel weiterentwickelt, bringt er all die körperlichen Voraussetzungen mit um einer von Europas besten Stürmern zu werden.

Der 1,91-Meter große Angreifer gehört zwar dem FC Chelsea - doch wirklich Fuß fassen konnte er in der englischen Hauptstadt nicht. Nach einem Jahr bei den Blues, in dem er nur auf acht Einsätze bei den Profis kam und vorwiegend in der zweiten Mannschaft eingesetzt wurde, folgte die Leihe zu West Bromwich Albion.

Beim Midland-Klub gelang ihm dann mit 19 Jahren der Durchbruch. Mit 17 Toren in 35 Begegnungen stellte der Belgier mit kongolesischen Wurzeln seine Qualität eindrucksvoll unter Beweis. Ein Jahr später folgte die nächste Leihe. Von den Baggies ging es kurz zurück zum FC Chelsea. Doch Jose Mourinho bevorzugte die Verpflichtung des erfahreneren Samuel Eto'o. Vor allem nach dem Elfmeter-Fehlschuss im UEFA-Supercup-Finale gegen den FC Bayern München sanken seine Aktien beim portugiesischen Coach in den Keller.

Durch und durch treffsicher

Der Wechsel in den Goodison Park folgte und Lukakus Saison sollte "The Special One" eines Besseren belehren. In 33 Spielen traf er 15 mal für den FC Everton – nur vier mal weniger wie alle Chelsea-Angreifer zusammen.

Und nun? Die Leihe bei den Toffees läuft aus. Und der FC Chelsea könnte einen sowohl bulligen als auch gleichzeitg schnellen und treffsicheren Angreifer gut gebrauchen. Jedes seiner Tore aus der vergangenen Saison erzielte er innerhalb des Strafraums. Ob mit links, rechts oder per Kopf – Lukaku kann alles.

Doch Jose Mourinho baut wohl erneut nicht auf den belgischen Stürmer. Mit der Verpflichtung von Diego Costa sendete er ein deutliches Signal. Nicht nur an Lukaku, sondern auch an sämtliche Klubs, die sich die Finger nach einem derartig kompletten Stürmer lecken. Zu den Interessenten zählen Tottenham Hotspur, Juventus Turin, Atletico Madrid und der VfL Wolfsburg. Auch Everton will Lukaku weiter beschäftigen – was angesichts der finanziellen Möglichkeiten an der Goodison Road jedoch als eher unwahrscheinlich gilt.

"Was geht denn hier ab?"

Die Zukunft des 21-Jährigen bleibt ungeklärt. Er selbst bewertet die Situation folgendermaßen: "Chelsea kauft einen Stürmer und es gibt viele Klubs, die an mir interessiert sind. Jedes Jahr holen sie einen Top-Stürmer. Vielleicht wollen sie mich abgeben – wer weiß." Das klingt ganz und gar nicht nach einem Verbleib.

"Ich kann mich daran erinnern, wie ich in die Umkleidekabine kam. Dann sah ich Eto'o, Ba und Torres. Dann dachte ich mir: 'Was geht denn hier ab?' Ich muss in dieser Situation auf mich selbst schauen. Ich muss eine gute WM spielen. Das ist für jeden Spieler wichtig, der vor einem Transfer steht. Ich bin kein junger Spieler mehr, sondern ein wertvoller Stürmer, der spielen will – Chelsea weiß das."

Für Belgien wird er in Brasilien auf jeden Fall spielen. Dort geht er in Gruppe H gegen Algerien, Südkorea und Russland auf Torejagd. In den Testspielen unmittelbar vor der Endrunde war er gegen Luxemburg mit drei Toren und gegen Schweden mit einem Tor äußerst erfolgreich. Der Stammplatz dürfte ihm unter Marc Wilmots vorerst sicher sein.

Nur auf dem Platz ein auffälliger Typ

Der belgische Nationaltrainer hat sonst keinen Spieler im Kader, der ähnliche Eigenschaften besitzt wie Lukaku. Mit 1,91 Meter besitzt er Gardemaß und kann einige Luftduelle für sich entscheiden um den Ball anschließend im Tor zu platzieren. Dabei hilft im auch seine bullige Statur. Mit 94 Kilogramm ist er ein unangenehmer Gegner im Zweikampf. Gleichzeitig ist er alles andere als behäbig. Sein Tempo und seine Beweglichkeit sind beeindruckend. Für den Konterfußball der Belgier ist er wie geschaffen. Im Abschluss ist er eiskalt. Er behält stets die Nerven im Strafraum. Einzig der Elfer-Fehlschuss gegen die Bayern ist dem entgegenzusetzen. Sowohl bei hohem Tempo als auch bei beruhigtem Spielfluss weist er eine hohe Technik auf. Spektakuläre Abschlüsse kommen nicht selten vor.

Was ihm allerdings ein bisschen abgeht, ist der Blick für den Mitspieler. In einer unübersichtlichen Situation mangelt es dem jungen Stürmer etwas an Übersicht und Spielverständnis. Das sind allerdings Dinge, die man sich mit zunehmender Erfahrung und Spielpraxis zum Teil automatisch aneignet. Auch beim Dribbling könnte sich der Angreifer noch verbessern. Die technische Anlage besitzt Lukaku zweifelsfrei. Auch wenn er für das Toreschießen zuständig ist.

Auf dem Platz lässt Lukaku Tore sprechen. Neben dem Spielfeld ist der junge Belgier eher ein ruhiger Typ. Bis auf den offenen Umgang mit seiner Enttäuschung über das Misstrauen der Verantwortlichen des FC Chelsea hört man eher weniger von ihm. In die Kritik geriet der bullige Angreifer nur einmal, als Nicolas Anelka wegen seiner Quennelle-Geste in die Schlagzeilen geraten war und Lukaku sich kurz darauf mit dem Franzosen ablichten ließ.

Im Vordergrund steht erst einmal die WM. Was danach passiert, ist unklar. Fest steht nur, dass der FC Chelsea nicht zu den Vereinen gehört, für die er in der neuen Saison auflaufen könnte. Falls sein Weg nach Deutschland führt, kann man sich auf einen weiteres Aushängeschild für die Bundesliga freuen.

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