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Dank Pep Guardiola ist er in München und im US-Team von Jürgen Klinsmann in den Fokus gerückt. Nun geht er als verkannter Hoffnungsträger zur WM 2014.

PORTRÄT
Von Rafael Corradino

Am heutigen Freitag wird Julian Green 19 Jahre alt und gehört damit zu den jüngsten Spielern der WM 2014 in Brasilien. Jürgen Klinsmann pocht darauf, dass der Youngster vom FC Bayern München bereit für das große Turnier in Südamerika ist – bei Fans und Experten hat er allerdings einen schwierigen Stand.

Landon Donovan, US-Publikumsliebling und der bislang wohl erfolgreichste amerikanische Kicker aller Zeiten, musste für Green Platz machen. Aus diesem Grund hat es der Star des FC Bayern II in den USA so schwer. Als sinnlos wird seine Berufung betrachtet. Er bringe das Team nicht weiter, so die empörten Reaktionen auf die Nominierung, vor allem aber auf die Ausbootung von Donovan.

Dabei hat der mittlerweile 32-jährige ehemalige Bayern-Stürmer seit Oktober 2013 keine Partie mehr bestritten, was dem Spielplan der Major League Soccer geschuldet ist. "Da schadet ihm die MLS. Er hat mit 70 bis 80 Prozent gespielt und war immer noch dominant. Das hilft niemandem", erläutert Klinsmann im New York Times Magazine. Im Gegensatz zu Donovan kam Green auch 2014 zu reichlich Einsätzen und gehörte zu den wichtigsten Akteuren der zweiten Mannschaft des FC Bayern. 15 Tore erzielte er in der Regionalliga Bayern - Rekordwert beim Rekordmeister für die Saison 2013/2014.



"Er kann in der Offensive jede Position besetzen", machte bereits Bayerns Sportdirektor Matthias Sammer deutlich. Green selbst erklärte seine Unberechenbarkeit folgendermaßen: "Ich kann mit jedem Körperteil Tore machen - mit dem Kopf, mit dem rechten und dem linken Fuß." Green ist flink, in der Offensivbewegung lässt er seine Gegenspieler alt aussehen. Vor allem durch seine Variabilität ist er bei einer WM Gold wert.

Außerdem bringt Green frischen Wind in den im Durschnitt fast 27 Jahre alten US-Kader: Nur Englands Luke Shaw und Kameruns Fabrice Olinga sind jünger als Green. Bislang sieht es nicht danach aus, als wäre der Youngster eine Option für Klinsmanns Startelf. Am Freitag testen die USA allerdings in Greens Heimat Florida gegen Nigeria – es wäre die perfekte Gelegenheit, um dem Youngster nach jeweils rund 30 Minuten gegen Mexiko und die Türkei eine richtige Chance zu geben, meint Goal-US-Redakteur Ives Galarcep.

In Brasilien testen die USA ein letztes Mal vor dem WM-Auftakt gegen Ghana. Belgien heißt der Gegner – es ist die endgültige Generalprobe, bei der Green sich in der ersten Mannschaft etablieren könnte, sollte er gegen Nigeria überzeugen. Nur so kann Klinsmann der Nominierung einen tieferen Sinn geben.

In München hat Green ein hohes Standing. Ihm gehört die Zukunft, insbesondere dank Josep Guardiola, dem Jugendförderer schlechthin. "Er gehört zu den großen Talenten, die ihren Weg im Fußball machen können", betonte Sammer unlängst. Die US-Fans und -Experten sollten Green unterstützen wie jeden Nominierten; denn auch er hat sich seine WM-Teilnahme verdient. Dass hinter dem talentierten Kicker der erfolgreichste Trainer des letzten Jahrzehnts steht, scheint ihnen entgangen zu sein.

Die gesammelte Erfahrung ist ihm nicht mehr zu nehmen. Sie nimmt er mit nach München, mit nach Russland in vier Jahren. Spätestens dann könnte er den US-Boys richtig hilfreich werden und die Zeit in Brasilien hätte sich durchaus gelohnt. Statt die Nominierung Greens zu kritisieren, können Amerikas Fans und Experten sich glücklich schätzen, dass sich ein solches Talent für ihre Nation und gegen Deutschland entschieden hat. Sein Durchbruch könnte zwar noch auf sich warten lassen - Grenzen sind ihm aber keine gesetzt. Und das ist es doch, was die Amerikaner so schätzen ...

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