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Der Star von Internacional steht kurz vor einem Wechsel in die Premier League, und es scheint, als ob der Hype um ihn tatsächlich gerechtfertigt ist.

PORTRÄT

Von Matheus Harb | Goal.com Brasilien

Porto Alegre.
Es ist ein moderner aber wohlbekannter Fluch für Spieler eines bestimmten Alters in Brasilien, als 'neuer Kaka' bezeichnet zu werden, ein Vergleich, der Hernanes, Ganso und einigen anderen widerfuhr – der Edeltechniker von Real Madrid gilt in Brasilien noch immer als profilierteste Spieler der letzten Dekade.

Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass irgend jemand darunter mehr gelitten haben könnte als Internacionals Oscar, der auf denselben Plätzen in Sao Paulo mit dem Fußball begann, auf denen sich der ehemalige Spielmacher vom AC Milan einen Namen machte. Allerdings ist der Vergleich im Licht eines nahen und millionenschweren Wechsels zum FC Chelsea wohl mehr als gerechtfertigt.

In der Jugendmannschaft von Morumbi, als Oscar 16 war, sagte man bereits voraus, dass die Tricolor da einen kommenden Star in ihren Reihen hätten. Die Geschäftsführung des Klubs war hingegen geschockt, als der Spieler mit seinen Beratern und Angehörigen vor Gericht zog, um seine Rechte dem Klub gegenüber einzuklagen. Seine Anwälte brachten vor, dass der Youngster zur Unterzeichnung eines Fünfjahresvertrag mit Sao Paulo genötigt worden sei, als er 16 war, trotz der strengen Vorgaben der FIFA, die dies untersagten. Eine Serie von Rechtsstreitigkeiten zwischen Oscar und dem Klub folgte zwischen Ende 2009 und Mitte 2010, als Oscar dann bei Internacional unterschrieb.

Beim Copa Libertadores-Champion anzuheuern war kein leichtes Unterfangen für Oscar, da er für Coach Celso Roth nicht unbedingt den Vorgaben für die erste Mannschaft entsprach und sich im Kampf um einen Platz im Team mit Spielern wie Andres d'Alessandro, Tinga und Giuliano auseinandersetzen musste. Damals bekam er wenig Spielzeit, aber für die Fans war das genug, um festzustellen, was für ein Juwel da bei ihrem Team unterschrieben hatte.
 
Wie abzusehen wurde er bei der unseligen Teilnahme Internacionals an der Klub-WM in dem Jahr (beide Spiele gingen verloren) nur wenige Minuten eingesetzt, sehr zum Unwillen der Fans, doch Fakt ist, dass Oscar sich in der Vorbereitung zur nächsten Saison einen Startplatz im ersten Team  sicherte und den nie wieder abgeben sollte.


OSCAR
OFFENSIVES MITTELFELD | INTERNACIONAL

2012 SAISONSTATISTIK KLUB
Einsätze 20
Tore 6
Assists 10
LÄNDERSPIEL-BILANZ
Debüt für Brasilien v Argentina (Sep 2011)
Länderspiele 6
Tore 1


Einer der wichtigsten Beiträge Oscars zum Spiel Internacionals ist seine Fähigkeit, das Spiel schnell zu machen, was seiner immensen Beweglichkeit und seinen großen technischen Fähigkeiten am Ball geschuldet ist. Gegenüber D'Alessandro bringt er andere Qualitäten ein im Vergleich mit dem eher langsamen Spiel des Argentiniers, indem er Konter startet und dann selbst im Strafraum anspielbereit und abschlussfreudig ist. Und das ist die andere große Qualität von Oscar: Auch wenn er eher im Mittelfeld agiert und viel in Bewegung ist, bereitet er der gegnerischen Abwehr viel Kopfzerbrechen, sobald er in den Strafraum kommt. Obwohl er einen starken Abschluss besitzt, ist sein eher schmaler Körperbau vielleicht etwas, um das man sich in einer so physischen Liga wie der Premier League vielleicht Sorgen machen muss.

Seine Fähigkeiten wurden ersichtlich bei Brasiliens Sieg bei der U-20-WM, wo Oscar sein ganzes Repertoire zeigen konnte, ohne im Schatten von Neymar oder Ganso agieren zu müssen. Er spielte eine gewichtige Rolle beim Erfolg des Teams, bezog viele Mitspieler in seine Angriffsaktionen ein und war selbst der entscheidende Faktor – man denke nur an seinen imposanten Hattrick beim 3:2-Finalsieg über Portugal. Von da an war er im Blickfeld der Selecao, bei der er im letzten September debütierte, ein Status, den er seitdem inne hat.

Für den Mittelfeldstar lief es also gut, bis Februar, als Sao Paulo erfolgreich vor dem Arbeitsgericht klagte und er zurück zu seinem alten Verein musste. Es folge ein zähes Ringen zwischen Inter und der Tricolor-Geschäftsführung, wobei jede Partei den Star auf ihre Seite reißen wollte. Schließlich wurde Oscars Wunsch, bei Internacional bleiben zu dürfen, entsprochen, wobei  man sich auf einen Verkauf der Rechte am Spieler von sechs Millionen Euro einigte, der bis heute höchste Betrag, der innerhalb der brasilianischen Liga jemals gezahlt wurde.

Mit Sicherheit ist Internacional Porto Alegre sich gewiss, dabei einen guten Deal gemacht zu haben, insbesondere nach den starken Auftritten Oscars in den Freundschaftsspielen der Selecao zuletzt, inklusive eines Tors gegen Argentinien. Wie ihr jüngste Kauf von Diego Forlan zeigt, sind sie bereit dazu, ihrem Star die Möglichkeit einzuräumen, bald anderswo zu glänzen.

EURE MEINUNG: Seht Ihr Oscar demnächst bei Chelsea glänzen?
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