Anthar Yahia, Bochums Blanc und Lippis Liebling

Im Januar wurde Anthar Yahia zu Arabiens Fußballer des Jahres 2009 gekürt. Späte Lorbeeren einer Karriere, für die ein ganz besonderer Trainer ganz Großes vorhergesehen hatte.

Von Francois DUCHATEAU

Arabiens Fußballer des Jahres 2009: Anthar Yahia (Getty)
Bochum. Seit dem 18. November ist Anthar Yahia (auch Anther oder Antar geschrieben) ein Volksheld in seiner Heimat. Sein Algerien lieferte sich gegen Ägypten wohl die heißeste Schlacht um die WM-Teilnahme der ganzen Qualifikation. In der passierten leider auch Dinge, die eigentlich nicht zum Fußball gehören: Beim PlayOff-Rückspiel in Ägypten wurde der Aufenthalt der Gäste-Nationalmannschaft sprichwörtlich zur Hölle gemacht, Spieler sogar attackiert. Der 27-Jährige (geboren 21. März 1982) spricht im exklusiven Interview mit Goal.com von einem „nicht fairen Sieg“ der „Pharaonen“. Ein drittes, entscheidendens Spiel auf neutralem Boden musste her. Im Sudan sollte die große Stunde des Anthar Yahia schlagen.

Ein Tor, das ein ganzes Land mit ihm erzielte

Mit Wut im Bauch glückte dem Verteidiger die sportliche Rache. In der 40. Minute bekam Yahia ein Zuspiel rechts am Strafraum vor’s Visier. Er fackelte nicht lange und erzielte mit voller Wucht das entscheidende 1:0-Siegtor in bester van-Basten-Manier. „Dieses Tor hat ganz Algerien mit mir geschossen“, beschreibt der Volksheld seine Gefühle, nachdem er mit seinem Treffer erstmals seit 1986 das WM-Ticket für seine Nation buchen konnte. Sein Hammer wurde im arabischen Raum nachträglich als einer der härtesten Schüsse der ganzen WM-Qualifikation gemessen. Ein Tor, mit dem Yahia sich zu Arabiens Fußballer des Jahres 2009 krönte.

Kapitän an der Castroper Straße



Foto-Album: Anthar Yahia, Bochums WM-Held


Einer seiner Teamkollegen kennt das Gefühl ein Volksheld zu sein. Auch Zlatko Dedic schoss Slowenien im entscheidenden Relegationsspiel (gegen Russland) nach Südafrika. Auf einmal war der VfL Bochum in der ganzen Welt bekannt.
An der Castroper Straße kickt Yahia seit Anfang 2007. Als Leihe aus Nizza hatte der 1,85m-Mann die Wahl zwischen Leeds United und dem VfL Bochum. Bei beiden Vereinen absolvierte er ein Probetraining, die Wahl fiel letztendlich auf 1848, wo er am 30. Januar 2007 gegen den Rekordmeister FC Bayern München debütierte.
So einer wie Yahia fehlte dem VfL. Die „graue Maus“ hatte auf einmal einen Lautsprecher. Einen Fußballer mit Temperament und Feuer, einen leidenschaftlichen Kämpfer, den es im Gefecht auch einmal nach vorne treiben kann. Yahia hat eine vorzügliche Schusstechnik, weiß man spätestens seit November, doch sein Hauptaufgabenfeld liegt in der Viererkette. Ob als lästiger Manndecker oder Verteidiger mit Übersicht im Raum, Yahia beherrscht die hohe Kunst der Defensive. Bochum war überzeugt von seinen Fähigkeiten und übernahm den Spieler für 800.000 Euro. Unter Marcel  Koller sollte Yahia zudem Kapitän werden. Bochum hatte seinen Laurent Blanc.

Lippis Liebling

Der im französischen Mulhouse geborene Algerier begann seine Laufbahn in der Jugend von Sochaux. Der zweifache U-18-Nationalspieler Frankreichs galt als Riesentalent, nicht verwunderlich also, dass Inter Mailand anklopfte und Yahia seinen ersten Profivertrag vorlegte. Dort hatte der Innenverteidiger einen prominenten Fürsprecher, der ihn als „neuen Laurent Blanc“ sah: Marcello Lippi. Unter dem Weltmeister gehörte Yahia regelmäßig zur ersten Mannschaft. Der Erfolgstrainer sah in ihm die Zukunft. Zu dumm nur, dass der Italiener 2000 nach dem ersten Meisterschaftsspiel der neuen Saison um die Auflösung seines Vertrages bat. Yahia wurde fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. Marco Tardelli bauten nicht auf den Hintermann, der sich ohne absolviertes Pflichtspiel nach Bastia ausleihen ließ, wo er vier Jahre bleiben sollte, ehe er 2005 den Schritt Richtung OGC Nizza wagte; im ersten Jahr erste, danach nur zweite Wahl war.

Foto-Album: Ein Tag beim VfL Bochum


Was WM-Held Anthar Yahia über seine Laufbahn denkt, wie seine Zukunft aussieht, welcher Kamerad aus der Nationalmannschaft vielleicht im Sommer zu einem Topclub wechselt und wie er Algeriens Chancen gegen Rooney & Co in Südafrika einschätzt, erfahrt Ihr im ausführlichen exklusiven Interview mit Goal.com. Teil 1 von 3 erscheint Dienstagmorgen um 9.00 Uhr. Nicht verpassen!



 
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