Portrait: Guus Hiddink

Der aktuelle russische Nationaltrainer Guus Hiddink hat in seiner Karriere schon viel erlebt. Oft stellte sich auch der Erfolg schnell ein – manchmal auch etwas überraschen.

FA Cup: Guus Hiddink lifts the FA Cup

Von Christoph VOGEL

Guus Hiddink hat sich über all die Jahre im Profigeschäft den Ruf angeeignet, der dem von Franz Beckenbauer hierzulande ähnelt: Was der Niederländer anfasst, wird zu Gold. Oder es glänzt zumindest golden. Der inzwischen 62 Jahre alte Fußballlehrer kam in seiner aktiven Zeit und als Trainer viel rum und kann in der Zwischenzeit einen prall gefüllten Trophäenschrank aufweisen.

Holland, USA und zurück

Am 8. November 1946 wurde Hiddink in Varsseveld geboren und begann dort auch seine „Karriere“ in der Jugend des SC Varssefeld. Seine erste Profistation war damals De Graafschap im Jahre 1967. Nach zwei weniger erfolgreichen Jahren beim PSV Eindhoven kehrte der Mittelfeldspieler Hiddink im Jahre 1972 wieder nach De Graafschap zurück und bestritt dort 181 Partien (20 Tore). Vier Jahre später suchte der Niederländer den Weg über den großen Ozean in die USA: Zwei Jahre war Hiddink für die Washington Diplomats und die San Jose Earthquakes aktiv, bevor es ihn wieder in die Heimat nach Nijmwegen zog. Seine Karriere als aktiver Profi ließ Hiddink dann wieder bei De Graadfschap ausklingen, ehe er 1982 seine Stiefel an den Nagel hing.

Hiddink hebt 1988 die Schale hoch

Erfolgreich mit dem PSV

Es war nur konsequent, dass Hiddinks erste Station als Trainer auch bei De Graafschap sein würde. Dort agierte er als Assisten und füllte diese Rolle auch nach seinem Transfer zum PSV Eindhoven im Jahre 1987 aus. Ein Jahr später führte er das Team zu seinem ersten großen Titel, dem Champions-League-Triumph. Er etablierte den Werksklub als Spitzenkraft in der Ehrendivision neben Ajax und Feyenoord. 1990 suchte Hiddink nach erfolgreichen Jahren (drei Meisterschaften) in Eindhoven den Weg in die Türkei zu Fenerbahce Istanbul. Dort erlebte Hiddink jedoch seine erste Entlassung als Trainer, bevor erneut ein Länderwechsel nach Spanien anstand: Der FC Valencia gewann seine Dienste.

Vom Vereins- zum Nationalcoach

Ob Heimweh oder eine neue Herausforderung – Hiddink jedenfalls kehrte Anfang 1995 in die Heimat zurück und übernahm die Nationalmannschaft der Niederlande. Aus den vielen Stars und Individualisten formte Hiddink ein echtes Team. Seine harte Hand bekam unter anderem auch Edgar Davids zu spüren: Während der EM 1996 schickte der Coach Davids nach einem Disput nach Hause. Bei der WM 1998 scheiterte Hiddink erst im Elfmeterschießen des Halbfinals gegen Brasilien. Diese Niederlage bedeutete auch das Ende der ersten Amtsperiode Hiddinks bei der Niederlande.

Als Nationalcoach begeistert er ganz Holland

Furore mit Südkorea

Er blieb auf der internationalen Ebene und nahm die Herausforderung Südkorea an, das 2002 Mitausrichter der Weltmeisterschaft war. Als gastgebende Mannschaft erreichte Südkorea überraschend das Halbfinale und verlor erst dort gegen die deutsche Auswahl. Als erster Ausländer wurde Hiddink die Ehre zuteil, die Ehrenbürgerschaft Südkoreas auferlegt zu bekommen. Zudem wurde das WM-Stadion in Gwangju in das Guus Hiddink Stadion umbenannt. Nach dem Erreichen des 4. Platzes 2002 zog es ihn wieder zum PSV. Auch dort war Hiddink mehr als erfolgreich: Während seiner zweiten Amtsperiode in Eindhoven gewann er drei Meisterschaften, den Pokal und den Supercup. In der Champions League war 2005 erst gegen den AC Mailand Schluss.

Motivator für Südkorea - bis ins Halbfinale

Umzug nach Down Under

Zusätzlich zu dem Engagement in Eindhoven nahm Hiddink 2005 auch das Angebot des australischen Verbandes an. Australien qualifizierte sich für die WM 2006 in Deutschland und erreichte dort sogar den Einzug in die K.O.-Runde, wo der spätere Weltmeister Italien wartete. Das Spiel erzeugte Schlagzeilen, weil Schiri Cantalejo einige umstrittene Entscheidungen fällte, wie auch den Elfmeterpfiff für Italien wenige Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit. Totti verwandelte, Hiddink dankte nach dem Turnier ab. Lange blieb der Niederländer jedoch nicht arbeitslos (nachdem er auch den PSV verlassen hatte): Im April 2006 übernahm er das Amt des russischen Nationaltrainers. Die EM 2008 erreichte Russland mit Mühen, doch im Turnier kam das Team groß auf und schied erst im Viertelfinale aus.

Bitteres WM-Aus 2006 mit den Socceroos

Neuer Job bei den Blues

In der Folge kam der Kontakt zwischen Hiddink und dem FC Chelsea zustande, die nach der Entlassung von Luiz Felipe Scolari einen neuen Coach suchten. Da er im März 2008 bereits in Russland um zwei Jahre verlängert hatte, füllte er erneut eine Doppelrolle Verein/Nationalelf aus. Für die Rückrunde 2009 übernahm Hiddink die Blues. In der Champions League stoßen sie bis ins Halbfinale vor, wo sie am späteren Sieger Barca bekannt unglücklich scheiterten. Nur einmal verlor Chelsea unter der Regie Hiddinks (0:1 in Tottenham). Der Niederländer wurde in London gefeiert, aber der machte seine Ankündigungen war und verließ den Verein wie angekündigt am Saisonende wieder. Zum Abschied bekam er eine signierte Uhr von allen Chelsea-Spielern.

Einer von vielen Titeln: Der FA-Cup 2009

Nächster Halt: Südafrika?

Nun ist Hiddink also wieder voll und ganz in Russland. Am Samstag tritt die deutsche Mannschaft zum Showdown der WM-Qualifikation an und der Sieger kann bereits das Hotel in Südafrika buchen. Ein Unentschieden wäre nach der Niederlage im Hinspiel zu wenig für Russland, sodass auf dem Kunstrasen ein Tor mehr geschossen werden soll. Eine Qualifikation für das Turnier in Afrika wäre eine weitere erfolgreiche Etappe für den Trainer, der von Spielern und Kollegen geschätzt wird. Aber das wird den Deutschen Samstag egal sein...

Eure Meinung: Ist Hiddink einer der besten Trainer aller Zeiten?

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