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Milan, ManUnited, Monaco & Co: Investieren oder blamieren?

Die Transferperiode endet schon bald: Aktuell gibt es zahlreiche Großklubs, die händeringend nach Verstärkung suchen, um einen enttäuschenden Saisonverlauf abzuwenden.

London. Weniger als zwei Wochen verbleiben noch, bis das Transferfenster für die größten Ligen Europas schließt. Für die Bundesliga fällt der Vorhang des jährlichen Wechseltheaters am 1. September um 18.00 Uhr, für die Serie A um 23.00 Uhr. Um Mitternacht heißt es dann auch in Spanien, England, Frankreich und Holland: “Rien ne va plus“.

In diesem Sommer wechselten namhafte Akteure die Fronten: Barcelona legte eine unerhört hohe Summe für Luis Suarez auf den Tisch, Real Madrid ließ sich nicht lumpen und griff tief in die Tasche, um James Rodriguez und Toni Kroos ins Estadio Santiago Bernabeu zu lotsen. Auch die Teams der Premier League schicken sich wieder an, die Höchstmarke für den bisherigen Ausgabenrekord einer Transferperiode nach oben zu korrigieren.

Andere traditionsreiche Klubs haben sich bislang noch zögerlich gezeigt. Goal kennt fünf Vereine, denen ihre Zurückhaltung auf dem Transfermarkt im Laufe der Spielzeit teuer zu stehen kommen könnte:

1. Manchester United

Spätestens die 1:2-Heimniederlage im Eröffnungsspiel gegen Swansea sollte alle Optimisten rund um das Old Trafford, die angesichts blendender Ergebnisse in der Vorbereitung Neu-Trainer Louis van Gaal zum Heilsbringer auserkoren hatten, auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Mit Ausnahme seiner Zeit bei AZ Alkmaar hat der eigenwillige Ex-Bondscoach während seiner gesamten Laufbahn wohl nie eine Stelle mit einem schwächer besetzten Kader angetreten. Öffentlich beklagte er, die aktuelle United-Mannschaft sei für ihn “die schwächste der letzten 20 Jahre“.

Mit David de Gea, Wayne Rooney und Robin van Persie stehen tatsächlich lediglich drei Spieler im Kader, denen man uneingeschränkt Weltklasse-Niveau attestieren kann. Zwar bemühte sich der Klub in den letzten Monaten um hochkarätige Namen wie Arturo Vidal, Juan Cuadrado, Mats Hummels oder Kevin Strootman – bis zum heutigen Tag hatte man sich jedoch die Zähne an diesen Transfers ausgebissen.

Seither steht der stellvertretende Vorsitzende Ed Woodward, bei den Red Devils für die Transfers verantwortlich, im Mittelpunkt der Kritik. Ein wenig konnte er die erhitzten Gemüter zuletzt durch die Verpflichtung von Marcos Rojo von Sporting Lissabon beruhigen. Trotzdem sind die Lücken im Team nicht zu übersehen: Zumindest ein defensiver Mittelfeldspieler und ein weiterer Innenverteidiger internationalen Formats wären vonnöten, um die erste Elf nominell wieder in Reichweite der europäischen Konkurrenz zu hieven.

Gerade die Optionen in der neuformierten Dreierkette, die van Gaal für sein bevorzugtes 3-4-1-2-System zur Verfügung stehen, sind mit Phil Jones, Johnny Evans, Chris Smalling und Tyler Blackett bislang den Nachweis schuldig geblieben, sich in diesen höheren Sphären behaupten zu können. Im zentralen Mittelfeld, im Grunde seit dem Abschied des Maestros Paul Scholes eine vakante Position, sieht es nicht viel besser aus.

Wenn der englische Rekordmeister tatsächlich ernsthafte Ambitionen hegt, sich wieder direkt für die Champions League qualifizieren zu wollen und somit dahin zurückzukehren, wo er nach eigenem Selbstverständnis hingehört, muss er mit zwei etablierten Namen nachrüsten.

2. AC Mailand

Der AC Mailand durchlebte eine desaströse Spielzeit 2013/14, an deren Ende er als Achtplatzierter über die Ziellinie taumelte und innerhalb von sechs Monaten drei Übungsleiter verbrauchte. Die anstehende Saison droht nicht minder frustrierend zu verlaufen, sofern Silvio Berlusconi sich nicht dazu bereit erklärt, seine Privatschatulle zu öffnen. Milan plagt vor allem die Defensivschwäche: In vier Tests gegen Olympiakos, Manchester City, Liverpool und Valencia, die durch die Bank verloren gingen, fingen sich die Rossoneri zwölf Gegentreffer.

Trotz der Verpflichtung von Diego Lopez (kam von Real Madrid), Alex sowie Jeremy Menez (beide vormals PSG) und Pablo Armero von Udinese Calcio benötigen weiterhin alle Mannschaftsteile punktuelle Verstärkungen. So tummeln sich derzeit in Abwehr und  Mittelfeld überwiegend Akteure, die sich dadurch auszeichnen, dass sie entweder bereits einige Jahre über ihren Zenit sind oder einfach die Klasse vermissen lassen. Nachdem der Abschied von Mario Balotelli unmittelbar bevor steht, gibt es auch in der Offensive Nachholbedarf.

In der bisherigen Transferperiode hatte Neu-Trainer Filippo Inzaghi seine Energie dafür verwendet, Alessio Cerci und dem FC Turin einen Wechsel schmackhaft zu machen. Mit schätzungsweise 20 Millionen Euro wäre der Angreifer loszueisen. Ursprünglich sollte er im von der Vereinslegende favorisierten 4-3-3 ein durchschlagskräftiges Trio mit Balotelli und Stephan El Shaarawy bilden und das Schwergewicht des europäischen Fußballs wieder konkurrenzfähig machen. Bislang konnte mit Torino jedoch keine Einigung erzielt werden.

Der bevorstehende Abgang Balotellis erhöht nun den Druck. Allerdings ist das Shopping-Budget sehr begrenzt. Realistisch für Vorstandschef Adriano Galliani scheinen daher Transferziele der Kategorie Adel Taarabt, der bereits im letzten Halbjahr von den Queens Park Rangers ausgeliehen war.

3. AS Monaco

Zu diesem Zeitpunkt im letzten Jahr schien es fast, als sei der AS Monaco auf dem Sprung unter die Elite Europas. Die enormen Ambitionen des Aufsteigers wurden seinerzeit mit gigantischen Transferausgaben in Höhe von 166 Millionen Euro für die Superstars Radamel Falcao und James Rodriguez sowie für Joao Moutinho, Geoffrey Kondogbia und Eric Abidal unterstrichen. Ein Jahr später hat der russische Mäzen Dmitri Rybolowlew anscheinend die Lust an seinem Spielzeug verloren und den Geldhahn zugedreht.

Während James nach Madrid verkauft und der routinierte Defensiv-Organisator Eric Abidal an Olympiakos abgegeben wurde, verstärkte mit Aymen Abdennour, der aus Toulouse ins Fürstentum kam, bisher nur ein „No-Name“ den Kader. Entsprechend enttäuschend verlief der Start in die neue Saison. Kein einziger Punkt aus zwei Spielen steht zu Buche. Aktuell findet sich Monaco auf dem vorletzten Platz der französischen Liga wieder.

Sollte personell nicht nachjustiert werden, könnte die angepeilte Qualifikation für die Champions League in weite Ferne rücken. In der Abwehr mangelt es an Qualität - ohne neue Innenverteidiger wird sich die monegassische Defensive weiterhin als fragiles Gebilde wie zuletzt bei der 1:4-Pleite gegen Girondins Bordeaux präsentieren. Joao Moutinho konnte in der Zwischenzeit zudem nicht die in ihn gesetzten Erwartungen als Denker und Lenker erfüllen. Ohne hochwertige Mitstreiter an der Seite wird es für schwer ihn. Der absolute GAU in sportlicher Hinsicht droht dem AS Monaco, falls Torgarant Falcao von Bord gehen sollte.

4. Hamburger SV

Nachdem der Bundesliga-Dino im letzten Jahr dem Absturz ins Fußball-Unterhaus gerade in letzter Sekunde entgehen konnte, wären einige Transfers nötig, um rund um die Imtech Arena wieder mehr Optimismus zu verbreiten. Es bestehen nach wie vor Zweifel, ob der Kader im momentanen Zustand ausreichend Klasse besitzt, um sich wieder gen internationale Plätze zu orientieren.

Jedoch macht es den Anschein, als ob Rückkehrer Dietmar Beiersdorfer die Zeichen der Zeit erkannt hätte. Die bisher investierten 23 Millionen Euro gingen zum größten Teil für die Verpflichtungen von Johan Djourou und Pierre-Michel Lasogga drauf, die während ihrer Ausleihe im vorigen Jahr Coach Mirko Slomka offenbar von ihren Qualitäten überzeugen konnten.

Mit Valon Behrami (SSC Neapel) und Nicolai Müller (FSV Mainz 05) konnte man zwei Spieler an die Elbe locken, die von ihrer Klasse her der Mannschaft sicherlich gut tun werden. Trotzdem scheint insbesondere das Mittelfeld der Rothosen nach Verstärkungen zu dürsten, um den Abgang des im letzten Jahr alles überragenden Hakan Calhanoglu zu Bayer 04 Leverkusen auffangen zu können.

5. Feyenoord Rotterdam

Feyenoord hat durch die Verkäufe von Daryl Janmaat, Stefan de Vrij, Bruno Martins und Graziano Pelle in diesem Sommer eine Menge Geld eingenommen. Nur waren die Niederländer bislang noch sehr zögerlich, die prall gefüllte Kasse zu plündern. Einzig für Außenstürmer Bilal Basacikoglu, der von Ligakonkurrent Heerenveen kam, wurde bisher Geld reinvestiert. Der Start für die Rotterdamer in die neue Saison verlief ebenfalls nicht zufriedenstellend.

Besiktas Istanbul erwies sich in den Playoffs zur Champions League als unüberwindbare Hürde. Auch im heimischen Betrieb konnte Feyenoord nicht überzeugen und kam in den Duellen gegen ADO Den Haag und Heerenveen nur zu einem mehr als glücklichen Dreier in allerletzter Minute respektive einer trostlosen Punkteteilung.

Falls Feyenoord in diesem Jahr tatsächlich wieder im Titelkampf der Eredivisie mitmischen will, muss der Klub in der verbleibenden Transferzeit noch einmal investieren. Sofern er es nicht schafft, einen weiteren Angreifer zu verpflichten, droht sogar der erhoffte Sprung unter die Top drei zu scheitern.

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