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Abstiegscheck: Wer spielt nächstes Jahr in der Bundesliga?

Die Meisterschaft ist bereits seit Ende März entschieden. Doch in Sachen Abstieg ist selbst zwei Spieltage vor Saisonende noch vieles offen.

ANALYSE
Von Lukas Nowak

Die Saison neigt sich dem Ende entgegen. Zwei Spieltage vor dem Schluss sind viele Entscheidungen noch nicht gefallen. Wer nach Europa fährt, zeichnet sich ab. Wer nächstes Jahr nicht mehr in der Bundesliga spielt, und wer noch die "zweite Chance" Relegation bekommt, ist allerdings offen wie schon seit Jahren nicht mehr. Es erwartet uns ein Herzschlagfinale in acht Fernduellen zwischen dem VfB Stuttgart, dem Hamburger SV, dem 1. FC Nürnberg und Eintracht Braunschweig. Goal hat die vier bedrohten Klubs unter die Lupe genommen und sagt euch, wer sich in der kommenden Saison noch Bundesligist nennen darf.

VfB Stuttgart
Tabellenplatz 15
32 Punkte 
Tordifferenz -11

Formkurve: Viel Erfahrung und Didavi

Die Schwaben sind seit vier Spielen ungeschlagen. Und auch bei der letzten Niederlage gegen den BVB verkaufte man sich teuer. Insgesamt hat Huub Stevens den gewünschten Impuls ins Ländle gebracht. In acht Spielen gab es zwei Niederlagen, drei Remis und drei Siege.

Verantwortlich dafür sind neben dem Trainer zum größten Teil die erfahrenen Spieler im Team. Martin Harnik, Christian Gentner und Cacau haben Verantwortung übernommen und die Mannschaft aus dem Tief geführt. Spieler wie Antonio Rüdiger und Gotoku Sakai sind aus der Formkrise geholt worden.

Die Rückkehr von Daniel Didavi ist derweil bezeichnend für die Wiederauferstehung des VfB. Nach Seuchenjahren hat er wieder ins Spiel gefunden und den Schwaben ein erfrischendes Element im Mittelfeld verliehen. Nach zu Beginn noch fehlender Fitness hält er von Spiel zu Spiel länger durch.

Restprogramm: Ein Punkt gegen zwei harte Brocken

Vielleicht klappt es in den letzten zwei Spielen mit einem Einsatz über 90 Minuten. Zuerst geht es zu Hause gegen den VfL Wolfsburg. Die Wölfe kämpfen noch um die mögliche Qualifikation für die Champions League. Verrückt machen muss sich beim VfB, trotz des wahrscheinlichen Ausfalls von Martin Harnik (Schulterblessur), deswegen aber keiner. Gegen Schalke und Gladbach, die nächstes Jahr bekanntlich auch in Europa an den Start gehen werden, hat man insgesamt vier Zähler geholt.

Zum Abschluss der Saison darf man in München an der Meisterfeier der Bayern teilnehmen. Ob sich der Rekordmeister die Party vorher durch einen Punktverlust vermiesen lässt, ist zweifelhaft. Zu diesem Zeitpunkt sollten die Stuttgarter allerdings nicht mehr auf Punkte aus dem Freistaat angewiesen sein.

Prognose: Saisonabschluss mit Meisterfeier

Denn die Tendenz bei den Schwaben geht ganz klar Richtung Klassenerhalt. Alleine die Körpersprache der Mannschaft spiegelt nicht die eines Absteigers wieder. Auch die Resultate und die Spielweise geben keinen Anlass zur Verzweiflung.

Absteigen kann der VfB aufgrund der im Vergleich zu den anderen Klubs besten Tordifferenz nur noch theoretisch. Möglich ist praktisch nur noch die Relegation, die man im Ländle tunlichst vermeiden will. Holt man gegen Wolfsburg jedoch einen Punkt, rückt die Relegation ebenfalls in weite Ferne. Sie wäre dann auch nur noch theoretisch "zu erreichen".

Fazit: Der VfB ist auch in der nächsten Saison ein Bundesligist und kann bereits einen Spieltag vor Schluss durchatmen. Unabhängig vom Ergebnis in München wird man mit den Bayern feiern können.

Hamburger SV
Tabellenplatz 16
27 Punkte 
Tordifferenz -20

Formkurve: Hoffnung auf van der Vaart

Erschreckend ist die Bilanz des Hamburger SV in dieser Saison. Aus den letzten 19 Spielen konnte man nur 12 Zähler holen. Darunter drei Siege und drei Remis. Die letzten drei Spiele gingen allesamt verloren. Dort sprach vor allem die Art und Weise Bände. In den Partien gegen Wolfsburg, Hannover und Augsburg waren Klassenunterschiede zu erkennen.

Zum einen spielt der Kopf dem HSV Streiche, zum anderen muss man sich schon über die gesamte Saison hinweg mit großen Verletzungssorgen herumplagen. Nach dem Spiel gegen die Fuggerstädter mussten alle noch verbliebenen Hoffnungsträger pausieren. Marcell Jansen droht auszufallen. Goalgetter Pierre-Michel Lassoga befindet sich im Lauftraining. Ob er diese Saison noch zum Einsatz kommt, ist zweifelhaft. Bei Westermann und Calhanoglu stehen die Zeichen auf einen Einsatz im nächsten Spiel dennoch nicht schlecht.

Restprogramm: Zuhause Bayern und dann der Auswärtsfluch

Kapitän Rafael van der Vaart wird wohl auch auflaufen können. Unter der Woche kehrte er ins Mannschaftstraining zurück und wird am Samstag gegen die Bayern spielen können. Damit steht bei den Rothosen zumindest wieder eine Säule auf dem Platz, die den ungeheuren Druck mitschultern könnte. Der Niederländer kündigte an, einen richtigen Fight abzuliefern und es den Bayern schwer zu machen.

Allerdings wird das alleine kaum reichen, denn der HSV muss unbedingt punkten, da die Konkurrenz mit Sicherheit nicht schlafen wird. Der Frust wird beim Rekordmeister angesichts der 0:4-Klatsche im Halbfinale der Champions League groß sein. Umso größer sollten die Sorgen der Slomka-Elf sein, wieder mal leer auszugehen.

Am letzten Spieltag hat man dann noch die Chance, bei Mainz 05 die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Betrachtet man jedoch die Auswärtsbilanz des Nordklubs (9 Punkte, und speziell die des Trainers (0 Punkte), wird es dem HSV-Fan ganz flau in der Magengegend. Und da es für die Rheinhessen möglicherweise noch um die Europa-League-Qualifikation geht, werden sie ihre Heimstärke (drei Siege in Folge) voll zur Geltung bringen.

Prognose: Der Dino stirbt aus

Einen Funken Hoffnung gibt es für die Hamburger im Kampf gegen den drohenden ersten Abstieg in der Vereinsgeschichte. Zwei der drei Siege, die unter Mirko Slomka eingefahren wurden, holte man gegen die Top-Teams Borussia Dortmund (3:0) und Bayer Leverkusen (2:1). Doch spätestens dann, wenn die beiden Teams von unten noch einmal punkten, wird es beim Bundesliga-Dino ganz brenzlig.

Fazit: Der Zug "direkter Klassenerhalt" ist bereits abgefahren, da sich die Stuttgarter nicht mehr die Butter vom Brot nehmen lassen. Beim HSV wird es deshalb eine wahre Hängepartie um die Relegation, da man von der Konstellation her das härteste Restprogramm hat. Die Tendenz geht Richtung Abschied aus Liga eins.

1. FC Nürnberg
Tabellenplatz 17
26 Punkte 
Tordifferenz -28

Formkurve: Bilanz eines Absteigers

Einen richtigen Blitzstart ins neue Jahr legte der 1. FC Nürnberg unter dem damals neuen Coach Gertjan Verbeek hin. Fünf Spiele, vier Siege – die Niederlage fuhr man gegen die Bayern ein. Doch das Pulver hat das Team augenscheinlich schon in diesen Partien verschossen. Die aktuelle Bilanz liest sich weniger entspannt: Zehn Spiele, ein Sieg und neun Niederlagen. Am Stück sind es deren jetzt schon fünf. Die vierte führte zur Demission von Verbeek.

Die Hoffnungen ruhen nun auf Roger Prinzen, der die Verantwortung für die letzten drei Spiele übertragen bekommen hat. Doch gegen Europa-League-Anwärter Mainz 05 setzte es eine 0:2-Niederlage, bei der man ohne Chance auf Punkte blieb.

In Franken wurde die Entscheidung Martin Baders, Verbeek zu feuern, heftig diskutiert. Nürnbergs Lebensversicherung Josip Drmic (16 Tore) trauert ihm sogar noch nach und bekundete öffentlich, dass er die Entscheidung nicht ganz nachvollziehen kann. Ein Störfeuer, das der Club in der prekären Lage ganz und gar nicht gebrauchen kann.

Restprogramm: Hoffen auf Freunde aus Gelsenkirchen

Immerhin kann man in den letzten beiden Spielen noch auf den Relegationsplatz hoffen. Für die Clubberer ist Stuttgart nur noch rechnerisch einzuholen. Zuerst geht es zu Hause gegen Hannover 96. Die Niedersachsen sind bereits gerettet und haben ihre Planungen für die neue Saison schon begonnen. Man kann nun darüber streiten, ob das ein Vor- oder ein Nachteil ist. Einerseits könnten die 96er mit den Gedanken bei den eigenen Zukunftsplänen sein oder dem Rivalen Eintracht Braunschweig "zum Abstieg verhelfen" wollen. Andererseits können die Roten befreit aufspielen, was den Franken so gar nicht in die Karten spielen würde.

Deshalb zählt man auf Hilfe aus dem Pott. Die Freundschaft zwischen den Fans des Clubs und dem FC Schalke 04 ist allgemein bekannt. Jedoch hatte Knappen-Coach Jens Keller nach der Niederlage gegen Gladbach angekündigt, nichts abschenken zu wollen.

Prognose: Ohne fremde Hilfe wird es nichts

Da die Königsblauen wohl bis zum letzten Spieltag um die direkte Teilnahme an der Königsklasse bangen müssen, wird es äußerst schwer für den Club, den Kopf noch aus der Schlinge zu ziehen. Zwar steht mit Per Nilsson ein erfahrener Spieler vor dem Comeback, doch durch die enge Tabellensituation muss man zumindest einen Sieg aus den letzten beiden Partien holen.

Fazit: Der Club begleitet den HSV in Liga zwei, da vor allem die Auftritte in den letzten Wochen kaum auf eine Trendwende hindeuteten. Des Weiteren hat man beim FCN mit dem Druck zu kämpfen, den Abstieg nicht mehr aus eigener Kraft verhindern zu können.

Eintracht Braunschweig
Tabellenplatz 18
25 Punkte 
Tordifferenz -28

Formkurve: In der Rückrunde über dem Strich

Mit Eintracht Braunschweig hat im Abstiegskampf niemand mehr gerechnet. Doch mit einem Zwischenspurt, der in drei Spielen sieben Punkte einbrachte, hat man sich eindrucksvoll an die Etablierten drangehängt. In der Rückrunde steht man sogar auf Platz 15. Zuletzt ging den Löwen jedoch etwas die Luft aus und es setzte drei Niederlagen am Stück. Für die Niedersachsen noch lange kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Trainer Torsten Lieberknecht ist dafür bekannt, stets nach vorne zu schauen.

Die Hoffnung ruht dabei einmal mehr auf Dominick Kumbela. Der Deutsch-Kongolese hat in dieser Saison schon so manche Glanzauftritte (gegen Mainz und Hamburg) aufs Parkett gezaubert und ist nach seiner Blessur wieder dabei. Gegen Hertha BSC hatte er noch ein paar Anlaufschwierigkeiten, doch die sollten jetzt überwunden sein.

Restprogramm: Zwei Gegner aus dem Mittelfeld

Der BTSV und der FC Augsburg haben eins gemeinsam. Sie sind beide leise Anwärter – Braunschweig hat die schlechteste Ausgangslage für das Erreichen der Relegation, und Augsburg die schlechteste Ausgangslage für das Erreichen eines Europa-League-Startplatzes. Die Augsburger haben trotz einer überrschend starken Saison also keinen Anlass, das Spiel auf die leichte Schulter zu nehmen.

Man ist zwar ebenso wie die Löwen auf fremde Hilfe angewiesen, doch der internationale Wettbewerb ist für die Fuggerstädter auch punktemäßig (Vier Punkte Rückstand auf Mainz 05) weiter entfernt wie Platz 16 für den BTSV (Zwei Punkte auf den HSV).

Zum Abschluss fährt man ins Niemandsland der Tabelle. Die TSG 1899 Hoffenheim begrüßt die Niedersachsen im Kraichgau und muss sich um nichts mehr kümmern. Ein absoluter Bonus für Braunschweig, da die Konkurrenz gegen Mannschaften spielt, für die es in irgendeiner Weise noch um etwas geht.

Prognose: Der große Wurf zum Schluss

Ein weiterer Punkt, der für die Eintracht spricht, ist der Anspruch, den die Öffentlichkeit und die Fans an das Team haben. Mit dem Fight zum Ende der Saison hat keiner mehr gerechnet. Der Stolz überwiegt deshalb und der Druck auf den Klassenerhalt ist nicht so hoch wie bei den Konkurrenten. Außerdem könnte der Freispruch von Coach Torsten Lieberknecht der Mannschaft noch einmal einen Kick verpassen.

Fazit: In Hoffenheim ist man Spektakel gewohnt. Und am letzten Spieltag wird man im Kraichgau erneut eines erleben, denn die Löwen werden sich dort in die Relegation spielen. Ob es dann für den endgültigen Ligaverbleib reicht, ist eine andere Sache. In Nürnberg und Hamburg bedeutet das große Tristesse.

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