thumbnail Hallo,

Auf links gezogen: Erik Durm krempelt bei Borussia Dortmund alles um

Vor einem Jahr noch in der dritten Liga, inzwischen in der Champions League angekommen. Die Entwicklung des Linksverteidigers vom BVB ist zuletzt mehr als rasant verlaufen.

Dortmund . Welch einen Unterschied ein einziges Jahr machen kann: Vor gut zwölf Monaten, am 13. April 2013, stand Erik Durm im Trikot von Borussia Dortmund auf dem Platz: Für die zweite Mannschaft der Schwarz-Gelben war er beim 1:0 gegen Darmstadt 98 in der dritten Liga als Linksaußen unterwegs. Ein Jahr später stand er wieder für den BVB auf dem Feld, doch diesmal 90 Minuten lang als Linksverteidiger in der Bundesliga – beim 3:0-Sieg bei Bayern München. Von Darmstadt zu den Bayern, vom Linksaußen zum Abwehrmann, vom Nobody zum WM-Kandidaten: ein extrem steiler Höhenflug in einem extrem kurzen Zeitraum.

"Eine unfassbare Entwicklung", wie auch Dortmunds Coach Jürgen Klopp findet. Ihm und seinem Trainerstab ist es dabei zu verdanken, dass sie Durms viel versprechende Ansätze erkannten und förderten. Denn eigentlich kam der 21-Jährige vor knapp zwei Jahren als Mittelstürmer der zweiten Mannschaft des FSV Mainz 05 ins Ruhrgebiet. In der dritten Liga rutschte er im BVB-Team dann aber auf die offensive linke Seite. Während einiger Trainingseinheiten mit dem Bundesliga-Team beschlossen die Verantwortlichen jedoch, aus Erik Durm einen Linksverteidiger zu machen.

Alles von Borussia Dortmund bei Goal

Die Umschulung beginnt

Im Sommer 2013 begann die "Fortbildungmaßnahme" für Durm: "Die Umschulung war am Anfang schon ein bisschen schwer für mich, auch das taktische Verstehen. Wir haben uns ganz viele Videos von Marcel Schmelzer und Lukasz Piszczek zusammen mit dem Trainerstab angeschaut", erklärte Durm. "Und natürlich redet man auch mit den Spielern und man fragt: 'Wie machst du das? Wie stellst du dich in der Situation?'", erklärte er.

 

BVB-Rechtsverteidiger Lukasz Piszczek war unter Jürgen Klopp denselben Weg gegangen: Der Pole war als Stürmer zu Hertha BSC gekommen, dort ins Mittelfeld geschoben worden – und in Dortmund sah man auf einmal einen Außenverteidiger in ihm. Und der Erfolg gibt den Schwarz-Gelben Recht: Piszczek war in den beiden Meisterjahren nicht aus der Startelf wegzudenken. Und Erik Durm hat auf der eigentlich für ihn ungewohnten Position einen Riesen-Schritt nach vorne gemacht.

Keine Ansprüche

Dass er in dieser Saison sein Talent zeigen durfte, hängt auch mit den Blessuren von Marcel Schmelzer zusammen. Der deutsche Nationalspieler ist in Dortmund auf links gesetzt, aber in der aktuellen Spielzeit fiel er drei Mal mit Muskelverletzungen aus. Schmelzers Pech war gleichzeitig Durms Glück: Er spielte als Ersatz groß auf – und mittlerweile fragen sich einige Experten, was passieren soll, wenn beide fit sind. Erik Durm hat darauf erst einmal eine bescheidene Antwort: "Marcel ist Nationalspieler und ein super Kicker. Er hat so viele Jahre schon Leistung gebracht, dass ich mich erstmal hinten anstelle." Und er fügt hinzu: "Vor einem halben Jahr hätte ich eh nicht damit gerechnet, dass ich schon so viele Spiele mache. Von daher stelle ich gar keine Ansprüche."

Die Ansprüche stellt er nicht – auch wenn andere finden, dass er das problemlos machen könnte. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus war es, der Durm zuletzt als Kandidat für Jogi Löws WM-Kader ins Spiel brachte. "Durm hat mit Bale und Robben zwei Weltklassespieler ausgeschaltet. Das spricht für seine große Qualität", meinte Matthäus in der Bild nach den Auftritten gegen Real und die Bayern. Etwas zurückhaltender formulierte es Dortmunds Trainer: "Wer weiß, wo der Weg endet? Er ist auf jeden Fall interessant für unterschiedlichste Aufgaben", sagte Jürgen Klopp über Erik Durm.

Vielleicht liegt die größte Aufgabe für Erik Durm in diesem Sommer in Brasilien. Und selbst das müsste noch nicht das Ende der "unfassbaren Entwicklung" des 21-Jährigen sein.

Dazugehörig