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Andre Schürrle beim FC Chelsea: Alles im Plan?

Mental im Soll, mit den Einsätzen hapert's: Wenn man auf Schürrles erste Blues-Saison zurückblickt, sind die Eindrücke gemischt, doch das Positive überwiegt.

London. Viele hatten ihm den Schritt zu einem Spitzenklub der Premier League nicht zugetraut, doch wenn man ehrlich ist, hat Andre Schürrle diese Zweifler durchaus Lügen gestraft. Auch wenn er beim FC Chelsea nicht selten von der Bank kommt oder ausgewechselt wird, hat sich der Nationalspieler in London einen Status erspielt, der ihn selbst zufriedenstellen dürfte.

Bisher saubere sieben Treffer in der Liga und ein weiterer in der Königsklasse sind in Ordnung, bedenkt man, dass der gebürtige Ludwigshafener von seinen 28 Saisonspielen in der Premier League die Hälfte als Einwechselspieler bestritt und in sechs weiteren spätestens um die 60. Minute ausgewechselt wurde. 

In seiner ersten Spielzeit in England hat man vom Flügelflitzer selbst trotzdem nur Positives gehört. Man kennt die Interviews von Profis, bei denen es nicht läuft, die dann wie das Pfeifen im Walde klingen: "Nein, alles ist wunderbar …" Dieser Eindruck stellte sich bei Schürrle nie ein. Er war trotz kleinerer Rückschläge überzeugt, gebraucht zu werden und am richtigen Platz zu sein - dies teilte er auch mit.

SCHÜRRLES LIGA-BILANZ BEIM FC CHELSEA
Einsätze
Von Beginn an
Tore
Torschüsse
Assists
Zweikampfquote
Erfolgreiche Tackles

*Daten von Opta
28
14
7
35
1
44,3%
74%


 

Viel Lob von Mou, doch sparsame Einsätze

Dies geht mit Sicherheit auch auf den Einfluss von Mourinho zurück, der den 23-Jährigen unbedingt wollte, ihn dann jedoch über den Verlauf der Saison vielleicht etwas zu behutsam aufbaute. Mit Lob sparte The Special One zwar nie, setzte ihn jedoch zwischenzeitlich nur sehr sparsam ein.

"Besonders in Spielen, wo Chelsea auswärts gegen kleinere Teams harte Nüsse zu knacken hatte, ist er mit Sicherheit etwas zu kurz gekommen", bestätigt John Baines von Goal International. Liam Twomey von Goal UK pflichtet bei: "Die wenigen Einsätze vor Weihnachten waren sicherlich überraschend, auch weil dies dazu beitrug, dass sich Oscar in der ersten Saisonhälfte völlig verausgabte."

Trotzdem blieb Schürrle standhaft: Er drängte sich weiterhin auf, arbeitete an seiner Physis und behielt recht. Sein Dreierpack gegen Fulham war eine Art Befreiung. Es folgten wichtige Treffer gegen Arsenal, in der Champions League gegen PSG und eine starke Leistung im Spitzenspiel bei Liverpool.

Mehr Power, mehr Selbstvertrauen

Nicht von ungefähr daher seine Aussagen im Interview auf der FIFA-Homepage vor wenigen Tagen: "Mein Spiel hat sich enorm weiterentwickelt. Auf dem Platz fühle ich mich viel stärker und ich habe an Körperstabilität und Selbstbewusstsein dazugewonnen." Kolportierte fünf Kilo Muskelmasse sollen dazugekommen sein, die sich in den harten Zweikämpfen in der Premier League sicher auszahlen. Auch Mou dürfte das gefallen, der laut Twomey ohnehin ein Fan des Deutschen ist: "Er ist ein klassischer Mourinho-Spieler: schnell, direkt, bereit, hart zu arbeiten und kaltblütig vor dem Tor."

Klar: Bei Chelsea spielt mit Eden Hazard ein Superstar auf seiner bevorzugten Position vorne links, der normalerweise den Vorzug erhält. Schürrle wechselte nach rechts und half auch im Sturmzentrum aus, doch nun ist der Belgier in der entscheidenden Phase der Saison verletzt – die Chance für den Nationalspieler.

Twomey dazu: "Hazard kämpft mit einer Wadenverletzung, Oscar ist außer Form – es scheint, als könnte Schürrle in den wichtigsten Spielen der Saison unter Mourinho eine große Rolle spielen." Unter den Chelsea-Fans hat er ohnehin ein starkes Standing, wie John Baines bestätigt: "Viele Blues-Anhänger sehen ihn in der ersten Elf."

Damit könnte die Bühne bereitet sein für einen Startelfeinsatz Schürrles gegen Atletico, denn Hazard ist zwar wieder fit, doch dass es schon für die erste Elf reicht, ist eher unwahrscheinlich.

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