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Welcher Clasico-Superstar würde mehr fehlen - Ronaldo oder Messi?

Der Portugiese wird wohl am Mittwoch im Pokal-Endspiel fehlen. Wir haben nun gefragt, ob CR7 wichtiger für Real ist als sein Rivale aus Argentinien für Barcelona.

EINE DEBATTE
Von Mark Doyle und Chris Myson

Spielt er oder spielt er nicht? Cristiano Ronaldo schlägt sich mit einer Oberschenkelzerrung herum. Real Madrids Trainer Carlo Ancelotti muss entscheiden, ob er die Gesundheit seines besten Spielers im Finale der Copa Del Rey gegen den FC Barcelona (Mittwoch, ab 21.30 im LIVE-TICKER bei Goal) aufs Spiel setzen will. Es wäre in jedem Fall ein großes Risiko.

Der Nationalspieler Portugals ist auch für das Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen Bayern München am 23. April im Santiago Bernabeu fraglich, schon das Viertelfinal-Rückspiel bei Borussia Dortmund verpasste er. Und das Spiel im Signal-Iduna-Park machte den Madrilenen schmerzhaft klar, dass sie ohne ihre große Nummer sieben nicht dieselbe Mannschaft sind.

Barca schied einen Tag nach Reals glücklichem Weiterkommen aus der Champions League aus. Die 0:1-Niederlage gegen Atletico war entscheidend. Im Gegensatz zu CR7 begann Lionel Messi, aber es gibt einige Leute, die danach meinten, dass er genauso gut pausieren hätte können - so gering war sein Einfluss. Konsequenterweise wurde die Frage gestellt: Wenn man Messi stoppt, hält man dann auch automatisch Barcelona auf?

Und das führt zu einer weiteren Frage: Ist Barcelona oder Real abhängiger von dem jeweiligen Superstar? Wer ist wichtiger - Ronaldo oder Messi? Zwei Goal-Schreiber debattieren zu diesem Thema.

"RONALDO TRIFFT IMMER"

 
Von Mark Doyle

"Wenn er die Chance hat, dann trifft er." Das sagte Diego Maradona über Cristiano Ronaldo während der EM 2012. Das ist eine einfache Aussage. Trotzdem kann man den Wahrheitsgehalt nicht anzweifeln. Ronaldo trifft immer. Die Wichtigkeit des betreffenden Spiels ist dabei zu vernachlässigen.

Seitdem er im Jahr 2009 von Manchester United zu Real Madrid wechselte, hat er 246 Tore in 240 Spielen erzielt. Er haut den Ball immer rein. In jedem Spiel. Oft sogar mehr als einmal. Und das alles ohne die herausragende Unterstützung, die Lionel Messi im Camp Nou genießt. Ronaldo hat sich den Ballon d'Or verdient, weil er - wie es Fabio Cannavaro im letzten Jahr sagte - Real Madrid "trägt".

Und das ist nicht einmal eine Überraschung. Manchester Uniteds legendärer Trainer Sir Alex Ferguson sagte, dass er "der komplette Fußballer" sei. Es gibt nichts, was er nicht kann. Besonders in Clasicos. Im Zeitraum zwischen Januar 2012 und Oktober 2012 traf Ronaldo sechs Mal auf Barcelona. Er machte sieben Tore. Niemandem sind vorher Treffer in sechs Clasicos in Serie gelungen, nicht Ferenc Puskas, nicht Alfredo di Stefano, nicht Hugo Sanchez und nicht Messi.

Der Beinahe-Crash im Signal-Iduna-Park vergangene Woche zeigte noch einmal eindrucksvoll, wie abhängig Real Madrid von Ronaldo ist. Als er zu Beginn des Jahres mit einer Verletzung kämpfte, nahm Jese Rodriguez seinen Platz im Angriffs-Trio der Madrilenen ein. Aber der Youngster fehlt nun mit einer Verletzung bis zum Saisonende.

Gareth Bale spielt auf Ronaldos Lieblingsposition auf der linken Seite effektiver, aber der Waliser konnte dies noch nicht im Clasico beweisen. Das gilt auch für Karim Benzema. Obwohl er gegen Barcelona beim letzten Mal zwei Tore machte, zeigte er auch, dass er in den großen Spielen oft die großen Chancen liegen lässt. Ronaldo macht das nicht.

Ist er arrogant? Ja, natürlich. Das ist auch einer der Gründe, warum er zuletzt im Santiago Bernabeu ausgebuht wurde. Aber wenn er einmal Real verlässt, werden sie ihn vermissen. Und sie werden ihn am Mittwoch vermissen. Warum? Weil er immer trifft.

"BARCA IST OHNE MESSI NICHT WIEDERZUERKENNEN"


Von Chris Myson

Wenn Lionel Messi nicht im Kader steht oder spielt, obwohl er nicht fit ist, ist sein Team kaum wiederzuerkennen. Der Superstar aus Argentinien hat mit überragenden 309 Toren in den letzten sechs Spielzeiten den FC Barcelona zu vier Meistertiteln und zwei Champions-League-Triumphen geführt.

Er hat auch stets in den großen Spielen die Erwartungen erfüllt, unter anderem in den Endspielen der Königsklasse gegen Manchester United entscheidende Tore gemacht. In den Clasicos hat er Real immer geärgert, satte 15 Mal in 21 Partien seit 2009 getroffen - verglichen mit Ronaldos 13 Toren in derselben Anzahl an Spielen. Darüber hinaus gelangen Messi neun Assists und damit deutlich mehr als die eine Vorlage, die sein Rivale vorweisen kann.

In Madrid wird natürlich ein verletzter Ronaldo vermisst, aber die Blancos haben jetzt auch den 100-Millionen-Mann Gareth Bale, der in einer für ihn erfolgreichen ersten Saison die Lücke schließen kann. Und auch Karim Benzema spielt seine beste Saison, seitdem er ins Bernabeu gekommen ist.

Barca hat nicht dieselbe Star-Unterstützung, wenn Messi mal nicht trifft, obwohl der Verein im Sommer viel Geld für Neymar ausgegeben hat. Der Brasilianer hat seine Top-Form im Camp Nou aber noch nicht gefunden und ist in seiner Entwicklung trotz großen Talents noch lange nicht fertig.

Pedro und Alexis Sanchez sind gute Alternativen, aber normalerweise muss Trainer Tata Martino entweder Cesc Fabregas oder Andres Iniesta in der Aufstellung verschieben, wenn Messi fehlt. Das Team ist um ihn aufgestellt, es weiß nicht genau, was es machen soll, wenn der Argentinier mal ausfällt.

Das Halbfinale der Champions League gegen Bayern München zeigte das in der letzten Saison eindrucksvoll: Ein nicht fitter Messi war im Hinspiel völlig abgemeldet und konnte im zweiten Duell gar nicht auflaufen. Ein zahnloses Barca verlor insgesamt mit 0:7.

Den Katalanen wird es deshalb gefallen, dass es Ronaldo und nicht Messi ist, dessen Einsatz bei der Auseinandersetzung im Mestalla am Mittwoch fraglich ist. Real wird immer noch eine Chance haben, auch ohne den Portugiesen den Titel zu holen. Aber genau das würden nur wenige Leute behaupten, wenn Martinos Mannschaft auf Messi verzichten müsste.

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