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Christian Wörns lobt Paris Saint-Germain: "Die Creme de la Creme im europäischen Fußball"

Ex-Nationalspieler Christian Wörns kickte für Bayer und PSG. Wir sprachen mit ihm über den Knaller am Dienstagabend, Zlatan Ibrahimovic und Investoren in der Bundesliga.

INTERVIEW
Das Gespräch führte Stefan Döring

Leverkusen. Christian Wörns war während seiner Profi-Zeit einer der besten deutschen Innenverteidiger und beendete 2008 seine Karriere nach neun Jahren bei Borussia Dortmund. Vorher spielte er bei Bayer Leverkusen und Paris Saint-Germain. Derzeit ist der Trainer der U17 des FC Schalke 04.

Goal sprach mit dem Ex-Nationalspieler über das Champions-League-Spiel zwischen Bayer Leverkusen und Paris, seine Zeit in der französischen Hauptstadt, Zlatan Ibrahimovic und die Möglichkeit von Investoren in der Bundesliga.

Herr Wörns, Sie haben während Ihrer aktiven Zeit für beide Vereine gespielt. Wo hat es Ihnen denn besser gefallen?

Wörns: In Leverkusen hat es mir gut gefallen, weil der Verein strukturiert ist und ein Wohlfühlklima geschaffen hat. Es war alles sehr familiär und man kannte vom Ordner bis zum Vorstand eigentlich jeden. Da war es für uns Spieler schon einfach. In Paris gab es hingegen damals schon mit Canal+ einen Investor und es ging drunter und drüber. Ich wurde damals im Februar von Ricardo Gomes verpflichtet, der dann im Sommer aber schon nicht mehr da war, als ich gekommen bin. Während der Saison hatte ich dann drei verschiedene Trainer und zwei Präsidenten. Ich habe die Sprache damals auch nicht zu 100 Prozent verstanden.

Also haben Sie sich bei Paris eigentlich nicht wohlgefühlt?

Wörns: Man merkt einfach, dass im Verein irgendetwas schief geht und dementsprechend war dann auch die Saison. Da fühlt man sich als Spieler eben weniger wohl. Die Saison war dann auch eher durchwachsen, tabellarisch war es aber einigermaßen in Ordnung. Es war viel Unruhe, weshalb man sich als Spieler nicht auf das Wesentliche konzentrieren konnte. Die Stadt war aber super und man konnte viel unternehmen.


"Vielleicht wäre es auch in der Bundesliga nicht schlecht, wenn der eine oder andere Großinvestor in einen Verein mit einsteigt."


- Christian Wörns

Aktuell gehört Paris mit dem finanzkräftigen Investor wohl zu den stärksten Teams Europa. Hat Leverkusen in der Champions League überhaupt eine Chance?

Wörns: Ich denke schon. Es sind zwei Spiele. Zwar hat Paris gut investiert, und von den Namen her ist es wirklich die Creme de la Creme im europäischen Fußball. Aber Leverkusen hat auch etwas dagegen zu setzten, weil die Mannschaft sehr kompakt spielt, als Einheit auftritt und sehr effektiv ist. Die Spieler wissen, was sie taktisch zu tun haben und setzen die Vorgaben des Trainers um. Nicht umsonst steht das Team auf dem zweiten Tabellenplatz in der Bundesliga.

Sie sagten gerade, die Mannschaft würde die Vorgaben gut umsetzen. Wie bewerten Sie als Trainer denn die Arbeit von Sami Hyypiä in seinem ersten Jahr alleine?

Wörns: Er hat ein sehr gutes taktisches Konzept. Sie lassen sich im 4-3-3-System bis zur Mitte fallen, probieren dann, auf die Balleroberung zu gehen und zu kontern. Dafür hat er schnelle, effektive Stürmer. Aber auch im Ballbesitz hat Leverkusen einen guten Plan und ein gutes Stellungsspiel. Deshalb wird Bayer die Spiele gegen Paris auch nicht kampflos herschenken müssen.

Wenn man nun die einzelnen Mannschaftsteile sich ansieht, wo sehen Sie einen Vorteil für Leverkusen?

Wörns: Das ist schwer zu sagen. Paris hat sicherlich die klangvolleren Einzelspieler. Aber wenn man den Namen Kießling, Sam oder Son hört, sind es in Europa aber auch keine Unbekannten. Sie klingen zwar nicht so wie Ibrahimovic oder Cavani, aber sie stellen im europäischen Fußball auch etwas dar.

IN ZAHLEN: Christian Wörns' Karriere
Verein

Waldhof Mannheim
(1989 - 1991)

Bayer Leverkusen
(1991 - 1998)

Paris St. Germain
(1998 - 1999)

Borussia Dortmund
(1999 - 2008)

Spiele


52
 

211


28


240


Tore

2


13


2


14

Diese großen Namen in Paris sind in den letzten Jahren durch den neuen Investor möglich geworden. Wie beurteilen Sie das?

Wörns: Es ist natürlich so, dass ein Investor viel Geld reinbuttert. Für den Verein ist es in der momentanen Phase gut. Problematisch wird es, wenn sich so ein Mann zurückzieht. Dann kann es ganz schnell auch mal bergab gehen. Das scheint in Paris aber nicht der Fall zu sein. Sie mischen dadurch in Europa mit und deshalb finde ich es eigentlich nicht verwerflich.

Also stehen Sie Investoren eher offen gegenüber. In Deutschland haben wir aber die 50+1-Regel. Sollte man das Ihrer Meinung nach ändern?

Wörns: Wenn man sieht, wie die Bayern mit ihren finanziellen Mitteln davonziehen, droht Langweile, was die Meisterschaft angeht. Das führt aber dazu, dass andere Vereine sich vielleicht Gehälter nicht mehr so leisten können, aber vor allem in den Ablösen nicht mehr mithalten können. Von daher wäre es vielleicht auch in der Bundesliga nicht schlecht, wenn der eine oder andere Großinvestor in einen Verein mit einsteigt. Man muss aber bedenken, dass so ein Schuss auch mal nach hinten losgehen kann, wenn ein Investor aussteigt.

Kommen wir zurück zu dem Champions-League-Spiel. Mit Paris kommt auch Zlatan Ibrahimovic nach Leverkusen. Wie kann man so einen Spieler verteidigen?

Wörns: Das ist schwierig. Er ist körperlich unheimlich robust, verfügt über eine überragende Technik und ist aufgrund seiner Größe enorm kopfballstark. Er ist einfach komplett. Ihn kann man nur im Verbund stoppen. Das heißt den Passweg zustellen und ihn doppeln. Dann hat man aber schon das nächste Problem, dass mit Cavani und den Spielern auf den Flügeln weitere Weltklassespieler warten.

Mino Raiola, Berater des Schweden, hat letzte Woche gesagt, Ibrahimovic müsse aufpassen, dass die Ligue Un nicht zu leicht aussieht. Wie schätzen Sie die französische Liga ein?

Wörns: Das Gefälle ist groß. Zu den Spitzenmannschaften gehören momentan Paris, Monaco und vielleicht noch Marseille, die ihre Spieler halten können. Von den anderen Klubs werden die Spieler leichter weggekauft, wie zum Beispiel Aubameyang vor der Saison nach Dortmund. Es gibt zwei, drei Klubs, die was erreichen können, den anderen fehlt dann aber das Geld.

Wie stark schätzen Sie Paris St. Germain im Vergleich zu den großen Favoriten Barcelona und Bayern München ein?

Wörns: Von den Einzelspielern gibt es da sicherlich kaum einen Unterschied. Das ist ein Topteam, gespickt mit großen Namen. Die brauchen sich in Europa vor niemandem zu verstecken.

Sie scheinen der Mannschaft sogar den Titel zuzutrauen ...

Wörns: Sie sind ein kleiner Geheimfavorit. An guten Tagen können die jeden schlagen.

Welchem Ihrer beiden Ex-Vereine drücken Sie in den Spielen die Daumen?

Wörns: Die Sympathien liegen schon bei Leverkusen. An den Verein habe ich schöne Erinnerungen, ich bin da Pokalsieger geworden. Von daher hoffe ich, dass Bayer weiterkommt.

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