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Mehrere Lager kämpfen auf der kommenden Mitgliederversammlung für ihre Überzeugungen. Das eigentliche Problem rückt dadurch in den Hintergrund.

KOMMENTAR
Von Daniel Jovanov

Hamburg.
Die Mitglieder des Hamburger SV  entscheiden am Sonntag über die Zukunft des Vereins. Dass nicht alle mit der getroffenen Entscheidung zufrieden sein werden, ist unvermeidbar. Der Kollateralschaden ist der Preis, den der Sieger in Kauf nehmen muss. Die konservativen Gruppierungen rufen aus Angst vor einer deutlichen Niederlage zum Kompromiss auf. Sie appellieren an die Vernunft, das Gemeinwohl, das sie selbst lange Jahre missachtet haben, nicht aufs Spiel zu setzen. Doch der HSV ist längst ein Verein, der seit Jahren von einigen Cliquen regiert, von anderen manipuliert wird.

Abseits der persönlichen Feindschaften hat der HSV ein weitaus weitreichenderes Problem: Er lebt seit Jahren über seinen Verhältnissen. Die finanzielle Lage ist so schlecht, dass er sich Geld bei seinen Fans zur Erhöhung der Liquidität leihen muss, weil er am Markt keine Kredite mehr zu tragbaren Konditionen bekommt. Andernfalls hätte es Probleme bei der Lizenzvergabe der DFL gegeben. Die Ultras wollen das weder hören noch begreifen.

Denn sie erkennen in den Ausgliederungsinitiativen etwas anderes: den Siegeszug der Kommerzialisierung. Dagegen wehren sie sich seit Jahren, weil sie befürchten, dass er aus ihrer Leidenschaft eine Kundschaft macht. Den Kampf haben sie jedoch verloren und es nicht einmal gemerkt. Der Kapitalismus hat sie nämlich von innen besiegt. Er steckt in ihrer Mitgliedschaft, aus der sie ihr Mitbestimmungsrecht ableiten. Und eben dieses Mitbestimmungsrecht gilt es jetzt zu nutzen.

Wer die Kapitalisierung des Markenwerts, wie von den Konzepten gedacht, verhindern will, gefährdet den HSV. Durch den Verkauf von Anteilen geht nichts verloren – weder die Geschichte und Tradition noch die Souveränität. Der Verein schafft lediglich die Basis dafür, mehr Geld aus seiner eigenen Ausstrahlungskraft zu schöpfen. Wer die Mehrheit für zeitgemäße Veränderungen nicht akzeptieren will und sich abwendet, wird wiederkommen. Spätestens, wenn die Vorrausetzungen für Erfolg geschaffen sind. Eine neue Struktur kann zwar keinen sportlichen Erfolg garantieren. Sie kann den Verein allerdings vor dem finanziellen Untergang bewahren.

Nicht verpassen: HSV-Korrespondent Daniel Jovanov wird am Sonntag LIVE auf Goal von der Mitgliederversammlung der Rothosen berichten!

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