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Hannover 96: Das befreiende Gefühl eines Sieges

96 kann sich mit dem Dreier gegen die SGE vorerst freischwimmen und weiß auch spielerisch zu überzeugen. Nun will man auf diese Leistung aufbauen.

Aus Hannover berichtet Claas Philipp

Hannover. Die Erleichterung war Protagonisten und Fans deutlich anzumerken. Nach zuletzt sieben sieglosen Bundesliga-Spielen in Folge stand das Team von Hannover 96 in der Partie gegen Eintracht Frankfurt unter großem Erfolgsdruck, Gewinnen war nicht zuletzt für Trainer Mirko Slomka quasi Pflicht. Die Pflicht wurde erledigt, und ein bisschen Kür war auch dabei - 2:0 stand es am Ende für die Niedersachsen, die ein durchaus ansehnliches Spiel ablieferten.

"Es fällt eine große Last ab", zeigte sich Dirk Dufner nach Abpfiff sichtlich erfreut. Nicht nur die Punktausbeute, sondern vor allem auch die spielerische und kämpferische Darbietung seiner Mannschaft macht dem 96-Manager Mut: "Wir haben das heute nicht glücklich gewonnen, sondern total verdient. Die Art und Weise war unglaublich wichtig."

Sobiechs vermeintlicher Abseitstreffer

In der Tat waren die Hausherren vom Start weg das spielbestimmende Team, nach 24 Minuten köpfte Mame Diouf nach Flanke von Edgar Prib zur leistungsgerechten Führung ein. Wenig später lag der Ball erneut im Frankfurter Netz, Artur Sobiechs Treffer wurde jedoch die Gültigkeit aberkannt, nachdem Schiedsrichter Günter Perl das Tor zunächst geben wollte, seine Entscheidung nach Intervention seines Linienrichters aber zurücknahm. Zu Unrecht, wie sich letztlich herausstellte.

Nach einem Abschlag von Keeper Ron-Robert Zieler stand der Pole zwar im Abseits, jedoch hatte Diouf den Ball mit dem Kopf weitergeleitet und so eine neue Spielsituation herbeigeführt. So hätte man den Treffer zwar geben müssen, dem Schiedsrichtergespann kann aber kaum ein Vorwurf gemacht werden - die Berührung von Diouf war so minimal, dass sie selbst in der Zeitlupe kaum zu erkennen war. So oder so fühlten sich die "Roten" ungerecht behandelt, als ihnen klar wurde, dass das Tor nicht zählen würde: "Wir haben zunächst mal überhaupt nicht verstanden, warum das Tor aberkannt wurde", so Dufner.

Andreasen als Beruhigungsfaktor

Dennoch behielten die 96er kühlen Kopf - anders als noch bei der 1:4-Niederlage gegen die TSG Hoffenheim, als die Hannoveraner mehr mit dem Schiedsrichter beschäftigt waren, anstatt sich auf das Fußballspielen zu konzentrieren. Dieses Mal war das anders, und Dufner fand es "beeindruckend, wie die Mannschaft dieses nicht gegebene Tor weggesteckt hat". Aushilfskapitän Leon Andreasen fungierte dabei als beruhigender Faktor: "Ich bin zum Linienrichter gegangen, habe Marcelo und Mame weggeschoben und kurz mit ihm gequatscht - das war's", so der Däne.

CHERUNDOLO | Das Comeback
Hannovers Kapitän Steven Cherundolo wurde in der Nachspielzeit für Huszti eingewechselt, es war sein heiß ersehntes Comeback nach langer Verletzungspause. Aufgrund von Knieproblemen hatte das 96-Urgestein (der 34-Jährige ist seit 1999 im Verein) in dieser Saison noch kein Spiel absolviert - umso größer war der Freude über seine Einwechslung, auch wenn er betont: "Der Sieg war wichtiger als mein Einsatz." Dennoch ist es für ihn natürlich "das Schönste, das es gibt", wenn er den Rasen betreten darf. "Für mich sowieso, nach einer schwierigen, komplizierten Verletzung und so vielen Jahren in diesem Verein. Das war vor diesem Publikum und meiner Familie etwas Besonderes." Die Rückkehr des US-Amerikaners wurde von den Fans frenetisch gefeiert - Cherundolos Kommentar: "Sowas habe ich noch nicht erlebt. Das war schon cool."

Die Szene wurde schnell abgehakt, dem 96-Spiel tat sie keinen Abbruch. Die Slomka-Elf gab weiterhin den Takt an, auch über weite Strecken der zweiten Hälfte, in der Frankfurts Martin Lanig nach einer knappen Stunde Spielzeit mit Gelb-Rot vom Platz gestellt wurde, obwohl er im Zweikampf mit Sobiech den Ball gespielt hatte.

Veh fliegt, Huszti trifft

Die ansonsten schwachen Gäste zeigten fortan immerhin Moral und sorgten so für den nächsten Aufreger: Pirmin Schwegler lief in der 66. Minute auf Zieler zu und ging im Zweikampf mit Hiroki Sakai zu Boden, Perl aber ließ  weiterspielen - wohl zu Recht. SGE-Coach Armin Veh wurde im Nachgang dieser Szene gar auf die Tribüne verbannt und musste von dort aus ansehen, wie 96 im direkten Gegenzug einnetzte, Szabolcs Huszti versenkte einen Freistoß sehenswert in den Winkel.

Das 2:0 war die Entscheidung, Hannover beschränkte sich fortan vornehmlich auf das Verwalten des Spielstandes und der Eintracht fehlte die Durchschlagskraft. Nach Abpfiff durfte sich die 96-Mannschaft von den Fans feiern lassen - eine Ehre, die ihr lange nicht zuteil wurde.

Dennoch war bereits zu Spielbeginn spürbar, dass Team und Anhang trotz der Krise nach wie vor eine Einheit sind, wie auch Steven Cherundolo bestätigte: "Unsere Fans sind top, die haben uns heute nach schwierigen Wochen wahnsinnig unterstützt - mal wieder." Auch Andreasen war sich bewusst, wie sehr die Anhänger zuletzt gelitten hatten: "Ich freue mich auch riesig für die Fans, dass es endlich mal wieder mit einem Sieg geklappt hat. Wir hatten zu Hause gegen Braunschweig und auch in Hamburg ziemlich blöde Spiele. Das tut den Fans auch weh."

"Haben nicht gegen Dortmund gespielt"

Keine Frage: Mit dem Sieg gegen Frankfurt haben die 96er sich erst einmal wieder freigeschwommen und dabei auch noch jede Menge Spielfreude versprüht. Abheben darf man deswegen freilich nicht: "Uns ist bewusst, dass das nur ein erster Schritt war - gegen eine Mannschaft, die auch Probleme hat", so Dufner. "Man darf nicht vergessen, dass wir nicht gegen Borussia Dortmund gespielt haben. Das müssen wir alles richtig einordnen. Aber die Leistung gegen diesen Gegner war sehr gut."

Für Cherundolo war es jedenfalls ein Fingerzeig: "Wir haben heute gelernt, dass man als Einheit viel bewegen kann." Gleichzeitig warnte er davor, nun nachzulassen: "Rein tabellenmäßig war das schon ein ordentlicher Schritt, aber es wäre fatal, wenn wir jetzt locker lassen. Wir haben in den letzten zwei Wochen im Training so hart gearbeitet, genauso müssen wir weitermachen." Denn der 96-Kapitän ist sich sicher:"Wir können vor der Winterpause noch sehr, sehr viele Punkte holen."

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