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Der japanische Spielgestalter glänzte gegen Leverkusen an der Seite von Rooney. Wenn van Persie zurückkehrt steht Trainer Moyes vor einer schweren Entscheidung.

KOMMENTAR
Von Tom J Doyle

"Es war die beste Leistung seit ich hier bin und es wird noch mehr kommen." Gesagt hat dies David Moyes nach dem überzeugenden 5:0-Sieg von Manchester United in der Champions League bei Bayer Leverkusen. Die Aussage hätte auch von Shinji Kagawa stammen können, der am Mittwoch in der BayArena glänzte.

Es wäre einfach, sich bei den Red Devils den vierfachen Assistgeber Wayne Rooney oder Evergreen Ryan Giggs herauszupicken. Doch ein dickes Lob hat sich der 24 Jahre alte Ex-Dortmunder verdient. Seine Cleverness und Fähigkeit, Räume für seine Mitspieler zu schaffen, waren maßgeblich für den famosen Auftritt Uniteds. Sami Hyypiäs Mannschaft wurde von Mal zu Mal eiskalt ausgekontert.

DER ABEND DER WENDE?
EINZELKRITIK VS. LEVERKUSEN

Der Japaner begann blass, hatte seine erste starke Aktion, als er mit dem Ballgewinn in der eigenen Hälfte das 1:0 einleitete. Danach wurde er von Minute zu Minute stärker, legte viel Spielfreude an den Tag und war letztlich auch noch an der Entstehung des 4:0 entscheidend beteiligt.
Oft war Kagawa unter Sir Alex Ferguson (falsch) auf dem linken Flügel eingesetzt worden, damit vorne das Duo Rooney sowie van Persie wirbeln konnte. Das führte zum Titelgewinn in der Premier League 2012/13. Van Persies Form und Fitness bestätigten die Entscheidung - Kagawa musste sich seinem Schicksal als Einwechselspielers fügen.

Kagawa nutzt seine Chance

Aber er ist nicht der Typ, der großartig schmollt. Und seine Vorstellung am Mittwoch lieferte er nicht ab, um sich für andere Klubs ins Schaufenster zu stellen. Vielmehr war es seine Art, sich bei Moyes nachhaltig ins Gedächtnis zu rufen, sich selbst in Manchester zu etablieren.

Van Persie reiste verletzt nicht nach Leverkusen. Kagawa bekam seine Chance und er nutzte sie: 78 Prozent seiner Pässe brachte er an den eigenen Mann. Ein starker Wert, wenn man bedenkt, welche Art von Pässen er spielte. Immer wieder agierte er aus der Tiefe und initiierte schnelle Angriffe. So leitete er zum Beispiel den Führungstreffer durch Antonio Valencia ein.

Ähnlich war es beim 4:0, als er Vorlagengeber Rooney herrlich bediente. Immer wieder zeigte er zudem, wie gefährlich er sein kann, wenn er mit etwas Raum auf die gegnerische Abwehrreihe zumarschieren kann.

"Shinji and Wayne haben stark gespielt"

Auch in der Defensivarbeit, ein häufiger Kritikpunkt, präsentierte er sich fleißig. Vor dem ersten Treffer schnappte er Emre Can das Leder weg. Er hatte weitere Ballgewinne und wirkte im Vergleich zu seinen letzten Auftritten in der Liga verbessert.

"Shinji and Wayne haben stark gespielt," gab Moyes bei Sky Sports zu Protokoll. "Wayne hatte vier Assists und Shinji war ebenso klasse. Es ist eine lange Saison und wir müssen sichergehen, dass wir verschiedene Kombinationen für verschiedene Spiele haben."

Dabei war es für den ehemaligen Borussen in dieser Spielzeit bislang nicht leicht: In den bisher sieben Premier-League-Partien kam er nur 45 Minuten lang zum Einsatz, es gab bereits ein Gespräch mit seinen Beratern und Moyes zu seiner Rolle bei den Red Devils.

In englischen Medien wurde er bisweilen als grübelnder Außenseiter dargestellt, falsch oder schlecht übersetzte Aussagen aus Japan stützten diesen Eindruck. Allerdings ist Kagawa vielmehr ein beliebter Spieler innerhalb der Mannschaft und als harter Arbeiter im Training bekannt. Emsig bemüht er sich, einen Platz in Moyes' Plänen zu erkämpfen.

Sein Auftritt vom Mittwoch hat jedenfalls allen ins Gedächtnis gerufen, dass er längst noch nicht aufgesteckt hat. Und es ist auch genau jene Reaktion, die gewiss Sir Alex Ferguson gefallen haben dürfte. Denn kaum jemand schaffte es einst so wie der Schotte, das Beste aus einem Spieler herauszukitzeln.

Moyes dagegen muss auf diesem Gebiet noch dazulernen. Bei Everton ließ er für gewöhnlich stets seine Stammelf auflaufen und wechselte selten. Nun hat er 20 nahezu gleichwertige Spieler, die an seine Tür und an die Startformation des Premier-League-Titelverteidigers klopfen.

Gegen Tottenham wieder auf der Bank?

Es wird nun sehr interessant zu sehen, was am Sonntag gegen Tottenham passiert. Wird Kagawa erneut die Rolle des Zehners bekleiden dürfen? Maßgeblich hängt dies auch von van Persies Gesundheitszustand ab. Der Niederländer, der schon wegen Moyes' angeblich zu hartem Trainnig gemotzt hat, absolviert im Moment individuelle Einheiten und wird selbst entscheiden, ob er für den Trip nach Nordlondon bereit ist.

Die Kommentare des Trainers deuten daraufhin, dass Kagawa und Rooney als Duo eine weitere Option, aber nicht die Hauptlösung sein werden. Nur falls van Persie weiterhin nicht fit ist, darf sich Kagawa in seiner Lieblingsrolle beweisen und maximale Eigenwerbung betreiben.

Kagawa und seine Berater werden auch weiterhin nicht auf einen Weggang aus Manchester drängen. Dort verdient er knapp 85.000 Euro pro Woche und damit etwa dreimal soviel wie zuvor beim BVB. Diese Summe dürfte er derzeit bei keinem anderen Verein einstreichen.

Moyes muss die Situation vorsichtig behandeln. Er kann nicht ewig auf Kagawas guten Willen hoffen. Vielmehr muss es ihm irgendwann gelingen, den Spielgestalter gemeinsam mit den Starstürmern Rooney und van Persie in einer Formation unterzubringen.

EURE MEINUNG: Wird sich Shinji Kagawa langfristig bei ManUnited durchsetzen?

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