thumbnail Hallo,

Die Werkself hatte sich viel vorgenommen für das Heimspiel gegen ManUnited, doch dann ging alles furchtbar in die Hose. So richtig wusste nachher niemand, warum.

Aus Leverkusen berichtet John C. Brandi

Leverkusen.
Wenn man etwas ganz besonders gut machen möchte, klappt mitunter oftmals gar nichts. So geschehen beim erniedrigenden 0:5, das Bayer Leverkusen im Champions-League-Heimspiel gegen ein zuletzt biederes Manchester United kassierte. Während die Red Devils und ihre Fans ein dringend benötigtes Erfolgserlebnis feierten, fragte man sich bei der Werkself, wie diese Partie nach dem bereits verpatzten Hinspiel so dermaßen schiefgehen konnte – ohne eine echte Antwort zu finden.

Vordergründig war klar, was passiert war: In einer zerfahrenen Anfangsphase mit vielen Fehlpässen war Bayer durchaus die aktivere Mannschaft, hatte einige Halbchancen, bis man in Rückstand geriet, und langsam die Dämme zu brechen begannen. Während United sich mit seiner Kontertaktik immer wohler fühlte, klappte am Ende bei den Hausherren nichts mehr.

"Wir haben relativ einfache Fehler gemacht, und die werden auf dem Niveau kaltblütig bestraft. Bei allem, was geschrieben wurde, wie schlecht United derzeit ist, kann man dann heute doch sehen: Wenn man ihnen was anbietet, sind sie da", fasste Stefan Reinartz hinterher in der Mixed Zone mit böser Miene zusammen.

"Totaler Blödsinn"

Dass sein gescheiterter Klärungsversuch mit der Hacke vor dem 0:1 durch Antonio Valencia nicht die beste Idee gewesen war, wusste auch Reinartz: "Totaler Blödsinn, warum auch immer ich die Entscheidung da so getroffen habe. Das war genau so ein Ballverlust, den sie natürlich super wegkontern, und davon hatten wir wohl ein paar zuviel."

Leverkusen kam spätestens nach dem 0:2, dem unglücklichen Eigentor durch Emir Spahic, immer weniger zurecht, womöglich auch dem Sog der sich anbahnenden Katastrophe geschuldet, der alle mitriss. Plötzlich klappte praktisch nichts mehr – bis auf eine Ecke, bei der Reinartz die Kugel an den Pfosten köpfte, Spahic vergeblich nachstocherte. Im Gegenzug fiel das entscheidende 0:3, mit dem Tunnel gegen Simon Rolfes im Vorfeld des Treffers brachte Wayne Rooney den Klassenunterschied optisch auf den Punkt.



Rooney: "Mit Shinji hat es Spaß gemacht"

Der Superstar, der drei der fünf Treffer vorbereitete, war hochzufrieden und freute sich über Shinji Kagawas gute Leistung: "Wir haben fantastisch gespielt, mit sehr viel Wucht, haben gut umgeschaltet. Mit Shinji hat es Spaß gemacht, er ist ein großartiger Fußballer." Nach Robin van Persies Ausfall durfte der Ex-BVB-Star in seiner alten Wahlheimat von Beginn ran und wusste als beweglicher Kreativgeist im offensiven Zentrum zu überzeugen.

Auch Oldie Ryan Giggs, der im Mittelfeld auf der Sechs nicht wie jemand agierte, der in zwei Tagen 40 Jahre alt wird, wurde von Solospitze Rooney mit Lob bedacht: "Giggs war großartig, aber er macht das schon eine Weile", schmunzelte der Engländer. Die Stars waren danach bestens gelaunt, hatte Bayer doch für kriselnde Red Devils perfekte Aufbauhilfe geleistet.

Chris Smalling gab danach unumwunden zu: "Endlich haben wir wieder ein Team über weite Strecken des Spiels kontrolliert, das gibt uns großes Selbstvertrauen. Wir standen hinten gut, konnten nach vorne besonders über Valencia, Nani und Shinji viel bewegen." Dass Leverkusen an sich heimstark ist, hatte sich auch bis Manchester herumgesprochen. Umso größer war die Genugtuung bei Smalling: "Es ist schon stark, hier so deutlich zu siegen."

Ein Strohhalm bleibt

Was blieb, war der Eindruck einer Mannschaft, die oft in wichtigen Spielen gegen namhafte Gegner einfach vergisst, wie es geht: So verkrampft, gehemmt, fehlerhaft und unkonzentriert agierte Bayer streckenweise, dass man sich fragte, ob da wirklich der verdiente Zweite der Bundesliga auf dem Platz stand.

Ömer Toprak konstatierte mit leiser Stimme: "Das darf uns nicht passieren, dass wir uns so abschlachten lassen." Auch ihm half nur der Blick nach vorne, denn tatsächlich ist der Zug Richtung Achtelfinale noch nicht abgefahren, auch wenn man auf Schützenhilfe der Red Devils angewiesen ist. Toprak gab die Richtung vor: "Donezk hat einen Punkt Vorsprung, spielt im Old Trafford. Ich denke, ManUnited wird jetzt nicht die zweite Mannschaft aufbieten, aber nichtsdestotrotz müssen wir auf uns selbst schauen, nach San Sebastian fahren und das Spiel gewinnen."

Bis dahin wird man alle Hände voll zu tun haben, um das Geschehene abzuhaken und zu analysieren. Nach Bayers in dieser Saison ersten im Free TV übertragenen Partie der Königklasse war Reinartz zumindest eins klar: "Wir hätten im Nachhinein lieber ein anderes Livespiel gehabt."

EURE MEINUNG: Woran liegt es, dass Bayer die Siegermentalität gegen die Großen fehlt?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal auf
oder werde Fan von Goal auf !

Dazugehörig