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Gegen Deutschland könnte er ein Zeichen setzen, wie vor gut einem Jahr. Balotelli steht wieder in der Kritik und kommt 2013/2014 noch nicht so recht in Gang. Gibt es Alternativen?

ANALYSE
Aus Mailand berichtet Rafael Corradino

In der Saison 2013/2014 gehört Mario Balotelli bislang entgegen der Äußerungen von Joachim Löw noch nicht zu den Besten der Welt – das belegt die Statistik. Die Erwartungshaltung an den 22-jährigen Italiener ist vor dem Testspiel-Knaller gegen Deutschland (LIVE! auf Goal) sehr viel höher und eine Comeback muss her. Dringend, auch im Sinne des kriselnden AC Mailand

Gegen den FC Barcelona in der Champions League saß Mario Balotelli zu Beginn der Partie auf der Bank. "Ich habe das auch für ihn gemacht", erklärte Klub-Trainer Massimiliano Allegri, der nach dem 0:0 gegen den Tabellenletzten Chievo Verona auch weiterhin in der Kritik steht.

Allegri und Prandelli hoffen weiter

"Mario muss sich erst daran gewöhnen, zwei Mal wöchentlich zu spielen. Bei City und Inter saß er auch meistens auf der Bank. Ich erwarte einfach mehr von ihm..." Das gilt nicht nur für Allegri, sondern auch für die Mailänder Fans.


"Ich erwarte einfach mehr von ihm..."

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Massimiliano Allegri über Mario Balotelli

Gerüchteweise hatte Balotelli über Twitter mit Floskeln a la "Leben und leben lassen" reagiert, jene Tweets anschließend aber gelöscht. Es bleibt dabei: Der Angreifer durchlebt eine schwierige Phase. Das weiß auch sein Nationaltrainer Cesare Prandelli: "Mit diesem Druck muss er nun umgehen. Bist du stolz und hast Charakter, gehst du daraus gestärkt hervor."

Balotelli macht derzeit keinen Unterschied

Aber der AC Mailand steckt in einer tiefen Krise. 2014 droht die erste Nicht-Teilnahme an der Champions League seit fünf Jahren. Im Sommer war der Aufschrei groß, als die Mannschaft nicht adäquat verstärkt und Ricardo Kaka als großer Transfer angepriesen wurde. Der 31-Jährige verletzte sich in seinem ersten Spiel und überzeugte auch nach der Rückkehr aufs Feld noch nicht gänzlich. Fast ein Monat ist der letzte Sieg der Rossoneri her, in der Königsklasse hat der siebenfache Titelträger nach zwei Remis' und einem Sieg zumindest das Weiterkommen noch in der eigenen Hand.

Ob gegen Barcelona nach der Pause, gegen Florenz, Lazio oder Parma: Balotelli macht derzeit nicht den Unterschied, den man von einem Spieler seiner Klasse erwarten würde. Hinzu kommen die ständigen Sperren – bereits nach zwölf Spieltagen verpasste der Star mit der Rückennummer 45 vier Liga-Partien gesperrt. Diese Spielpausen nehmen ihm den Fluss und den nötigen Rhythmus. Sein letzter Treffer für die Rossoneri ist über einen Monat her. Zuletzt vergab der bis dahin unfehlbare Elfmeterschütze sogar vom Punkt: Pepe Reina sorgte für das Ende der makellosen Statistik. Es muss endlich die Wende her – mal wieder...

Supermario gegen Deutschland gesetzt

Gegen Deutschland feierte Balotelli Mitte 2012 noch einen seiner bislang erfolgreichsten und glanzvollsten Momente. Beim 2:1 im EM-Halbfinale erzielte er beide Tore und avancierte zum absoluten Matchwinner. Anschließend bedankte er sich bei seiner Mama. Ein Bild, das auch in die EM-Geschichte einging; neben der Pose nach seinem Treffer zum 2:0, die sicherlich für mehr Aufsehen gesorgt hatte. Auch im Freundschaftsspiel in Mailand will Prandelli wieder auf seinen Youngster setzen: "Ich würde Balotelli und Rossi gerne gemeinsam auf dem Platz sehen", erklärte der Coach am Dienstag vor dem traditionsreichen Aufeinandertreffen. Der Angreifer vom AC Florenz liegt allerdings flach, wird nicht am Testspiel teilnehmen.

Und doch darf mit einem Sturmduo aus Balotelli und Rossi bei der WM 2014 gerechnet werden. Bereits vor der Euro 2012 hatte Prandelli eben von diesen beiden Akteuren geschwärmt und erklärt, es handle sich um das zukünftige Sturmduo der italienischen Nationalelf. Giuseppe Rossi aber erlitt seinen zweiten Kreuzbandriss binnen zwölf Monaten und verpasste das Turnier in Polen und der Ukraine kurzfristig. Auch wenn sie nicht im Verein zusammenspielen, so ist diese Konstellation derzeit durchaus die wahrscheinlichste im Hinblick auf das Sommerturnier in Brasilien. Stephan El Shaarawy und Balotelli bilden zwar bei Milan ein Duo, unter Prandelli kommt der 21-Jährige aus Savona aber noch nicht zum Zug.

Nach Löw "einer der Besten" – nicht auf dem Papier

Prandelli vertraut seit rund zwei Jahren voll auf Balotelli, führt den Youngster aber auch mit harter Hand und hat ihn bereits in Partien außen vor gelassen, nachdem dieser sich Ausreißer geleistet hatte. Auch beim deutschen Nationaltrainer Joachim Löw hat der Stürmer einen guten Stand: "Er ist einer der Besten der Welt", machte Löw auf der Pressekonferenz vor dem Kracher deutlich.

Auf dem Papier ist er das derzeit jedoch nicht. Die Besten der Welt erzielen in ihren Wettbewerben alle 50 bis 150 Minuten ein Tor – es sind Robert Lewandowski, Diego Costa, Kun Agüero und natürlich Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Zlatan Ibrahimovic. Auch die Italiener Rossi (81 Minuten), Alessio Cerci (118 Minuten) und derzeit der 19-jährige Domenico Berardi von US Sassuolo (94 Minuten) liegen in der Serie A in dieser Statistik, die auf der Bank und im Lazarett verbrachte Zeit außen vor lässt, weit vor Balotelli (197 Minuten). Sie wären die möglichen Alternativen, sollte sich Mario nicht fangen...

Auch für Totti ist der Zug nicht abgefahren

Auch Francesco Totti blüht derzeit auf, wäre aber nicht der Stoßstürmer, den Prandelli sich auf dieser Position wünschen würde. Der 37-jährige Superstar vom Tabellenführer AS Rom ist eher als Alternative für Rossi neben Balotelli zu sehen. Dass Totti eine Chance auf die WM 2014 hat, wurde von Prandelli bereits bestätigt: "Stünden wir jetzt unmittelbar vor der WM, wäre er in der Mannschaft." Schon bei der Euro 2012 war mit Antonio Di Natale ein Oldie dabei, der in der Qualifikation und der Vorbereitung zuvor kaum eine Rolle gespielt hatte.

Im Angriff hat Italien derzeit die wohl geringsten Probleme. Lorenzo Insigne und Stephan El Shaarawy hoffen auf ihre Einsätze, während Oldie Totti groß aufspielt und beiden im Hinblick auf Brasilien auf die Pelle rückt. Außerdem spielen sich die bereits genannten Rossi, Berardi und Cerci in den Vordergrund. Balotelli mag für die WM 2014 noch viel Kredit haben und ist wohl ein sicherer Kandidat für die die Reise nach Südamerika: Setzt er sich aber auch weiter nicht in Szene, könnte sein Platz in der ersten Elf bei dieser Konkurrenz ernsthaft in Gefahr geraten. Eins ist aber auch klar: Bislang hat er nach den härtesten Rückschlägen noch zurück in die Spur gefunden.

Zukunftsmusik: Was macht der AC Mailand?

Entscheidend ist hierbei vor allem die Zukunft Milans und die Leistung des italienischen Nationalstürmers für seinen Verein. Die Zusammenarbeit mit Allegri hatte zuletzt keine Früchte getragen. Es scheint sogar, als hätten beide kein gutes Verhältnis zueinander, während der italienische Coach bei der Vereinsführung ohnehin kein gutes Standing mehr hat. Die Zukunft von Balotelli bei Milan und in der Nationalelf hängt also möglicherweise auch von der Trainerwahl ab. Doch das ist noch Zukunftsmusik, während aktuell die volle Konzentration auf den anstehenden Länderspielen liegt und liegen sollte.

Die Systemfrage unter Prandelli

Bereits zu Beginn seiner Amtszeit als Nationaltrainer hat Prandelli immer wieder deutlich gemacht, dass er gerne im 4-3-3 spielen würde – so offensiv wie Barcelona oder Spanien. Allerdings hat der Coach auch immer wieder beteuert, ihm stünde hierzu nicht das nötige Spielermaterial zur Verfügung. Mit Cerci, El Shaarawy und einer möglichen Berufung von Totti könnte sich das ändern. Die Roma macht es derzeit in der Serie A als Tabellenführer vor.

 

Aber auch und vor allem in einem 4-3-3 wäre Balotelli erste Wahl, sollte Prandelli sich nicht urplötzlich für den Einsatz einer "falschen Neun" entscheiden. Es führt derzeit also an Supermario kein Weg vorbei. Nur die Akteure an seiner Seite können variieren, solange er der beste Stürmer Italiens bleibt. Dazu braucht es nicht etwa einen Aufpasser, den Verzicht auf Villa, Ferrari oder Irokesen, wie die bislang unbestätigten Gerüchte der Gazzetta dello Sport es glauben lassen wollen. Nein, dazu braucht es nur etwas Arbeit und einen kleinen Anstoß – eventuell gegen Deutschland, wie vor rund 17 Monaten...

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