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Bayer Leverkusen: Last-Minute-Sieg für Herz, Kopf und Punktekonto

Bayer rettet den Dreier fulminant und auf den letzten Drücker, aber erhofft sich von dem Sieg insbesondere das Selbstvertrauen, das in der zweiten Hälfte gegen die Basken fehlte.

Aus der BayArena berichtet John C. Brandi

Leverkusen.
Nach Abpfiff in der Mixed Zone: Draußen hatte Jens Hegeler Bayer Leverkusen gerade in der Nachspielzeit zum 2:1-Sieg gegen Real Sociedad geschossen, die Spieler waren noch beim "Humba" mit den Fans. Drinnen jedoch kam der neue Geschäftsführer Michael Schade sichtlich mitgenommen an den wartenden Pressvertretern vorbei und stöhnte: "Wenn ich solche Spiele öfter erlebe, muss ich in Frühpension gehen! Die zweite Hälfte!"

In der Tat: Nach starkem Auftakt und der verdienten Führung durch Simon Rolfes mit dem Pausenpfiff zeigte der Strafstoß und folgende Ausgleich für Sociedad gleich nach Wiederbeginn Wirkung. Danach verlor Bayer dann immer mehr den Faden und ermunterte die bis dato eher harmlosen Gäste aus San Sebastian geradezu, hier an einen Erfolg zu glauben.

Leno plötzlich gefragt

Fehler im Abspiel häuften sich, so dass Bernd Leno immer öfter gefragt war und mehrfach zu Glanztaten gezwungen wurde. Eine Phase, die der bärenstarke Kapitän und Torschütze Simon Rolfes später so kommentierte: "Wir haben zu schnell gespielt, haben versucht, Situationen zu erzwingen, das hat uns nicht gut getan – so lädt man eine derart passstarke Mannschaft natürlich ein."

Diese Einladung schlug Real Sociedad letztlich aus: Mindestens drei bis vier richtig gute Gelegenheiten zur Führung ließen die Basken liegen und hielten so die Partie bis zum Ende absolut offen – offen für ein Happy End aus Leverkusener Sicht, mit dem nach dem Spielverlauf vielleicht nicht jeder mehr gerechnet hatte.

"Ein Riesengefühl"

Das Erfolgserlebnis kam dann wie schon in Hälfte eins in der Nachspielzeit. Es blieb Jens Hegeler vorbehalten, in seiner ersten Champions-League-Partie die Entscheidung per Traumfreistoß in den Winkel herbeizuführen: "Ein Riesengefühl. Wenn man so spät reinkommt und dann das Tor in der 90. macht, ist das natürlich überragend", so der 25-Jährige, der zuletzt noch mit Muskelproblemen ausgefallen war. Hegeler war anzumerken, dass er brannte – die ersten Aktionen nach seiner Einwechslung für Sam saßen direkt: Er leitete mit herrlichem Pass die Chance von Kruse in der Schlussphase ein, am Ende war sein Wille auch beim entscheidenden Standard mit Händen zu greifen.

Damit vergoldete der Spitzenklub der Bundesliga doch noch ein Spiel, in dem man sich im Verlauf beinahe um den Lohn gebracht hätte. So stark und hungrig die Werkself begann, so sehr ebbte die Dominanz ab. Zu wenig kaltschnäuzig wirkte Bayer nach dem Ausgleich, zu harmlos war das Spiel über Außen, insbesondere kamen kaum Bälle, mit denen Kießling etwas anfangen konnte, der über weite Strecken aus Mangel an Vorarbeit selten Akzente setzte. 

"Man hat schon gemerkt, dass nach der Halbzeit der eine oder andere vielleicht zu viel überlegt hat – und das gibt jetzt Selbstvertrauen, auch auf dem Platz", sinnierte Rolfes über die mögliche Wirkung des späten Erfolges. Dieses Vertrauen in die eigene Stärke wird Leverkusen sicherlich für die nächsten großen Aufgaben daheim brauchen: Am Samstag kommen die Bayern, danach gilt es am 23. Oktober in der Königsklasse gegen Donetsk nachzulegen.

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