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Wöchentlich nehme ich die Geschehnisse rund um Borussia Mönchengladbach aufs Korn. Was tut sich im Borussia-Park, wo zwickt es? Meine befangene Meinung findet ihr hier.

KOLUMNE

Von Gregor Becker

Mönchengladbach. Die große Öffentlichkeit ist Patrick Herrmanns Sache nicht. Doch neben der Personalie Luuk de Jong wird beim Anhang von Borussia Mönchengladbach der Name des 22-Jährigen am häufigsten diskutiert. Bei Lucien Favre ist er zwar gesetzt, brachte sich mit einem Tor und zwei Vorlagen als wichtiger Part der "Fantastischen Vier" in des Trainers System ein. Seine bisherigen Leistungen überzeugten aber nicht jeden rund um den BORUSSIA-PARK.

Nachdem Herrmann beim Pokal-Aus in Darmstadt noch pausieren musste, durfte er in allen sechs Bundesligaspielen von Beginn an ran, wurde jedoch auch ebenso oft ausgewechselt. Bei seinem 100. Ligaspiel gegen Werder Bremen beschenkte sich der Flügelflitzer mit dem Treffer zum 4:1-Endstand selbst und zeigte dabei genau jene Attribute, die ihn so stark machen.

Herrmann ist kein Reus – und das ist auch gut so

Einen schicken Pass von Max Kruse aufgenommen, startete er durch, umkurvte Bremens herauseilenden Keeper Sebastian Mielitz und schob den Ball locker ein. Genau so wollen die Borussia-Fans Flaco häufiger sehen. Viele vergessen dabei, dass er trotz seiner zahlreichen Einsätze noch mitten in der Entwicklung steckt und vor allem eines nicht ist: der neue Marco Reus.

Flaco beschenkte sich bei seinem 100. Bundesligaspiel mit einem Tor

Herrmann ist inzwischen 102 Mal in der höchsten deutschen Spielklasse aufgelaufen und verzeichnete dabei satte 37 Torbeteiligungen, rückte in den Fokus der Nationalmannschaft und stand im letzten Sommer bei der falschen Borussia aus Dortmund auf dem Zettel. Davor muss man den Hut ziehen, und ihm die gerade in dieser Spielzeit abgehende Konstanz auch mal verzeihen.

Nach dem Abgang von Reus wünschten sich viele Fans Herrmann in dessen Rolle, was angesichts der völlig anderen Spielanlage absurd ist. Nicht jedes junge Fohlen reift überdies in Rekordgeschwindigkeit zum Weltklassespieler. Dennoch ist Herrmann auch ohne Topform ein wichtiger Bestandteil der Startelf.

Favres System funktioniert ohne Herrmann nicht

Warum, kann ich schnell erklären: Lucien Favre hat sein System in dieser Saison verfeinert. Der Fokus liegt  auf einer Offensive, die durch das umtriebige Tauschen der Positionen und technisch versiertes Kurzpassspiel geprägt ist. Und damit stellt sich das Team von selbst auf.

Luuk de Jong scheint nach Favres Fasson nicht passend. Branimir Hrgota wird oft für Flaco eingewechselt, ist aber ein klassischer Mittelstürmer und auf Rechts verloren. Amin Younes ist zwar ambitioniert aber eher ein Mann für die linke Seite. Bleibt Patrick Herrmann für den rechten Flügel.

Natürlich macht der Junge nicht alles richtig. Abschlüsse, letzter Pass oder seine nicht immer gewährleistete Abstimmung mit den Kollegen treiben einem manchmal die Sorgenfalten auf die Stirn. Dennoch behaupte ich, dass Favre mit seinem System ohne Herrmann und mit einer der genannten Alternativen Probleme bekäme.

Patrick Herrmann half auch gegen Braunschweig hinten aus

Unpopuläre taktische Disziplin und Defensivarbeit

Denn mit seiner Schnelligkeit bindet Flaco häufig zwei oder drei Gegenspieler und schafft dadurch Räume für Kruse, Raffael und Co. Ohne dafür die Meriten zu ernten, versteht sich. Denn das ist unpopulär, musste "Räume schaffen" respektive "Lücken reißen" doch schon zu oft als Arbeitsnachweis für Stürmer herhalten, die das Tor nicht treffen.

Taktische Disziplin prägt auch seine mehr als ordentliche Defensivarbeit. Er geht weite Wege, unterstützt seine Sechser und vor allem Rechtsverteidiger Tony Jantschke. Das ist eben "nur" pure Arbeit und nicht der Glanz eines Reus', aber für den Mannschaftserfolg ist das trotzdem unabdingbar.

Weiter mit Herrmann

Favre kann Herrmann nur in der Mannschaft lassen, da das ballbesitzorientierte Kurzpassspiel bei allen Luft nach oben hat und deshalb auch mit den Protagonisten unter Wettkampfbedingungen wieder und wieder einstudiert werden muss.

Wartete man in der letzten Saison bei einer kränkelnden Offensive noch ständig auf geniale Momente von Herrmann, so wurde dem Flügelspieler mit der Verpflichtung von Raffael und Kruse Last von den Schultern genommen. Er kann nun im Schatten der neuen Hauptdarsteller den nächsten Entwicklungsschritt machen.

Bessere Flanken und Abschlüsse kommen von ganz alleine. Und wenn Gladbach schon ein durchschnittlicher Herrmann weiterhilft, wie sieht es dann aus, wenn er sich in Topform befindet?

Schwarzweißgrüne Grüße

Euer

Gregor Becker

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