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Wöchentlich nehme ich die Geschehnisse rund um Borussia Mönchengladbach aufs Korn. Was tut sich im BORUSSIA-PARK, was geht ab? Meine befangene Meinung findet ihr hier.

Mönchengladbach. Als gebeutelter Fan von Borussia Mönchengladbach ist man ja so einiges gewohnt. Und so hat man aufgrund der Entwicklung des Vereins seit Jahrzehnten einen berechtigten und immer wiederkehrenden Anlass ordentlich zu meckern. Auch ich habe in dieser Saison schon ordentlich Kritik geübt und wollte deshalb eigentlich einen Gang zurückschalten, doch was müssen meine ob der schwachen Vorstellung unserer Fohlen beim VfB Stuttgart immer noch entzündeten Augen denn da lesen? Lucien Favre dreht den Spieß einmal mehr um, schimpft auf die treuen Borussen-Anhänger und lobt zurückliegende eigene Leistungen.

Diagnose: Alzheimer

So wird der Trainer im Express dünnhäutig zitiert: „Ich habe das Gefühl, dass einige Leute vergessen haben, wo wir herkommen und wo wir noch vor zweieinhalb Jahren waren. Einige Leute haben Alzheimer - ich nicht.“ Da der Schweizer selbst die Kritik unseres äußerst erfahrenen Vorstandes Rainer Bonhof mehr oder weniger unreflektiert an sich abprallen lässt, wird er auf die Meinung der Anhängerschaft natürlich noch weniger geben. Allerdings kann man diese dann einfach mal unkommentiert stehen lassen. Dass Favre jetzt zum Gegenangriff übergeht und das sensible Thema einer unheilbaren Krankheit bemüht, um die Fans zu beleidigen, geht mir dann doch etwas zu weit.

Pfiffe haben immer eine Ursache

Ich gestehe unserem Chefcoach gerne zu, dass dieser sich noch mehr über die schwachen Auftritte der Borussia aufregt als der geneigte Zuschauer, muss er das Elend doch tagtäglich im Training ertragen. Das gibt ihm jedoch nicht das Recht auf solche Verbalinjurien und lässt ihn als dünnhäutig und schwächlich dastehen, was der Verein neben der aufkommenden Unruhe am allerwenigsten gebrauchen kann. Zudem könnte sich Favre auch mal Gedanken machen, warum die Pfiffe im Stadion kommen und ob sie möglicherweise auch mit seiner mangelnden Flexibilität zu tun haben, die dafür sorgt, dass Potenzial brachliegt und die Mannschaft zu solchen Auftritten mit veranlasst.

Ich bin zwar kein Freund davon, wenn die Zuschauer im BORUSSIA-PARK bereits in der Frühphase eines Spiels ihren Unmut laut kundtun und halte dieses Verhalten für kontraproduktiv, verständlich ist es jedoch allemal. Wie die Spieler haben eben auch die Zuschauer nicht immer ihre Nerven im Griff. Dabei hat sicher keiner vergessen, woher wir kommen, es geht aber dennoch mehr um die Gegenwart als um die Vergangenheit. Außerdem kommen wir auch aus den noch erfolgreichen Siebzigern, doch dafür können wir uns heute ebenfalls nichts kaufen. Aktuell kann man allenfalls euphemistisch davon sprechen, dass rund um die Mannschaft Stillstand herrscht, vielmehr scheint sich das Team eher zurück zu entwickeln und das macht uns natürlich Angst.

Woran liegt es, Herr Favre?

Vielleicht würde es die Fanseele beruhigen, wenn Lucien Favre mal erklärt, warum seine Team Attribute wie Mut, Willen und Spielwitz seit Wochen vermissen lässt und wie er diesen Malus im Training zu beheben gedenkt? Das trägt sicher mehr zu einem gepflegten Miteinander bei als Beschimpfungen und persönliche Eitelkeiten. Wenn ich des Trainers Marschroute vernehme, dass man sich nun noch besser auf die Spiele konzentrieren müsse, frage ich mich doch, woher dieser überhaupt die Zeit nimmt, sich mit Nebenkriegsschauplätzen zu beschäftigen.

Die Fans werden schon verzeihen

Jedenfalls hat sich Favre mit seinen Äußerungen keinen Gefallen getan und wir dürfen gespannt sein, wie am Freitag die Stimmung im Stadion sein wird. Gegen den FC Augsburg müssen ohne Wenn und Aber drei Punkte eingefahren werden. Bei der momentanen Form unserer Borussia ist das natürlich kein Selbstläufer, da sich der Abstiegskandidat zuletzt deutlich kompakter und dabei ansehnlicher als die Borussia präsentiert hat.

Und auch wenn sie am Erinnerungsvermögen der Borussenfans zweifeln, Herr Favre, die zurückliegende Europatour hat mit Sicherheit keiner vergessen und genau aus diesem Grund wollen wir da auch alle wieder hin. Wenn sich die Mannschaft am 30. Spieltag nur etwas ansehnlicher und mit erkennbarem Willen präsentiert, dann wird es auch wieder was mit der bedingungslosen Unterstützung, die ohnehin zur Borussia gehört wie die Fohlen auf die Wiese.

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EURE MEINUNG: Ist Lucien Favre mit seinen Äußerungen über das Ziel hinaus geschossen?

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