thumbnail Hallo,

Wöchentlich nehme ich die Geschehnisse rund um Borussia Mönchengladbach aufs Korn. Was tut sich im BORUSSIA-PARK, wo zwickt es? Meine befangene Meinung findet ihr hier.

Mönchengladbach. Schade! Gegen den 1. FC Nürnberg war für Borussia Mönchengladbach der Big Point möglich, doch die samstägliche Steilvorlage von nahezu allen Bundesligaklubs, die um die internationalen Plätze kämpfen, wurde nicht genutzt. Dank des von mir eigentlich geschätzten Schiedsrichters Florian Meyer, der sich in dieser Situation angeblich zu sicher war, um auf den Trichter zu kommen mal beim Spieler nachzufragen und dank des Betrügers Mike Frantz, dessen Schwalbe aus meiner Sicht nicht mal oscarreif war, sondern eher die „goldene Himbeere“ für eine besonders schlechte schauspielerische Darbietung verdient hätte.

Doch darin ist die Niederlage natürlich nicht alleine begründet und im Prinzip sind die Ereignisse des 20. Bundesligaspieltages auch schon wieder obsolet. Es steht uns ohnehin nicht gut zu Gesicht, über schwache Schiedsrichterleistungen zu lamentieren, oder uns über Spieler zu mokieren, die den Fair-Play-Gedanken mit Füßen treten.

Der „falsche“ de Jong

Eines bleibt jedoch wie zuvor: Luuk de Jong wird zu wenig und zu schlecht ins Spiel gebracht. Dabei hat der Niederländer gegen die Franken eigentlich eine feine Partie absolviert und mehr Ballkontakte als sonst. Doch Favre muss sich fragen lassen, ob eine Umschulung von Angreifer auf Mittelfeldspieler tatsächlich der Weisheit letzter Schluss ist. Oder hängt dies mit einer veränderten Frustrationstoleranz zusammen, die unseren Topstürmer in Ermangelung verwertbarer Zuspiele immer wieder tief zurück ins Mittelfeld treibt, um dort nach dem Ball zu suchen? Ich glaube nicht. Und es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn sich das Hanke-Reus-System so einfach auf de Jong und Herrmann übertragen gelassen hätte. Dass dies nur leidlich funktioniert und Luuks Torgefahr verpuffen lässt, hätte ich Ihnen auch vorher schon sagen können, Herr Favre.

Luuk de Jong: Weniger Meter - mehr Tore

Ab in die Box, Luuk!

De Jong hat sich ja gut geschlagen, viele Kilometer gefressen, Bälle behauptet und verteilt, doch dafür musste er seinen Hauptarbeitsplatz vernachlässigen, der sich doch größtenteils im Strafraum befinden sollte. Was nutzt es, wenn er die Kugel 40 Meter vor dem Tor auf den Flügel passt und sich dafür dann entweder der kleine Herrmann oder gar niemand mit einer der wenigen Flanken auseinandersetzen muss, die dann eventuell mal nicht völlig unpräzise in die Box segeln? Was nutzt es, wenn Luuk sich so sehr in Mittelfeldzweikämpfen aufreibt, dass ihm aus dem Lauf heraus später die Luft und damit die Konzentration fehlt, um das Spielgerät beim Torabschluss gescheit zu platzieren? Was nutzt es, wenn Herrmann zum zehnten Mal hintereinander in eine Abwehrwand läuft und man ihm beim Schwinden der Kräfte Minute für Minute zusehen kann? Dies sind doch die Fragen, die man sich als normaler Fußballfan stellt, oder?

Tiki-Taka? Kein Bedarf!

Es ist ja nicht so, dass man mit dem oben beschriebenen Szenario nicht auch zum Erfolg kommen könnte, doch dafür sollte eher der Überraschungsmoment herhalten und nicht ein immer wiederkehrendes und dabei starres System, auf das sich selbst jede Thekentruppe innerhalb kürzester Zeit einstellen kann. Und so erinnere ich mich an den Trainingsauftakt im Sommer, als Lucien Favre so beseelt vom spanischen Tiki-Taka bei der Europameisterschaft war, dass er den Weg in die Katakomben des BORUSSIA-PARKS nicht mehr gefunden hatte. Die Begeisterung unseres Übungsleiters für den filigranen Fußball der Iberer trieb mir damals den Angstschweiß auf die Stirn, da ich mir bereits ausmalte, dass wir nun ungeachtet eines völlig neuen Kaders jenen Stil plagiieren. Ansätze waren ja in der letzten Saison durchaus vorhanden, es gab Spielzüge zum Zungeschnalzen, aber am Niederrhein ist doch keiner so größenwahnsinnig diesen Hurra-Stil mit dem jetzt vorhandenem Spielermaterial zu fordern.

Schnell, schneller, Patrick Herrmann

Üben, üben, üben

Dabei gefällt mir ja grundsätzlich, dass Favre nach seinem Amtsantritt schnell dafür sorgte, dass sich die Ballbesitzzeiten der Spieler deutlich verringerten, was dann auch zu einem fixen Umschalten und insgesamt zu einem ordentlichen Match-Tempo führte. Nun sehe ich aber genau da das Problem: Vor allem das Mittelfeld versucht schnell zu kombinieren und leistet sich zahlreiche Abspielfehler. Das bringt Gegentore und verhindert eigene Einschussmöglichkeiten. Deshalb sollten zukünftige Trainingseinheiten von Passübungen und Flanken dominiert werden. In der gegnerischen Hälfte muss der Ball dann entweder steil oder auf die Flügel gespielt werden. Dann reibt sich Luuk de Jong auch nicht so auf und kann im Strafraum seinem eigentlichen Job nachgehen: Dem Tore schießen!

Danke Max!

Abschließend möchte ich unserem Sportdirektor danken, der die sicher nicht einfachen Verhandlungen mit Amin Younes zu Ende gebracht und dessen Vertrag jetzt bis 2016 verlängert hat. Wie Max Eberl dies erreicht hat und vor allem, welche Perspektive man dem Burschen jetzt plötzlich aufzeigen konnte, bleibt mir allerdings ein Rätsel. Schaffte es Younes gegen Düsseldorf noch in den Kader, so war es gegen Nürnberg dann wieder Essig damit. Aber wir werden sehen, mein Glaube an ihn ist jedenfalls ungebrochen.

Schwarzweißgrüne Grüße

Euer

Gregor Becker

EURE MEINUNG: Wie wird Luuk de Jong bei der Borussia am besten eingesetzt?

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