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Wöchentlich nehme ich die Geschehnisse rund um Borussia Mönchengladbach aufs Korn. Was tut sich im BORUSSIA-PARK, wo zwickt es? Meine befangene Meinung findet ihr hier.

Mönchengladbach. Still ruht der See am Niederrhein. Deshalb sei unserem Sportdirektor einmal mehr ein großes Kompliment ausgesprochen. Denn die Zeiten hektischer Betriebsamkeit bis hin zu verzweifelten Jahresendaktivitäten, Panikkäufen und nahezu dramatischen Umwälzungen in der Winterpause scheinen bei Borussia Mönchengladbach nun endgültig der Vergangenheit anzugehören. In den letzten Januartransferfenstern gelang es Max Eberl jeweils mit wichtigen Neueinkäufen eine Feinjustierung vorzunehmen, die dazu führte, dass man die Saisonziele nicht aus den Augen verlor - im Januar 2013 ist nicht einmal das mehr notwendig. Der Manager konnte sich um das vorhandene Personal kümmern und Tony Jantschke, Patrick Herrmann, Havard Nordtveit und vor allem Martin Stranzl mit neuen Arbeitspapieren beglücken.

Rangelei um die Stammplätze in Dubai

Zwar vermag sich Eberl angesichts der notwendigen Vertragsverhandlungen mit Thorben Marx, Mike Hanke sowie den Youngsters Julian Korb und Amin Younes nun nicht zurücklehnen, doch im noch bis zum zwölften Januar dauernden Trainingslager in Dubai ist nun vor allem Lucien Favre gefragt, der die Fohlen auf die Rückrunde einschwören muss. Dabei wird in der Wüste neben den obligatorischen Konditions-, Kraft- und Stabilisationsübungen natürlich die Arbeit mit dem Ball im Vordergrund stehen. Die Stimmung ist prächtig am Persischen Golf und es herrschen optimale Bedingungen für die Kicker, die sich in die Formation spielen wollen, die am 19. Januar in Sinsheim für einen guten Rückrundenstart gegen die TSG Hoffenheim sorgen soll. Auch wenn der Trainer in der Vergangenheit auf eine eingespielte Mannschaft setzte und abgesehen von einigen Partien in der Europa League selten rotierte, sollte es doch einige Duelle um die Stammplätze geben.

Will wieder ran: Kapitän Filip Daems

Oscar Wendt vs Filip Daems

Borussias Kapitän hat seit seiner Verpflichtung im Januar 2005 viele Trainer kommen und gehen sehen, blieb dabei selbst immer eine feste Größe in der Gladbacher Abwehr. Doch die Vorzeichen haben sich geändert. Filip Daems stand an den ersten neun Spieltagen noch über jeweils neunzig Minuten auf dem Platz, musste jedoch anschließend mit einer Adduktorenverletzung bis zur Winterpause passen.

Für ihn sprang Oscar Wendt in die Bresche. Der Schwede, im Sommer 2011 ablösefrei vom FC Kopenhagen gekommen und ohnehin als Nachfolger des Belgiers auf der Linksverteidigerposition gedacht, macht nach einem unbefriedigenden ersten Jahr nun ordentlich Druck auf Daems und gilt als einer der Protagonisten des Aufschwungs der Borussia im zweiten Teil der Hinrunde. Wendt hat gegenüber dem mit 34 Jahren erfahreneren Daems einen Trumpf im Ärmel. Wenn Favre im Angriff verstärkt Luuk de Jong ins Spiel bringen will, dann kann er eigentlich kaum auf die Offensivstärke des 27-Jährigen verzichten. Setzt der Trainer also auf Wendts Dynamik oder auf Daems Routine in der Defensive? Kann der Belgier nach seiner hartnäckigen Verletzung überhaupt wieder zu seiner alten Form finden? Fragen über Fragen.

Muss seinen Stammplatz verteidigen: Lukas Rupp

Besetzung der rechten Außenbahn

Kann der bisherige Aufsteiger der Saison, Lukas Rupp, seinen Platz im rechten Mittelfeld behaupten? Der Coach ist mit der Entwicklung des Talents durchaus zufrieden. Als Fan erfreut man sich an der taktischen Disziplin des 22-Jährigen, hofft aber auch, dass „Ruppinho“ häufiger mit Vorlagen aufwartet und vor dem Tor selbst mehr Gefahr ausstrahlt. Im Nacken sitzt ihm wohl vor allem Alexander Ring, der auf dieser Position bereits häufiger zum Einsatz kam und zu Saisonbeginn die Nase auch noch vorne hatte. Der Leihvertrag des Finnen läuft im Sommer aus, deshalb wird er in Dubai besonders Gas geben müssen, will er sich Hoffnungen auf eine Weiterbeschäftigung machen. Ein weiterer Konkurrent im Kampf um den Platz im rechten Mittelfeld könnte auch wieder Patrick Herrmann oder Branimir Hrogota werden, je nachdem wie sich Favre die Zusammensetzung seiner Sturmzentrale zukünftig vorstellt.

Wieder fit wie ein Turnschuh: Luuk de Jong

Wer stürmt neben Luuk de Jong?

Der Niederländer hat seine Verletzung längst überwunden und fühlt sich nach eigenen Angaben topfit. Luuk de Jong ist sicherlich mit dem größten Potenzial aller Angreifer ausgestattet, gilt zudem als Hoffnungsträger und sollte im Sturmzentrum gesetzt sein. Um den Platz neben ihm streiten sich mit Igor de Camargo, Mike Hanke, Peniel Mlapa, Patrick Herrmann und Branimir Hrgota gleich fünf Offensivspieler. Wer sich durchsetzen wird, ist noch nicht abzusehen, zumal sich Favre noch nicht entschieden zu haben scheint, ob neben de Jong ein zweiter Stürmer, ein „Neuneinhalber“ oder ein echter „Zehner“ auflaufen wird. Je nach System verschieben sich natürlich die Chancen der Kontrahenten merklich.

Was wird aus Granit Xhaka?

Auf der Doppelsechs sollte Havard Nordtveit nach einer anspruchsvollen Hinrunde gesetzt sein. Doch verteidigt auch der wieder erstarkte Thorben Marx seinen Platz an der Seite des Norwegers oder startet Granit Xhaka nun endlich durch? Nach eigenen Angaben habe ihm der Trainer noch kein Zeichen gegeben, wo er den so stehe, allerdings gibt sich der Schweizer weiterhin kämpferisch. „Ich wollte in der Hinrunde allen zeigen, dass ich kein Fehleinkauf bin. Ich habe mir zu viel Druck gemacht. Jetzt habe ich dazu alle Möglichkeiten, mich dem Trainer zu zeigen. Die Karten werden neu gemischt“, wird Xhaka im Express zitiert. Und der 20-Jährige lässt sich nicht hängen, erledigte zuletzt des Trainers Sondereinheiten akribisch, lässt sein Geld durch die Eltern verwalten und verzichtet gar auf eine Freundin, um sich ganz dem Fußball zu widmen. Wir dürfen also gespannt sein, ob der Schweizer Nationalspieler sein Potenzial in der Rückrunde tatsächlich entfalten kann. Möglicherweise nutzt aber auch Tolga Cigerci seine Außenseiterchance uns spielt sich im Trainingslager in den Vordergrund. Auch er ist ja auf Leihbasis bei der Borussia und kämpft um seine Weiterbeschäftigung ab nächsten Sommer.


Will in der Rückrunde angreifen: Granit Xhaka

Es ist also einiges im Gange bei der Borussia und wir dürfen gespannt sein, welche Mannschaft am 18. Spieltag im Kraichgau auflaufen wird. Unserem Trainer wünsche ich den Mut, auch mal auf Amin Younes zu setzen, sollte dieser in Dubai einen ähnlich starken Eindruck hinterlassen wie in den Trainingslagern zuvor. Dass der Youngster in der Bundesligahinrunde nicht eine einzige Minute zum Einsatz kam, erschließt sich mir nicht und ich hoffe, dass der Bursche nicht schon bald bei einem anderen Klub nach einer Perspektive sucht.

Schwarzweißgrüne Grüße

Euer

Gregor Becker

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