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Wöchentlich nehme ich die Geschehnisse rund um Borussia Mönchengladbach aufs Korn. Was tut sich im BORUSSIA-PARK, wo zwickt es? Meine befangene Meinung findet ihr hier.

Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach hat bereits vor dem Kick gegen den VfL Wolfsburg 24 Gegentreffer und damit exakt so viele wie in der gesamten letzten Spielzeit gefangen. Und wenn die Fohlen diese Marke notabene vor Beendigung der Hinrunde erreicht haben, findet sich natürlich der Torwart schnell im Fokus wieder. Selbstverständlich stehen dann auch sämtliche Boulevardblätter Gewehr bei Fuß, laden durch und schießen auf Marc-Andre ter Stegen, der eine dankbare Zielscheibe darstellt. „Vom Überflieger zum Fliegenfänger“ – eine einträgliche Schlagzeile, die sich wunderbar eine Saison lang mit Leben füllen lässt. Doch da haben die Medien die Rechnung ohne den 20-jährigen Mönchengladbacher gemacht. Da können sie sicher sein.

Aus Fehlern lernen

In Expertenkreisen ist man sich einig: Von einer richtigen Krise könne man nicht reden, Marc befände sich in einer Phase, die ganz normal für so einen jungen Torhüter sei, der sein Debüt übrigens erst vor gut eineinhalb Jahren bei der 5:1-Klatsche gegen den 1. FC Köln gefeiert hat und gerade mal 53 Bundesliga- plus zwei Relegationsspiele auf dem Buckel hat. Ich teile die Meinung der Fußball-Granden und Koryphäen vorbehaltlos und hoffe, dass sich auch im BORUSSIA-PARK rumspricht, dass der eine oder andere Fehler ter Stegens Entwicklung nicht unbedingt schaden müsse, sondern im Gegenteil sogar zu charakterbildenden Maßnahme gereiche.

Der Boulevard ist dankbar für Pfiffe

Beim wichtigen Erfolg gegen Limassol hatte unser Keeper vielleicht den einen oder anderen Wackler, blieb jedoch ohne Gegentor. Und anstatt die Ruhe zu bewahren, mischten sich zur Halbzeit zarte Pfiffe in die Hoffnung auf ein Weiterkommen in der Europa League. Dümmer geht’s nimmer. Ter Stegen klatschte auf dem Weg in die Kabine den Fans zu, hob den Daumen, die Bild-Zeitung machte Häme in der Gestik unserer Nummer eins aus, der Spieler dementierte dies, der Manager dementierte dies und dennoch wird die Unruhe aus dem Umfeld in die Mannschaft getragen. Die Rädchen des Geschäfts greifen perfekt ineinander. Anstatt sich also weiterhin vor den Karren des Boulevards spannen zu lassen, sollten wir alle ein Zeichen setzen und Marc in den nächsten Partien ganz besonders unterstützen. Ginge das?

Kopf hoch, Marc-Andre, auch wenn der Hals dreckig ist!

24 Gegentore - Horrorshow

Ich habe mir mal die Mühe gemacht und mich noch einmal mit allen 24 Gegentoren aus dieser Saison gegeißelt. Dabei musste ich tatsächlich feststellen, dass man Marc-Andre ter Stegen hier und da eine Mitschuld geben muss. Der Kopfball-Lop von Augsburgs Sascha Mölders in der fünften Minute des 13. Spieltags liegt mir dabei natürlich noch ganz besonders schwer im Magen und könnte uns auch zwei Punkte genommen haben.

In der Quintessenz kostete uns aber die schwache Defensivarbeit des gesamten Teams die meisten Zähler. Natürlich bin ich mit so einigen Auftritten der Mannschaft unzufrieden, aber ich bin mir auch sicher, dass alle wollen und wenn man die blanken Ergebnisse betrachtet, ist doch noch gar nichts passiert: In der Europa League werden die Fohlen überwintern, in der Bundesliga liegt man nach wie vor in Schlagdistanz zu den internationalen Plätzen und im Pokal kann man schon mal in der Verlängerung auswärts gegen einen Bundesligisten verlieren.

Rückhalt für den Rückhalt

Jedenfalls ist mir das Wort „Krise“ im Zusammenhang mit ter Stegen zu hoch gegriffen. Neben drei oder vier Treffern, die man ihm zuschreiben könnte, stimmen im Moment vor allem seine Abspiele nicht so besonders. Aber gut, mit einer ähnlichen Fehlpassquote versucht sich Roman Weidenfeller seit Jahren in die Nationalelf zu reden. Der hat auch keine Krise, da ist das Standard und somit völlig normal.

Auf der Linie: Uwe Kamps im August 1997

In vielen Torhüter-Statistiken mag Marc abgerutscht zu sein, dennoch bleibt er der Schlussmann, der die meisten Flanken in der Bundesliga abfängt. Dies scheint mir zumindest ein Indiz zu sein, dass Tortwarttrainer Uwe Kamps unschuldig am kleinen Leistungsloch unseres Keepers ist und schon gar nicht all unsere Torhüter schlecht macht, wie von einigen Borussen-Fans via Ferndiagnose angenommen. Denn Kamps klebte als aktiver Profi praktisch während seiner gesamten Karriere auf der Linie, scheint aber effektives Herauslaufen zumindest lehren zu können. Mögen auch einige von ter Stegens Faustabwehren kurios anmuten, so gibt er mir doch immer noch ein Sicherheitsgefühl, welches mir seit locker zwei Jahrzehnten bei etlichen seiner Vorgängern fremd war.

Also, alles wird gut, der 2:0-Erfolg über Wolfsburg war ein Schritt in die richtige Richtung, aber vergesst nicht, unserem Rückhalt auch weiterhin ein Rückhalt im Stadion zu sein.

Schwarzweißgrüne Grüße

Euer

Gregor Becker

EURE MEINUNG: Befindet sich Marc-Andre ter Stegen tatsächlich in einer handfesten Krise?

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