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Wöchentlich nehme ich die Geschehnisse rund um Borussia Mönchengladbach aufs Korn. Was tut sich im Borussia-Park, wo zwickt es? Meine befangene Meinung findet ihr hier.

Mönchengladbach. Gereicht der 4:2-Erfolg bei Greuther Fürth für Borussia Mönchengladbach nun endgültig zur Trendwende? Bringt ein Sieg gegen die früh dezimierten Franken tatsächlich die von uns allen erhoffte Kontinuität? Noch bin ich mir da nicht so sicher. Denn wir haben zum einen eine Partie gesehen, die weiterhin viele Fehler mit sich brachte und zum anderen muss man zehn Aufsteiger, die in der Bundesliga bislang noch keinen Heimsieg eingefahren haben, einfach schlagen. Hoffnung besteht jedoch ohne Zweifel. Vor allem, da die Praxis unserem Trainer Lucien Favre durchaus gezeigt hat, dass man mit wenigen Stellschrauben bei Taktik und Personal tatsächlich Punkte erringen kann.

Starke Mitte mit Herrmann

So muss einfach die Frage erlaubt sein, warum der Coach naheliegende Veränderungen nicht bereits zu Saisonbeginn eingeführt hat. Dass Patrick Herrmann von seiner Außenposition mit in die offensive Zentrale wandert, war für mich die logische Konsequenz aus dem Abgang von Marco Reus. Wenn man auf dem Transfermarkt schon keinen ähnlich quirligen Spielertyp findet, dann wähle ich doch den Kicker aus dem Kader, der am ehesten prädestiniert für die jetzt vakante Position im Zentrum ist. Nun hat das ja nach wenigen Versuchen geklappt und Herrmann dankte es uns mit einer blitzsauberen Partie, die ihm sein erstes Saisontor und eine Vorlage brachte. Deshalb ist es für mich unverständlich, wieso ein solcher Trainer-Fuchs diese Maßnahme erst so spät ergreifen konnte.

Was wird aus Luuk?

Zudem bereitet mir der Ausfall von Luuk de Jong gleich in doppelter Hinsicht Sorge. Gerade als er sich zunehmend an Tempo und Zweikampfhärte in der Bundesliga gewöhnte und bei ihm der Knoten zu platzen schien, verhinderte seine Kapselverletzung ein weiteres Fortkommen. Spiele gegen Düsseldorf, Freiburg oder auch Fürth wären für einen solchen Stürmertyp wie gemacht gewesen, um seine zweifellose vorhandene Torgefahr unter Beweis zu stellen. Auch in der Europa League wäre seine internationale Erfahrung wichtig gewesen – für ihn selbst und für die Mannschaft.

Doch nun fällt Luuk halt aus und es stellt sich die Frage, ob Lucien Favre seine verspätet begonnene „Integrationspolitik“ nun fortführt beziehungsweise fortführen kann. Denn es muss –und daran zweifele ich keine Sekunde- eine weitere Systemumstellung her. Ein zentraler Stürmer muss mit Flanken gefüttert werden und auch die Außenverteidiger müssen sich offensiv mehr einschalten und endlich häufiger bis zur Grundlinie durchziehen. Doch aktuell wird Favre vermutlich nicht im Traum daran denken etwas zu ändern, aber wieso auch, wenn de Jong ohnehin bis zur Weihnachten ausfällt.

Wettbewerb statt Winterpause

Der Knackpunkt ist die dabei natürlich die enorm kurze Winterpause. Nach dem letzten Ligaspiel gegen Bayern am 14. Dezember folgt ein kurzer Weihnachtsurlaub, bevor es dann zum Rückrundenauftakt am 19. Januar nach Sinsheim geht. Unterm Strich bleiben also etwa zwei Wochen, um Versäumtes nachzuholen. Eine ungewöhnliche lange Sommervorbereitung wurde nahezu verplempert und es wurde nicht geschafft sich personell einzuspielen, sowie ein System zu finden, in das sich die Neuzugänge, allen voran Luuk de Jong, integrieren lassen. Wie soll das nun im Winter gelingen? Ich weiß es jedenfalls nicht. Aber dann wird das wohl unter Wettbewerbsbedingungen gelingen müssen, was natürlich ungleich schwieriger aber nicht unmöglich sein wird.

Bienvenido Alvaro!

Doch will ich mich hier nicht in Larmoyanz üben, die ein findiger Kommentator der Borussia zuletzt als herausragendes Attribut anhängen wollte, sondern auch die positiven Entwicklungen hervorheben. So war es zwar kein großes Kunststück Alvaro Dominguez ohne Systemumstellung in der Innenverteidigung zu installieren, doch der 23-jährige Spanier hat sich nun Woche für Woche verbessert und strahlt inzwischen gar eine Torgefahr aus, von der Dante nur träumen kann. Ich empfehle Dominguez auf seinem Weg zum Abwehrchef lediglich mal beim Zeugwart vorbeizuschauen, um sich mit ihm über die richtige Länge der Stollen auseinanderzusetzen. Denn wenn man noch rummäkeln will, dann vielleicht, dass der gebürtige Madrilene sich mit den hiesigen Platzverhältnissen noch schwer tut und in nahezu jeder Partie ausrutscht, was –dem Fußballgott sei es gedankt- inzwischen jedoch nicht mehr zu Gegentoren führt.

Granit beißt auf Marx

Eine Lanze möchte ich dann noch für Thorben Marx brechen, der aus der Versenkung kam und mit seiner Erfahrung für mehr Stabilität im Defensivverhalten sorgt, viele Räume zuläuft und dabei von seinem Augenmaß profitiert. Dies führt mich allerdings auch zwangsläufig zu Granit Xhaka, für den es weiterhin schwer sein wird, denn seine möglichen Positionen sind von Herrmann, Nordtveit und eben Marx besetzt und scheinen im Moment in Stein gemeißelt. Eine weitere Korrektur des Systems, um für den Schweizer einen Platz zu schaffen, wird es sicher nicht geben. Also kann er nur über die Leistung kommen, was ich ihm angesichts seines für mich unbestrittenen Potenzials natürlich zeitnah wünsche. Also bitte weiter Hausaufgaben machen, denn die Bundesliga ist kein Kindergeburtstag, Granit.

Unterm Strich sehe ich für unsere Borussia aber eine positive Entwicklung und freue mich auf eine erfolgreiche Rückrunde in der Bundesliga und ein Weiterkommen im Europapokal. Alles ist möglich – das positive Denken kehrt zurück in den Borussia-Park. Aber bitte erst mal Stuttgart schlagen.

Schwarzweißgrüne Grüße

Euer

Gregor Becker

EURE MEINUNG: Muss Lucien Favre das System von Borussia Mönchengladbach weiter modifizieren, um Luuk de Jong effektiver einzusetzen?
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