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Wöchentlich nehme ich die Geschehnisse rund um Borussia Mönchengladbach aufs Korn. Was tut sich im Borussia-Park, wo zwickt es? Meine befangene Meinung findet ihr hier.

Mönchengladbach. Oh, Mann, was für eine schreckliche Woche für Borussia Mönchengladbach. Und da war der Auftakt mit dem mageren 0:0 in Limassol am Ende noch das Highlight gegenüber den teilweise hilflosen Auftritten gegen Bayer Leverkusen und dem Hamburger SV in der Bundesliga. Doch auch das Spiel in Zypern war letztlich kein Fanal der Hoffnung, aber das konnte es auch nicht – selbst dann nicht, wenn Oscar Wendt den Elfmeter noch zum Sieg verwandelt hätte.

Rotation ja - aber vorher muss die Stammelf gefunden werden

Das Thema Rotation war in den vergangenen Tagen ein viel Diskutiertes rund um den Borussia-Park und mir erschließt sich auch eine gewisse Logik, wenn man im Verlaufe der Saison den Leistungsträgern mal eine Pause gönnt. Vielleicht ist es sogar ein Muss. Allerdings frage ich mich, ob man nach zwei Champions League-Qualifikations-Spielen, einem Auftritt im Pokal und derer drei in der Bundesliga allen Ernstes bereits mit der Schonung anfangen muss. Kennt jemand die Eisenhower-Methode? Danach priorisiert man zu erledigende Aufgaben nach Dringlichkeit und Wichtigkeit. Wenn also unser Trainer Lucien Favre seit Wochen nicht müde wird, uns von einem „seriösen Problem“ zu erzählen, gleichzeitig beklagt, dass die Mannschaft noch nicht richtig eingespielt sei und sich die Neuen noch nicht komplett integriert hätten, wieso wird dann zu diesem frühen Zeitpunkt die Rotations-Maschine angeworfen? Muss sich die Mannschaft nicht dringend einspielen, bevor man  –ganz wichtig- rotiert?

Punkt in Limassol als Erfolg eines uneingespielten Teams

Die Fohlen haben sich gegen Limassol aus meiner Sicht gar nicht so schlecht geschlagen, bedenkt man, dass dies nicht nur der erste Auftritt in der Europa League war, sondern auch ein völlig zusammengewürfeltes und somit uneingespieltes Team auf dem Platz stand. Gerade auf Zypern war doch die Chance auf einen Auswärts-Dreier am günstigsten, was auch ein Schritt hin zum Überstehen der Gruppenphase gewesen wäre, wenn man die Heimspiele anschließend einigermaßen positiv gestaltete. Aber nein, wir fahren mit einer Rumpf-Truppe los und im Park üben sich Filip Daems, Juan Arango und Luuk de Jong einsam im „Einspielen“. Verstehe ich nicht. Gegen das krude auftretende Limassol hätten sich die drei Wettbewerbshärte holen und Luuk de Jong vielleicht sogar seine Trefferbilanz gegen nicht immer umsichtige Abwehrreihen aufpolieren können.

Stammformation muss her

In der Liga ist die Borussia trotz ihres beinahe servilen Auftretens gegen die Werkself und anschließend gegen die Hanseaten ja noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen, allerdings nur, was die zwei glücklichen Punkte betrifft. Insgesamt sind die Baustellen jedoch größer geworden und so wächst die Verunsicherung nicht nur auf den Rängen, sondern auch, und das wiegt viel schwerer, auf dem Platz. Aber wie sollen die Rädchen auch ineinandergreifen, wenn der Trainer immer noch keine Formation gefunden hat, der er uneingeschränkt das Vertrauen schenken kann? Es müssen nun schnellstens Automatismen her.

Wohin ist das kluge Defensivverhalten der letzten Saison?

Möglicherweise sollte Lucien Favre seinen Dreistufenplan noch einmal aus der Tasche holen, mit dem er die Fohlenelf zu Beginn seiner Amtszeit vor dem bitteren Gang in die zweite Liga bewahrte. Der sah ja damals vor, dass zunächst die Defensive stabilisiert, anschließend Umschalt- und Passspiel verfeinert und schließlich am Torabschluss gefeilt werden sollte, was dann ja auch prima geklappt hatte. Die Defensive, bezogen auf alle Mannschaftsteile, ist es auch, die mir die größten Sorgen bereitet. Da erwarte ich einfach, dass sich zwei Innenverteidiger miteinander einspielen, die Sechser mehr Druck auf den gegnerischen Aufbauspieler ausüben und besser verschieben, die Mannschaft bei Ballverlusten insgesamt schneller in die Rückwärtsbewegung kommt und sich vor allem nicht so dämlich bei Standardsituationen anstellt. Gerade bei Freistößen oder Ecken passt die Zuordnung eher selten, Bälle werden immer wieder in die Mitte geklärt und zu oft fehlt ein Spieler im Rückraum, der den Gegner darin hindert, einen Abpraller oder Querschläger zu einer Torgelegenheit umzumünzen.

E-Jugend-Fehler abstellen

Diese Fehler entsprechen dem kleinen Einmaleins des Fußballs und in der Regel arbeitet man bereits in der E-Jugend an der taktischen Ausrichtung bei gegnerischen Standards und genau deshalb will mir nicht in den Kopf, warum sich unsere Mannschaft da so ungeschickt anstellt. Diese Basics müssen erst einmal sitzen, bis man den nächsten Schritt macht und sich um Passspiel und Chancenverwertung kümmert.

Leider kommt da unser Gastspiel beim deutschen Meister am Samstag in Dortmund nicht eben recht, vielmehr wäre ein Heimspiel gegen eine Mannschaft ohne größere Ballbesitzambitionen vonnöten, denn das macht das Üben leichter. Nun gut. So ist das eben jetzt. Aber auch mit einer zu erwartenden Niederlage beim BVB bleibe ich einfach optimistisch, dass wir uns durch die Bundesliga-Hinrunde wurschtelnd immer mehr finden werden und sich in der Rückrunde ein ganz anderes Team zeigen wird. Die Voraussetzungen sind da, also sollten wir alle Ruhe bewahren und auf die Qualität der Mannschaft vertrauen. Ich mache das jetzt einfach mal so.

Schwarzweißgrüne Grüße

Euer

Gregor Becker

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