„Beckers Borussia“: Europa-Comeback - die Gegner im Check

Wöchentlich nehme ich die Geschehnisse rund um Borussia Mönchengladbach aufs Korn. Was tut sich im Borussia-Park, wo zwickt es? Meine befangene Meinung findet ihr hier.

Mönchengladbach. So, jetzt noch einmal schlafen und dann darauf hoffen, dass Borussia Mönchengladbach am Freitag in Nyon einen Gegner zugelost bekommt, der uns möglichst nicht daran hindert, in die Gruppenphase der Champions League einzuziehen. Doch, was ist eigentlich ein leichter Gegner? Laut Max Eberl gibt es den ohnehin nicht, dies erklärte er zumindest jüngst: „Alle Teams sind große Kaliber, einen Wunschgegner gibt es nicht. Wir lassen uns überraschen.“ Nehme ich die Aussagen des Sportdirektors oder unseres Trainers Lucien Favre häufig mit einem Schmunzeln zur Kenntnis, da ich diese für durchsichtige Tiefstapelei halte, so bin ich in diesem Fall mit unserem Erfolgsgespann einer Meinung. Wer sich nach 16 Jahren Absenz wieder auf die europäische Bühne tastet, der kann eigentlich kein Favorit sein – gegen wen auch immer. Zumal man die letzten Jahre mit zwei Abstiegen und geballter Erfolglosigkeit allenfalls euphemistisch als durchwachsen bezeichnen kann.

Brocken-Alarm

Die möglichen Kontrahenten sind also Spartak Moskau (Russland), SC Braga (Portugal), Dynamo Kiew (Ukraine), Panathinaikos Athen (Griechenland) und der FC Kopenhagen (Dänemark) und obwohl die beiden letztgenannten Gegner erst seit Mittwochabend feststehen, kann die natürlich jeder Borusse jetzt schon auswendig runterbeten. Der Respekt sollte vor allen Mannschaften gleich groß sein, obwohl der eine Name möglicherweise heller scheint als der andere. Aber unterm Strich kann ich nicht einschätzen, welches dieser Teams die größte Herausforderung für unsere Borussia darstellen könnte, da ich bezüglich der Vita dieser Klubs, deren Abschneiden in den heimischen Ligen und auf internationalem Parkett eindeutig Mut zur Lücke bewiesen habe. Wer hat sich wie verstärkt, welchen Nachwuchs-Hoffnungen muss am meisten beachten? Ich weiß es schlichtweg nicht und deshalb habe ich einfach mal nachgeschaut, um mir zumindest ein oberflächliches Bild zu verschaffen.

Spartak-Star Welliton

Spartak Moskau

Insgesamt 21 Mal russischer beziehungsweise sowjetischer Meister, dazu 13 Champions League- und fünf UEFA Cup-Teilnahmen. Nach drei Spieltagen führt der Klub die Tabelle in der russischen Premier Liga an, zuletzt verpasste man Kuranyi-Klub Dinamo zuhause eine ordentliche 4:0-Klatsche. Das Team ist mit einigen Hochkarätern gespickt und hat laut transfermarkt.de einen Marktwert von knapp 110 Millionen Euro.

SC Braga

Der portugiesische Tabellenzweite der letzten Saison hat laut transfermarkt.de mit knapp 85 Millionen Euro ebenfalls einen stattlichen Marktwert. Natürlich finden sich traditionell einige talentierte Brasilianer im Kader des Klubs, der national bislang einmal im Pokal erfolgreich war.

Dynamo Kiew

Die Ukrainer ließen sich in der letzten Saison um vier Punkte vom Dauerrivalen Donezk abhängen, finden sich aber nach vier Spieltagen der neuen Spielzeit bereits an der Spitze wieder. Der Marktwert der Truppe beträgt knapp 156 Millionen Euro, was vornehmlich an einigen auf dem Transfermarkt heiß begehrten brasilianischen Kickern liegt. Kiew hamsterte bereits eine Fülle nationaler Titel ein und ist auch in der Königsklasse mit sieben Teilnahmen zuletzt ein Dauergast geworden.

Panathinaikos Athen

Die Hauptstädter mussten Meister Olympiakos Piräus in der letzten Spielzeit deutlich ziehen lassen. Der Marktwert des Kaders ist mit 47,85 Millionrn eher gering – Europa-Erfahrung ist ebenfalls nur leidlich vorhanden.

FC Kopenhagen

Der Marktwert der Truppe beträgt laut transfermarkt.de lediglich etwa 28,25 millionen Euro, was möglicherweise auch daran liegt, dass einige Spieler wie Borusse Oscar Wendt vor der letzten Saison den Weg ins Ausland fanden. Kopenhagen verpasste überraschend die Meisterschaft, liegt in der aktuellen Spielzeit der Superligaen aber wieder auf Kurs.

Borussias Millionen-Kader

Gerade eben ist mir noch einmal bewusst geworden, dass die Borussia in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung genommen und mittlerweile auch einen Kader im Wert von fast 90 Millionen Euro hat. Da wird einem ja schwindelig.

Zugegeben, eine Beurteilung unserer potenziellen Gegner basierend auf einem Marktwert, der natürlich nicht einmal verbindlich ist, mag arg oberflächlich daher kommen. Dennoch wären Athen und Kopenhagen tatsächlich so etwas wie meine Wunschgegner. Moskau und Kiew hingegen halte ich nicht nur als Reiseziel für etwas unattraktiver, sondern auch für die stärksten potenziellen Kontrahenten – vor portugiesischen Mannschaften habe ich generell einen riesen Respekt.

Dabeisein ist alles

Auch wenn man unserer Borussia gewiss nicht böse sein kann, wenn sie die Gruppenphase der Königsklasse nicht erreicht, so sind wir doch so kurz davor in diesem Millionenspiel mitzumischen und deshalb will ich jetzt auch unbedingt in die Champions League. Noch bleibt es ein Traum, doch Verantwortliche, Mannschaft und vor allem die Fans werden noch einmal alles geben, damit sich die Fohlen bald mit Messi, Ronaldo und Co messen dürfen. Drücken wir also die Daumen, hoffen auf Kopenhagen oder Athen und freuen uns auf hoffentlich würdige Auftritte in den Qualifikations-Spielen.

Schwarzweißgrüne Grüße

Euer

Gregor Becker