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Wöchentlich nehme ich die Geschehnisse rund um Borussia Mönchengladbach aufs Korn. Was tut sich im Borussia-Park, wo zwickt es? Meine befangene Meinung findet ihr hier.

Mönchengladbach. Zum Trainingsauftakt von Borussia Mönchengladbach setzte sich Amin Younes bereits geschickt in Szene. Als Trainer Lucien Favre, noch ganz beseelt vom EM-Finale zwischen Spanien und Italien, vor der verschlossenen Kabinentür im Borussia-Park stand, half ihm der Deutsch-Libanese fix mit der richtigen Kombination aus und öffnete dem verblüfften Coach kurzerhand den Eingang zu den Katakomben. Doch nicht nur durch Kombinationen abseits des Rasens setzt sich Younes gekonnt in Szene, sondern noch mehr durch seine effektive und quirlige Spielweise auf der Spielwiese im Borussia-Park.

Eigengewächs Younes

Der gebürtige Düsseldorfer ist Sohn eines Libanesen und einer deutschen Mutter - und er ist ein echtes Borussen-Eigengewächs. Bereits im Jahr 2000 wechselte Younes als Bubi von der SG Unterrath in die Gladbacher Jugend, wo er anschließend sämtliche Mannschaften durchlief und schon seit jeher als großes Talent galt. Zudem spielte er auch in fast allen Jugend-Nationalmannschaften des DFB. Und wenn der Mittelfeldspieler nächste Woche seinen 19. Geburtstag feiert, dann hat er sich mit einem festen Platz in Borussias Profi-Kader bereits längst selbst beschenkt. In der Anhängerschaft gibt es nicht den geringsten Zweifel, dass wir in dieser Saison noch einiges von Younes hören werden. Denn der hat auch in der Vorbereitung wieder gezeigt, was für  ein fantastischer Fußballer er ist.

Systemumstellung für Younes?

Amin Younes wurde zuletzt eine große Ehre zuteil, denn Favre lobte den Straßenfußballer für seine Verhältnisse fast überschwänglich. „Amin ist sehr gut, er sorgt immer für Torgefahr, ist stark im Eins gegen Eins, kann vorne überall spielen“, wird der Trainer, von den Qualitäten seines Schützlings vollends überzeugt, in der Bild zitiert. Doch nicht nur das: Der sonst so „systemtreue“ Favre erwägt wegen des Mittelfeldspielers sogar eine taktische Umstellung in der Offensive und übt in Trainings und Testspielen mit dem 18-Jährigen als klassische Nummer zehn. Und wenn man sich am bisherigen Stand der Vorbereitung orientiert, scheint sich herauszukristallisieren, dass Igor de Camargo im „alten“ System neben dem gesetzten Luuk de Jong zum Saisonstart auflaufen könnte und Younes eben bei einer taktischen Umstellung tatsächlich die besten Chancen auf einen Startplatz hat.

Favre hatte ja Überraschungen angekündigt und so dürfen wir alle gespannt sein, ob die bisherige Bilderbuch-Karriere des 1,68- Meter großen Energiebündels weiter so rasant voranschreitet.

„Freundin“ Tolga

Geht es nach mir, spräche nichts gegen eine System-Variante, die sich an den Stärken des Juwels orientiert und so könnte Borussias Zahlenlotterie im Mittelfeld aussehen:

Nordtveit gibt den Sechser, Xhaka den Achter und Younes den Zehner, dazu Zauberfuß Arango auf links und Herrmann auf rechts. Möglicherweise findet sich auf einer zweiten Sechser-Position ja sogar Platz für Amins „Best Buddy“ Tolga Cigerci, den er letzte Woche bei einem Presse-Talk in Rottach-Egern noch als „meine beste Freundin“ bezeichnete. Gerne kann dieses System je nach Gegner auch gleich in der Champions League-Quali zur Anwendung kommen. Und wer weiß? Vielleicht macht Monsieur Favre ja mal einfach was Verrücktes. Denn –und da bin ich mir sicher- die Möglichkeit, dass Amin Favres „Tiki-Taka-Fußball“ gegen einen hochkarätigen internationalen Gegner umsetzen kann, halte ich für sehr wahrscheinlich. Mehr noch: Ich mache mir überhaupt keine Sorgen, weil Younes mit seiner Wendigkeit, seinen Dribblings und seinem präzisen Passspiel die Qualität in Borussias Mittelfeld deutlich erhöht.

Ob wir Fans uns auf einen neuen Marko Marin oder auf einen neuen Marco Reus freuen können? Ich weiß es nicht, aber ganz sicher können wir uns auf einen freuen: Amin Younes! Ich gehe jede Wette ein, dass wir den Burschen zur kommenden Saison in mindestens 25 Pflichtspielen auf dem Platz sehen. Wer hält dagegen? Vermutlich keiner…

Schwarzweißgrüne Grüße

Euer

Gregor Becker

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