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Wöchentlich nehme ich die Geschehnisse rund um Borussia Mönchengladbach aufs Korn. Was tut sich im Borussia-Park, wo zwickt es? Meine befangene Meinung findet ihr hier.

Mönchengladbach. Jetzt haben wir in den letzten Monaten fast täglich hören und lesen müssen, dass Borussia Mönchengladbach die Abgänge von Marco Reus, Dante und Roman Neustädter nicht eins zu eins ersetzen könne. Keinesfalls sogar! Auch Trainer Lucien Favre, neben Maxi Eberl unser ungekrönter König der Tiefstapelei, war sich zuletzt sicher: „Wir haben unseren Messi, unseren Xavi und unseren Piqué verloren.“ Ungeachtet der Tatsache, dass wir mit jenen Kickern eigentlich hätten deutscher Meister werden müssen, frage ich mich, ob man die drei verlorengegangenen „Weltfußballer“ nicht möglicherweise doch ersetzen kann oder gar bereits ersetzt hat.

Jetzt mal ehrlich, Freunde des gepflegten Flachpasses, ist das nicht irgendwie doch gelungen? Klar ist jedenfalls, dass keiner unserer Neuzugänge älter als 23 Jahre ist. Bis auf Mlapa fehlt natürlich auch allen die Bundeliga-Erfahrung. Und mit Sicherheit werden alle Zeit brauchen, bis sie den Fohlenstallgeruch vertragen oder sie sich an ein höheres Niveau gewöhnt haben. Unterm Strich sehe ich aber durchaus eine realistische Chance, dass wir Borussen innerhalb kürzester Zeit behaupten dürfen: Die Jungs haben unsere Abgänge eben doch eins zu eins ersetzt. Wenn man also  mal einen Vergleich anstellt und ein wenig Optimismus walten lässt, dann kann man durchaus dieser Meinung sein, wie ich nun beweisen werde.

Dominguez für Dante

Eines vorab: In die Fußstapfen des Publikumslieblings Dante wird Alvaro Dominguez nicht so schnell treten können. Vielleicht nicht gleich – vielleicht aber auch nie. Doch sei es drum. Als Abwehrchef kann der Spanier ihn trotz seiner Jugend sicher bald ersetzen, denn das einzige, was ihm Dante voraus hat, ist vielleicht die Erfahrung. Doch auf der anderen Seite kann Dominguez auch mit zwei Europa League-Titeln wuchern und hat sich inzwischen mehr als drei Jahre lang in der Primera Divison bewiesen, einer Liga, die in der UEFA-Fünfjahreswertung vor der Bundesliga steht. Eine Liga, in der sich Dominguez mit Lionel Messi, Christiano Ronaldo und Co. gemessen hat und eine Liga die für technisch gut ausgebildete Verteidiger bekannt ist, die alle auch für den Spielaufbau sorgen. Der 23-Jährige verteidigt filigran, ohne die große Keule auszupacken und verfügt über eine gewisse Ruhe am Ball und das erinnert mich - ja, sogar etwas an Dante.

Mein Fazit: Dominguez kann Dante ersetzen

Xhaka für Neustädter

An Roman Neustädter schieden sich in Gladbach seit jeher die Geister. Viele Borussen-Fans konnten sich mit der unspektakulären Spielweise des Sechsers nicht immer anfreunden. Kritisiert wurde auch immer seine fehlende Risikobereitschaft und seine mangelnde Torgefahr, während er für seine Laufbereitschaft und seine taktische Finesse immer wieder gelobt wurde. Aber, obwohl es in summa am teuersten war gerade Neustädter zu ersetzen, war sein Abgang für die meisten Fans relativ leicht zu verkraften. In der neuen Saison wird sich nun zeigen, wie wertvoll der Neu-Schalker tatsächlich war. Jedenfalls macht Granit Xhaka auch in seinen jungen Jahren schon einen abgezockten Eindruck. Und was soll ich da groß ins Detail gehen? Der Schweizer hat bereits in der letzten Runde der Königsklasse bewiesen, dass er auf höchstem Niveau mithalten kann und über ein famoses strategisches Geschick verfügt. Gegenüber Neustädter sehe ich ihn defensiv ähnlich stark und in der Offensive erscheint mir mit Favres Hilfe durchaus eine Steigerung in der Mittelfeldzentrale möglich.

Mein Fazit: Xhaka kann Neustädter ersetzen

De Jong für Reus

Der niederländische Stürmer ist Borussias teuerster Neuzugang und mit den meisten Vorschusslorbeeren versehen. Und er ist ohne Zweifel ein toller Knipser, der sich ebenfalls bereits international beweisen konnte. Bei ihm wird die Frage sein, wie er mit dem enormen Druck umgehen kann der auf seinen Schultern lastet. Stöbert man mal in den vielen Borussia-Foren oder unterhält man sich mit den vielen Borussen-Fans und Trainingsgästen, wird einem schnell gewahr, wie hoch die Erwartungen an den sympathischen Stürmer sind. Allerdings hoffe ich, dass der bodenständige de Jong damit umgehen kann und sich schnell an die Bundesliga gewöhnt. Denn dann sehe ich beim ihm durchaus die Möglichkeit Reus zu ersetzen.

Hierfür müsste allerdings auch das System geringfügig modifiziert werden. Dass de Jong natürlich in vorderster Front agieren wird, daran wird wohl niemand ernsthaft zweifeln. Dafür müsste ein zweiter Offensiver dann hinter ihm als  „Zehner“ oder „Neuneinhalber“ agieren, wofür der Kader allerdings eine Fülle an Alternativen böte. Es wird darauf ankommen, dass Hanke, de Camargo, Younes oder wer auch immer diese Position dann bekleidet, de Jong gemeinsam mit beiden Flügelspielern möglichst häufig in Abschlussposition bringt. Man muss für unsere neue Nummer neun also mehr auflegen, als man dies für Reus getan hat, der das ja häufig und gerne selbst übernommen hatte. Denn –und da bin ich mir sicher- de Jong ist vor dem Tor kaltschnäuziger als es Reus je sein wird. Und deshalb:

Mein Fazit: de Jong kann Reus ersetzen

Möglicherweise hält der ein oder andere meine Sichtweise für sehr oder gar zu optimistisch. Das mag sogar stimmen. Aber endlich kann ich wieder optimistisch sein - für einen geplagten Borussen eine über Jahrzehnte fast unmögliche Lebensauffassung.

Schwarzweißgrüne Grüße

Euer

Gregor Becker

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