Kult-Kabine: Die internationale Auswahl der verrücktesten Frisuren

Sie schrieben im Fußball Geschichte. Auf tragische Weise oder auf sympathische Art. An andere wiederum kann sich selbst ein eingefleischter Hardcore-Fan nicht mehr erinnern. Manchmal vielleicht einfach auch deswegen, weil sie mit Fußball schlichtweg gar nichts am Hut haben. Und trotzdem: Sie alle haben den Weg geschafft bis in die „Kult-Kabine“, in der Goal.com Woche für Woche eine ganz besondere Mannschaft auf das Feld schickt. Und dabei Geschichten erzählt, die eben nur der Fußball schreibt. Eines aber haben sie alle gemeinsam: Diese Teams werden so niemals zusammenspielen.

Von Benjamin HOFMANN

Manuel Armindo Morais Cange, Loco, Angola (Getty Images)
Berlin. Ob Vokuhila der 1990er oder Irokese a la David Beckham. Fußballstars verzückten immer wieder mit ihrer Haarpracht die Fans. Dabei macht es gar keinen Unterschied, ob man wie der große Ronaldo für Real Madrid spielte und mit Brasilien bereits Weltmeister war oder wie andere Zeitgenossen, die ihren ganz eigenen Stil auf dem Kopf zu tragen pflegen, für international weniger renommierte Klubs wie L.A. Galaxy oder Panathinaikos Athen aufläuft.

Unser Exzentriker-Faktor zeigt, welchen Unterhaltungswert ein Spieler für die Fans hat. Denn nicht selten stecken unter den verrückten Frisuren noch verrücktere Köpfe...

TOR

Rene Higuita (Atletico Nacional Medellin) - Exzentriker-Faktor: 10

Den Anfang unserer Kult-Kabine macht diese Woche Rene Higuita, der es bei der Weltmeisterschaft 1990 in Italien zu Weltruhm brachte. Der Rückhalt der Kolumbianer erinnerte mit seinem Minipli und der farblich dazu passenden Modesünde des in den 80ern und 90ern durchaus geläufigen „Oliba“ – einst auch bei Schauspielern aus einem eher fragwürdigen Filmgenres sehr populär – an den US-Musiker Rick James. Weniger glorreich sein Auftritt bei der WM-Endrunde. Passend zu seinem schrägen Auftreten wagte Higuita sich gerne aus dem Strafraum hervor und brillierte mit waghalsigen Dribblings als letzter Mann. Das ging bis zur 109. Minute des Achtelfinales gut, wo er vor dem 0:2 das Leder gegen Kameruns Roger Milla vertändelte und damit das Aus der Südamerikaner besiegelte. Ähnlich spektakulär: Sein „Skorpion-Kick“ 1995 im Freundschaftsspiel gegen England: Bei einer Parade ließ sich der Exzentriker vornüber fallen und kickte den Ball mit den Hacken aus dem Tor, wobei er sich auf die Hände stützte. Nicht nur die Frisur war bei ihm also eine echte Zirkusnummer!

ABWEHR

Alexi Lalas (L.A. Galaxy) – Exzentriker-Faktor: 4


Der US-Amerikaner mit griechischen Wurzeln sah ein wenig aus wie eine Mischung aus einem Wikinger und Arnold Schwarzenegger im 80er-Jahre-Klassiker „Conan, der Barbar“. Fakt ist jedoch, dass er selbigen offensichtlichen Doppelgängern in Kampfkraft in Nichts nachstand. Als Italien-Tourist und Besucher der Fußball-WM 1990 kam er erst auf die Idee, Fußball zu spielen und lehrte 1994 bei der US-amerikanischen Heim-WM seine renommierten Gegenspieler aus europäischen Top-Ligen wie Brasiliens Romario, den Schweizer Stephane Chapuisat oder den Rumänen Florin Raducioiu das Fürchten. Wechselte in die Serie A zu Calcio Padua. Konnte sich als einer der wenigen US-Boys in den 90ern in Europa durchsetzen. Heute als Manager tätig, zuletzt bei Beckham-Klub L.A. Galaxy.

Abel Xavier (FC Everton) – Exzentriker-Faktor: 8,5

Ist es Zufall, dass Abel Xavier 2007 bei L.A. Galaxy anheuerte, wo Alexi Lalas zur gleichen Zeit die Geschicke des Vereins leitete? Nein, sagen wir! Der blondierte Portugiese, dem man nicht zu Unrecht nachsagt, er stehe immer unter Strom, nennt nicht weniger als zwölf Vereine (u.a. den Bundesligisten Hannover 96) seine Heimat. Dass er ausgerechnet an der US-Westküste landete, ist Schicksal. Lalas und Xavier sind Brüder im Geiste – oder zumindest unter der Trocknerhaube. Seitdem der gebürtige Mosambikaner zum Islam konvertierte, heißt er übrigens offiziell Faisal.

Manuel Antonio Morais Cange (CD Primeiro de Agosto) – Exzentriker-Faktor: 6

Kennen Sie nicht? Unter dem Namen Locô ist Ihnen der junge Mann sicherlich geläufiger. Mit Angola betrat der heute 25-Jährige bei der WM 2006 in Deutschland die internationale Fußballbühne – ansonsten hat er es im Vereinsfußball bislang nicht über die Grenzen des afrikanischen Landes geschafft. Könnte auch an der Frisur liegen: Ein kahler Schädel mit einem liebevoll gepflegten Bewuchs im vorderen Drittel, dessen Zotteln an einen Flickenteppich oder Fujur, das fliegende und sprechende Fabelwesen aus Michael Endes „die unendliche Geschichte“ erinnern.

Taribo West (AJ Auxerre) – Exzentriker-Faktor: 7,5

Nicht fehlen in unserer Viererkette darf natürlich der lange verschollene fünfte Teletubbie, der einst die Gruppe verließ, um es als Fußballer zu schaffen. Mit Erfolg! Der Nigerianer nannte große Klubs wie AC und Inter Mailand seine fußballerische Heimat. Ob er dank seiner markanten Antennen auf dem Kopf auch aus Europa wie Kultfigur E.T. nach Hause telefonieren konnte, ist nicht überliefert. Anfang des Jahrtausends durfte die Bundesliga seine durchaus erwähnenswerte Frisur bestaunen, trug er doch das Trikot des FC Kaiserslautern. Ähnlich unbeständig wie Nebenmann Abel Xavier: Zwölf Vereinsstationen, zuletzt 2007 bei Peykan Teheran im Iran aktiv. Insgesamt 42 Länderspiele für sein Heimatland zwischen 1994 und 2005.

MITTELFELD

Carlos Valderrama (SC Montpellier) – Exzentriker-Faktor: 6


In Frankreich trauten sie ihren Augen nicht, als der Kolumbianer 1988 nach Montpellier kam. Was trug der neue Regisseur da nur auf dem Kopf: Russische Fellmütze? Ein Strohballen aus einem Western? Nein! Valderrama hatte sein ganz eigenes Modeempfinden. Der Kolumbianer und Teamkollege von Rene Higuita trug seinen wallenden Wischmob mit Stolz. Böse Zungen behaupten, dass er sich vor seiner Karriere als Fußballer mit rot eingefärbter Haarpracht als Kobold bei einem Münchner Schreinermeister verdingen wollte. Am Ende klappte es dann aber doch mit dem runden Leder. 111 Länderspiele, drei Weltmeisterschaften als Kapitän. In seiner Heimatstadt in Südamerika, Santa Marta, ziert heute eine lebensgroße Bronzestatute des bekannten Mittelfeldstrategen den Vorplatz des Stadions – wie viel Zeit die Fertigung der Kopfpartie in Anspruch nahm, ist unbekannt.

David Beckham (Manchester United) – Exzentriker-Faktor: 7

Von Löwen-Mähne mit Zöpchen über Glatze bis zum Irokesen – kaum ein anderer Profi prägte die Modeszene wohl so wie „Becks“. Mehrfach soll der britische Star-Coffieur Aidan Phelan vom Mittelfeldspieler bei Auslandsaufenthalten oder –Klubstationen eingeflogen worden sein, um sich dem Schopf des heute 35-Jährigen anzunehmen. Das Aushängeschild der „Metrosexualiät“ überzeugte sowohl durch kunstvolle Freistöße und Flanken auf dem Fußballfeld als auch geschickte Vermarktung in Sachen Mode, Lifestyle und Popkultur. Resultat: Er zählte nicht nur über Jahre hinweg zur Creme de la Creme des internationalen Fußballs, sondern gilt auch als eine der erfolgreichsten Werbefiguren weltweit. Laut France Football soll er 2009 allein durch Reklame 26 Millionen Euro verdient haben – Spitzenwert!

Marcelinho (Hertha BSC Berlin) – Exzentriker-Faktor: 9

Das Paradebeispiel eines Paradiesvogels. Vor allem seine immer wieder variierende Haarpracht führt dazu, dass dieser Vergleich sehr oft gezogen wird. Die wohl prominentesten Beispiele sind seine Deutschlandfahne, die sich der Brasilianer einst einfärben ließ, und das grüne „W“, das nach seinem Transfer zum VfL Wolfsburg den Schädel des feinen Technikers zierte. Dumm gelaufen: Bei erstgenannter Deutschlandfahne verwechselte der Friseur seines Vertrauens die Reihenfolge der Farben, so dass der Linksfuß mit der belgischen Flagge Regie führte. Auch neben dem Platz sorgte er in Berlin für Furore: Zu spät aus dem Urlaub, Alkohol am Steuer, Discoschlägerei und und und... Wechselte jüngst vom FC Coritiba zum FC Sao Paulo.

ANGRIFF

Vagner Love (ZSKA Moskau) – Exzentriker-Faktor: 9,5

Schwarze, lange Dreads mit wahlweise roten oder blauen eingeflochtenen Zöpfen sind das Markenzeichen des brasilianischen Stürmers, der bislang 21 Mal für die Selecao auflaufen durfte. Sein gewöhnungsbedürftiger Spitzname beruht übrigens auf einer Geschichte aus seiner Jugend bei SE Palmeiras, wo er vom Trainer mit einem Mädchen auf frischer Tat ertappt und beinahe suspendiert wurde. Zudem soll ein Filmchen im Internet kursieren, das den Stürmer, nun ja, sagen wir im engen Zweikampf mit der in Brasilien berühmten Porno-Darstellerin Pamela Butt zeigt. Ob die extravagante Haarpracht des 26-Jährigen oder der durchaus vielversprechende Name des Ballzauberers der Grund für den Trikottausch der etwas anderen Art war, darüber lässt sich wohl streiten. Kult: In Frankfurt hat sich 2003 die Rockband „Wagner Love“ nach ihm benannt!

Ronaldo (Real Madrid) – Exzentriker-Faktor: 6,5

Neben David Beckham der wohl größte Star in unserer haarigen Kult-Kabine. Der heute 33-Jährige spielte bei Inter Mailand, AC Mailand und Real Madrid, gehört unbestritten zu den besten Torjägern aller Zeiten. „Il Phenominos“ größter Triumph gelang 2002, als er im WM-Finale mit Brasilien gegen Deutschland einen Doppelpack schnürte und die Selecao zum fünften Titel schoß. Der Moment seines schönsten Erfolges war aber zugleich geprägt von seinem bittersten Missgriff beim Coiffeur seines Vertrauens: Ronaldo, den man in der Regel mit einem Sechs-Millimeter-Bürstenhaarschnitt kannte, trug plötzlich ein kleines Dreieck im vorderen Bereich seines Goldköpfchens. Ob es sich um eine aerodynamische Maßnahme handelt, kann wohl nur in den Windkanälen der Formel-1 geklärt werden. Böse Zungen behaupten, dass sich Olli Kahn im Endspiel von dem haarigen Fauxpas Ronaldos habe irritieren lassen und daher Rivaldos Schuss vor dem 0:1 nicht habe festhalten können.

Djibril Cisse (FC Liverpool) – Exzentriker-Faktor: 7,5

Was der Franzose so manches Mal auf dem Haupt trägt, variiert von mutig bis 80er-Jahre Disco. Gefärbt von blond bis grün, mal mit Irokesen, mal mit geweißten Tribals – der Stürmer, der mittlerweile in Griechenland für Panathinaikos Athen kickt, hat einen echten Tick, was seine Haarpracht angeht. Im Regelfall bezieht er den Bart mit ein, der folgerichtig auch wechselnd in den grellsten Farben mit seinem Kopfhaar um die Wette schimmert. Ob er einst als Kind verloren ging und er deshalb ein Trauma hat, in der Nacht nicht mehr gefunden zu werden und dies nun mit Färbungsorgien kompensiert, wissen wir nicht. Fakt ist aber: Ohne Paradiesvögel wie ihn wäre der Fußball ein bisschen ärmer...

TRAINER

Sir Bobby Charlton (Manchester United) – Exzentriker-Faktor: 5


Von der Queen zum Ritter geschlagen war Sir Bobby Charlton mit einem außergewöhnlichen Talent als Fußballer gesegnet. Mehr Probleme als die Gegner auf dem Platz bereite dem Weltmeister von 1966 seine Haarpracht – sie wuchs nicht so, wie er es wollte. Bereits zu Zeiten als Spieler schimmerte eine kahle Kugel durch die verbliebenen Strähnen des einstigen Weltklasse-Offensivmannes und so beschloss er, kurzen Prozess zu machen. Den Schopf ließ er länger wachsen und kämmte ihn quer über die „kahle Platte“, was heute symbolisch als „Bobby Charlton Comb-over“-Stil bezeichnet wird. Erfolgreicher als vor dem Spiegel war er augenscheinlich auf dem Rasen: Weltmeister und Europas Fußballer des Jahres 1966, Europapokalsieger der Landesmeister 1968 und und und. Größte Zeit als Spieler bei den „Red Devils“, später zwei Jahre lang Trainer von Preston North End und Interimscoach bei Wigan Athletic.

ERSATZBANK

Sie haben keinen Schneide-Termin in der Kult-Kabine bekommen, obgleich bei dem ein oder anderen ein neuer Style sicher nicht unangebracht wäre. David Seamans (FC Arsenal) Zöpfchen beispielsweise ist neben seinem berühmten Patzer im WM-Viertelfinale 2002 gegen Ronaldinho sein wohl größter Fehltritt in der sportlichen Laufbahn gewesen. Immerhin: Er behielt das Schwänzchen, das zu seinem Markenzeichen wurde. Eine ähnliche Frisur trug Roberto Baggio (Juventus Turin) – sie brachte ihm gar den Namen „divin codino“, göttliches Zöpfchen, ein.

Nicht weniger einen Hingucker wert: Marouane Fellaini (FC Everton). Der 1,94 Meter große Belgier ist sozusagen die moderne Version von Carlos Valderrama mit schwarzem Haar. Ebenso stets für seine Frisuren bekannt: Rigobert Song (Galatasaray Istanbul), der mit seinen Rastas einst die Fans des 1.FC Köln verzaubert. Neuestes Highlight: Bei der WM lief er mit blondierten Rastas und Bart auf – seine ganz eigenen Interpretation des Spitznamens der Kameruner Nationalelf, Unbezähmbare Löwen.

Ausgeschnitten! Das war unsere Kult-Kabine der verrücktesten Frisuren international. Hoffentlich sind bis nächsten Freitag die Haare wieder zusammengefegt, denn dann trifft sich die nationale Creme de la Creme der Lockenköpfe und Irokesen in der Kult-Kabine. Schaut also auch nächste Woche wieder rein!!!


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Die Umfrage läuft vom 17.08.2010 bis zum 23.08.2010
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