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Kult-Kabine: Das Team der verletzten Pechvögel
Sie schrieben im Fußball Geschichte. Auf tragische Weise oder auf sympathische Art. An andere wiederum kann sich selbst ein eingefleischter Hardcore-Fan nicht mehr erinnern. Manchmal vielleicht einfach auch deswegen, weil sie mit Fußball schlichtweg gar nichts am Hut haben. Und trotzdem: Sie alle haben den Weg geschafft bis in die "Kult-Kabine", in der Goal.com Woche für Woche eine ganz besondere Mannschaft auf das Feld schickt. Und dabei Geschichten erzählt, die eben nur der Fußball schreibt. Eines aber haben sie alle gemeinsam: Diese Teams werden so niemals zusammenspielen.
Von Benjamin HOFMANN
Arsenal FC, Bayer 04 Leverkusen, BV Borussia Dortmund, FC Bayern München, FC Liverpool, FC Zürich, Hamburger SV, Juventus, La Coruña, Manchester United, VfB Stuttgart, Wigan Athletic, Valerón, Owen Hargreaves, Philippe Senderos, Chris Kirkland, Romeo Castelen, Arjen Robben, Sebastian Kehl, Ledley King, Yassine Chikhaoui
Unser Pechvogel-Faktor bewertet, wie sehr der jeweilige Spieler als Pechvogel bezeichnet werden darf, wobei 1 den niedrigsten und 10 den höchsten Wert darstellt
TOR
Chris Kirkland (Wigan Athletic) – Pechvogel-Faktor: 5,5
Als eines der größten Talente für die im englischen Fußball ohnehin nie unproblematisch geltende Position des Torhüters wechselte der heute 29-Jährige vom Zweitligisten Coventry City zum großen FC Liverpool, wo er Jerzy Dudek Druck machen sollte. Mit Erfolg – nach Einsätzen aufgrund einer Verletzung des Polen nutzte er 2002 ein Formtief seines Widersachers und stand bei den Reds zwischen den Pfosten. Die Freude währte nur kurz: Im Februar ereilte ihn das Schicksal, Kirkland musste verletzt pausieren, Dudek eroberte sich den Stammplatz zurück. Bei seiner Leihe zu West Bromwich Albion das gleiche Spiel: Erst Stammplatz, dann Verletzung. Bei Wigan Athletic, das ihn nach Ausleihe 2007 kaufte, scheint er endlich Glück zu haben. Er blieb zuletzt weitgehend von Blessuren verschont, debütierte im August 2006 gar für die Nationalelf der „Three Lions“.
ABWEHR
Jens Nowotny (Bayer Leverkusen) – Pechvogel-Faktor: 8,5
Sage und schreibe vier Kreuzbandrisse erlitt der Innenverteidiger in seiner Karriere. Immer wieder machte ihm das Knie Probleme, zwischenzeitlich klagte er gar gegen seinen einstigen Arbeitgeber Bayer 04 Leverkusen wegen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Sein bitterster Tag: der 30. April 2002. Der heute 36-Jährige reisst sich im Champions League-Halbfinale das Kreuzband, verpasst die Endspiele in Königsklasse und DFB-Pokal, Saisonendspurt – Leverkusen wird in allen drei Wettbewerben nur Zweiter – und die Fußball-WM in Japan und Südkorea. Im Dezember 2006 beendet er seine Karriere bei Dinamo Zagreb und wird Berater.
Ledley King (Tottenham Hotspurs) – Pechvogel-Faktor: 8,5
„No-knees“ nennen sie ihn in England. Was spaßig klingt, ist in Wahrheit purer Ernst. Der 29-Jährige kann anders als andere Profis oft nur einmal in der Woche eine vollständige Trainingseinheit absolvieren, muss im Vorfeld ein spezielles Aufbautraining absolvieren. Der Grund: Anhaltende Kniebeschwerden, sein Trainer Harry Redknapp erklärte einst: „Da ist kein Knorpel, nichts zum Operieren. Da ist einfach Knochen auf Knochen.“ Im April 2006 brach er sich zudem den Mittelfuß, verpasste die WM in Deutschland. Die Fraktur brach am „Boxing Day“ im Dezember 2006 wieder auf.

No knees, no fun: Ledley King (li., im Zweikampf mit Ryan Giggs) ist hart zum Gegner, aber auch zu sich selbst
Philippe Senderos (Arsenal London) – Pechvogel-Faktor: 7,5
Den Schweizer plagten schon bei den Gunners immer wieder kleiner Blessuren am Rücken oder muskuläre Probleme. Weder in London, noch beim AC Mailand oder in Everton konnte er Fuß fassen. Immer wieder stand der Innenverteidiger statt auf dem Fußballplatz beim Physiotherapeuten. Nun die erste schlimme Verletzungen: Achillessehnenriss. Der 41-fache Nationalspieler, der nun in Fulham Fuß fassen wollte, muss seine Pläne wohl auf 2011 verschieben.
MITTELFELD
Owen Hargreaves (Manchester United) – Pechvogel-Faktor: 9
War der Spielgestalter schon in München anfällig, holte er sich mit seinem Wechsel zu den Red Devils 2007 offenbar die Seuche. Nach einer zufriedenstellenden ersten Saison mit Pokal, Titel und 24 Ligaeinsätzen für Manchester, ereilte auch den gebürtigen Kanadier das „no-knees“-Schicksal. Drei Operationen – die letzte bei Richard Steadman in Colorado im Januar 2009 – später steht eine ernüchternde Bilanz der Spielzeiten 2008/09 und 2009/10. Hargreaves tauchte in der Premier Legaue genauso oft auf wie auf den OP-Tischen dieser Erde: drei Mal.
Sebastian Kehl (Borussia Dortmund) – Pechvogel-Faktor: 8,5
Einst als Riesentalent aus dem Breisgau in den Pott gekommen und dort auch Erfolge wie zum Beispiel den Meistertitel gesammelt, ist der 30-Jährige fast schon eine Art Teilzeitprofi in Diensten der Borussia. Galt einst als Deutschlands größte Hoffnung auf der „Sechs“, doch Verletzungen sorgen dafür, dass er nie so recht in Tritt kommt. Auszug aus der Krankenakte: Muskelriss (April 2000), Bänderriss (Februar 2003), Rippe angebrochen (März 2004), Knochenabsplitterung (Mai 2005), Fleischwunde (August 2006), Knochenstauchung (September 2006), Bänderteilabrisse (April 2008), Leistenverletzung (Mai 2009), Muskelfaserriss (Juli 2009), Adduktorenprobleme (April 2010).
Romeo Castelen (Hamburger SV) – Pechvogel-Faktor: 10
Spätestens seit dieser Woche ist der Holländer der personifizierte Pechvogel im Fußball. Schon in Rotterdam einst wegen Adduktorenproblemen oft in Behandlung, traf ihn das Schicksal erst in der Hansestadt so richtig. Ein Knorpelschaden und anhaltende Knieprobleme setzten ihn ab der Winterpause 2007/2008 bis zum 23. August 2009 außer Gefecht. Tor beim Debüt gegen Wolfsburg – erneute Knie-OP im September. Nun erneuter Knorpelschaden, dem 27-Jährigen droht das Karriereende.
Juan Carlos Valeron (Deportivo La Coruna) – Pechvogel-Faktor: 7,5
Anno 2006 schien die Karriere des feinen Technikers vor dem Ende zu stehen. Im Januar riss er sich das Kreuzband und verpasste die WM. Als er gerade dabei war, sich zurück zu kämpfen, der nächste Schock: Meniskusschaden. Insgesamt kosteten ihn diese Verletzungen ein ganzes Jahr, erst am 7. Januar 2007 gab der heute 35-Jährige sein Liga-Comeback.

Am Boden zerstört: So dürfte sich Juan Carlos Valeron auch in seinem ganz persönlichen Seuchenjahr 2006 gefühlt haben
Otto Addo (Borussia Dortmund) – Pechvogel-Faktor: 8
Nach seinem Wechsel 1999 von Hannover 96 zur Dortmunder Borussia dreimal mit Kreuzbandriss vor dem Karriereende. Unvergessen: Im UEFA-Cupspiel in Wien 2003 signalisiert er kurz nachdem der dritte Kreuzbandriss offenbar geschehen ist, dass er ausgewechselt werden muss. Das Spiel läuft aber noch, der Ghanaer schnappt sich den Ball, zieht an mehreren Gegenspielern vorbei und trifft in der 38. Minute. Sofort danach ausgewechselt und operiert.
ANGRIFF
Arjen Robben (Bayern München) – Pechvogel-Faktor: 8,5
In Madrid riefen sie ihn nur den „Glasmann“. Nur wenige Spieler verfügen über ein Talent wie der Niederländer und sind zugleich so verletzungsanfällig. Robben ist ein explosiver „Sprinter“ damit sind seine Muskeln hochgradig belastet und neigen zum Riss. Weder beim FC Chelsea noch bei Real blieb er vom Pech verschont. Nach einer starken – und vor allem Blessur freien Saison in München – Muskelfaserriss und „Wunderheilung“ für die WM bei Dick van Toorn in Rotterdam. Nun zahlte er die Quittung: Muskelriss und lange Pause.
Roberto Baggio (Juvents Turin) – Pechvogel-Faktor: 6,5
So genial das „göttliche Zöpfchen“ auch war, so viel Pech hatte es auch. Gerade zu Beginn seiner großen Karriere in den 80ern machten dem 56-fachen Nationalspieler Italiens immer wieder schwere Knieverletzungen zu schaffen. Doch der Stürmer biss sich durch, wurde unter anderem 1994 Weltfußballer des Jahres und Europas Fußballer des Jahres. Hängte 2004 bei Brescia Calcio die Schuhe an den Nagel.

Das göttliche Zöpfchen in seiner bittersten Stunde: Soeben hat Roberto Baggio (li.) im WM-Finale 1994 seinen Elfmeter verschossen. Rechts jubelt Brasiliens Taffarell.
TRAINER
Matthias Sammer (Borussia Dortmund) – Pechvogel-Faktor: 8,5
Schon als Spieler zwang ihn 1997 eine langwierige Knieverletzung zum Aufhören, doch richtig bitter erwischte es Sammer erst als Trainer des BVB. Als jüngster deutscher Meistertrainer 2002 im Freudentaumel, ereilt seine Mannschaft 2003 das Verletzungspech: Bis zu acht Spieler fielen mit Kreuzbandrissen aus, unter anderem Torsten Frings, Marcio Amoroso, Guy Demel, Evanilson und Otto Addo. Nach Platz sechs in der Bundesliga 2004 Auflösung des Vertrags.
ERSATZBANK
Ebenso vom Pech verfolgt sind unsere Spieler auf der Ersatzbank – sie kämen garantiert zum Einsatz, denn in dieser Startelf sind Verletzungen nur eine Frage der Zeit.
Guido Buchwald (VfB Stuttgart) hatte das fragwürdige Talent, sich an den für Fußballer unmöglichsten Stellen des Körpers zu verletzen. Höhepunkt war ein Ohreneinriss 1992 im DFB-Trikot. Ein weitaus wichtigeres Körperteil riss Bekim Kastrati (Fortuna Düsseldorf) – man achte beim Blick auf die Verletzung auf den Familiennamen des albanischen Stürmers. Nachdem er bei der Braunschweiger Eintracht einen Kreuzbandriss erlitten hatte, folgte der Transfer zum damaligen Regionalligisten Fortuna Düsseldorf, wo er sich im Testspiel gegen die Bayern im Januar 2008 einen Hodenriss zuzog. Hart: Kastrati spielte durch.
Ebenso wenig vom Glück verfolgt sind Daniel Bierofka (TSV 1860 München), dessen Krankenakte beispielsweise Bandscheibenvorfälle und einen Knöchelbruch beinhaltet, und Yassine Chikhaoui (FC Zürich). Der Tunesier konnte mit Patellasehnenproblemen zwei Jahre fast gar nicht spielen und gestern die schlimme Botschaft: Schienbeinbruch beim Spiel gegen den Tschad...
Natürlich gibt es eine Reihe von Spielern, die es noch schlimmer getroffen hat und die die Schuhe verletzungsbedingt ganz an den Nagel hängen mussten! In Kürze werden wir Euch die Mannschaft der Sportinvaliden präsentieren. Doch bevor wir uns dieser ernsten Thematik widmen, wollen wir Euch im nächsten Teil unserer Serie einige haarsträubende Fakten näher bringen. Verpasst also nächsten Freitag nicht die Kult-Kabine auf Goal.com.
Goal.com-Umfrage
Die Umfrage läuft vom 08.08.2010 bis zum 19.08.2010
Die Umfrage läuft vom 08.08.2010 bis zum 19.08.2010
Wo landet Werder Bremen am Saisonende?
Champions-League-Qualifikation
32.51%
Europa-League-Qualifikation
31.9%
Absteiger in Liga zwei
14.57%
Mittelfeldplatz
10.76%
Deutscher Meister
8.11%
Abstiegskampf, aber Rettung
2.15%
Goal.com-Flutlicht
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