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Von Maoisten und blonden Engeln: Deutsche sind bei Real Kult
Einmal mehr haben die Königlichen ihre Fühler nach dem ein oder anderen deutschen Spieler ausgefahren. Deutsche Kicker blicken in Madrid auf eine lange Tradition zurück.
Von Benjamin HOFMANN
Den Anfang machte einst der große Günter Netzer. Der Spielmacher der legendären Fohlen, in den 70ern auf Augenhöhe mit dem FC Bayern, galt als Exzentriker. Er trat 1973 den Weg nach Madrid an und machte sich mit seinem letzten Spiel in Mönchengladbach zur Legende. Im DFB-Pokalfinale gegen Lokalrivale Köln wechselte sich Netzer in der Verlängerung selbst ein und erzielte das entscheidende 2:1.
Netzer holt 1975 das Double
Mit diesem Paukenschlag ging es für ihn zu den Königlichen, wo er jedoch eine gewisse Anlaufzeit benötigte. Doch am Ende standen 85 Einsätze und neun Treffer beim einstigen Discothekenbesitzer zu Buche sowie die Meisterschaft 1975 und das Double aus Meisterschaft und Pokal im Jahr darauf. Nach diesen Titeln zog es ihn in die Schweiz zu Grashoppers Zürich.
Ausgerechnet Breitner...
Zwei Jahre gemeinsam mit Netzer in Madrid spielte Paul Breitner, den es nach dem WM-Titel 1074 für drei Millionen Mark Ablöse von München nach Madrid zog. Dort erfolgte unter dem jugoslawischen Coach Miljan Miljanic die Umschulung vom Verteidiger zum Mittelfeldspieler – sehr erfolgreich, auch Breitner feierte bis 1977 große Erfolge bei den Königlichen. Wie Netzer polarisierte er: Ausgerechnet er, der in der Öffentlichkeit als dem Maoismus nicht abgeneigter Mensch galt, wechselte zu dem Klub, den der faschistische Diktator Franco unter seinen Schutz gestellt hatte.
Stielike mit drei Meistertiteln in Folge
Im Jahr von Breitners Wechsel nach Braunschweig, 1977, kam mit Uli Stielike der Mann zu Real, der dort die längste deutsche Ära einläutete. Bis 1985 trug der 215 Mal das Trikot der Madrilenen und holte drei Meistertitel (1978-1980). Ehe es ihn 1985 zu Xamax Neuchatel zog, feierte er noch seinen größten Erfolg mit Real, den UEFA-Cup-Sieg.
Schuster: Barca, Real und Atletico
Längst eine Legende in Madrid ist Bernd Schuster. Der „blonde Engel“ war sowohl als Spieler als auch als Trainer bei den Königlichen unter Vertrag. Als Coach holte er in seiner Debütsaison 2008 den Titel und wurde nur wenige Monate später entlassen. Als Spieler stellte er einen Rekord auf. Er ist neben Miquel Soler der einzige Akteur, der das Trikot aller drei großen Klubs Spaniens tragen durfte: FC Barcelona (1980-1988), Real Madrid (1988-1990) und Atletico Madrid (1990-1993).

Illgners Schulterverletzung macht den Weg frei für Iker Casillas
Ein echter Titelsammler in Madrid war Bodo Illgner. Nach seinem Wechsel aus Köln auf Wunsch von Fabio Capello 1996 wurde er zweimal spanischer Meister (1997, 2001) und Champions League-Sieger (1998, 2000). Bitter: Die Titel 2000 und 2001 erlebte der Weltmeister von 1990 von Bank bzw. Tribüne aus. Eine langwierige Schulterverletzung hatte dafür gesorgt, dass der junge Iker Casillas den Deutschen als Stammtorhüter verdrängt hatte, so dass sein Vertrag 2001 aufgelöst wurde. Illgner beendete in Madrid seine Karriere, doch ging im Guten: Lange stand er in der Madrilener Traditionsmannschaft zwischen den Pfosten.
Metzelder resigniert nach ständigen Verletzungssorgen
Ebenso von Verletzungen überschattet war die Karriere von Christoph Metzelder. Der ohnehin anfällige Innenverteidiger blieb auch nach seinem Transfer von Dortmund nach Madrid 2007 vom Pech verfolgt, so dass der 29-Jährige sich nie richtig gegen die große Konkurrenz durchsetzen konnte und es bis zu seinem Wechsel zum FC Schalke 04 in diesem Sommer auf lediglich 23 Spiele in der Primera Division brachte. Hoffen wir, dass Sami Khedira, Mesut Özil oder Mario Gomez – sofern ein Transfer realisiert wird, ein solches Schicksal erspart bleibt.

Goal.com-Umfrage
Die Umfrage läuft vom 13.07.2010 bis zum 16.07.2010
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