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Türkiyemspor: Ein Verein aus Berlin kämpft ums Überleben
Türkiyemspor Berlin ist das Herz des türkischen Fußballs in Berlin. Der Verein ist seit seiner Gründung vor 32 Jahren zu einem Vorzeigeobjekt für gelungene Integration geworden. Türkiyemspor hat aber auch mit einigen Problemen zu kämpfen. Fremdenfeindliche Beleidigungen oder gar Übergriffe sind heute zwar seltener geworden, die Liste mit Missständen ist trotzdem lang.
Von Andreas Becker
Berlin. Celal Bingöl hat Angst. Angst um seinen Verein Türkiyemspor. Seit sechs Jahren steht er diesem ganz besonderen Club aus Berlin-Kreuzberg nun schon als Präsident vor. Wie lange noch? Auf diese Frage hat er keine Antwort. „Der Verein leistet wirklich gute Arbeit. Mir würde es weh tun, wenn dem Verein irgendwann etwas zustoßen würde“, sagt Bingöl. Vor mehr als 30 Jahren wurde Türkiyemspor von türkischen Migranten gegründet. Und in der Zeit wurde der Verein der mit Abstand erfolgreichste und wohl auch bekannteste von Gastarbeitern gegründete Fußballklub Deutschlands.
Zweitliga-Aufstieg knapp verpasst
Sportlich hat Türkiyemspor einiges erreicht seit der Gründung. Viermal startete der Club im DFB-Pokal, 1991 stand man kurz vor dem Aufstieg in die Zweite Bundesliga. Doch auch abseits des Platzes kann der Kiezclub auf große Erfolge zurückblicken. Türkiyemspor ist Integrationsprojekt. Der Club beteiligt sich an mehreren sozialen Projekten und Kampagnen gegen Gewalt, Rassismus und Homophobie. Dafür bekam Türkiyemspor schon viele Auszeichnungen und wird für das Engagement von allen Seiten gelobt. Bingöl freut das: „Das Interesse ist ja da.“ Der Präsident schiebt aber hinterher, dass sich viele Politiker gern im Glanz des Erfolges sonnen würden, sobald der öffentliche Trubel aber wieder vorüber ist, dem Verein den Rücken zukehren würden.
Kein Geld und kein Trainingsplatz
„Wenn es um ihre eigenen Vorteile geht, wenn zum Beispiel Wahlen sind, dann wird Türkiyemspor gebraucht – ist ja ein interessanter Verein für Politiker. Danach wird der Verein aber mit seinen Problemen wieder allein gelassen“, erklärt Celal Bingöl. Und Türkiyem, was „meine Türkei“ bedeutet, hat mit einigen Problemen zu kämpfen: Es fehlt an Geld, Sponsoren, einem Vereinshaus und vor allem an geeigneten Trainingsmöglichkeiten. 31 Jahre war die Stadt Berlin nicht in der Lage, dem Regionalligisten ein festes Trainingsgelände zur Verfügung zu stellen. Inzwischen wurde dem Club ein Platz am Ostkreuz zugewiesen. Wirklich glücklich ist diese Entscheidung jedoch nicht.
Von Platz eins auf elf
„Wir sind froh, dass wir diesen Platz bekommen haben. Aber das Problem ist, dass wir im Winter kein Flutlicht haben“, sagt Bingöl. Seit Oktober ist Türkiyemspor also einmal mehr zum Wandern gezwungen, wirkliche Vorbereitung auf den Regionalliga-Alltag ist so nicht möglich. Türkiyemspor war lange Zeit Tabellenführer, seitdem die Trainingsprobleme wieder aufgetreten sind, ist der Verein bis auf Platz elf abgerutscht. „Das ist sicherlich mit ein Grund“, sagt Bingöl. „Es ist auch ein psychologisches Problem, weil die Spieler nie genau wissen, wo am nächsten Tag Training ist.“
„Hier geht es auch um Rassismus“
Vor zwei Jahren musste Türkiyemspor auch noch aus dem Katzbachstadion ausziehen, dem Stadion, wo Ende der 80er Jahre mehrere tausend Fans den Club unterstützten. Das Stadion erfüllt nicht die Auflagen des Deutschen Fußball-Bundes. Seit dem muss Türkiyemspor in den ungeliebten Jahnsportpark in Prenzlauer Berg ausweichen. „Unser Ziel ist es, die Menschen zusammenzuführen und zu integrieren. Aber was machen die Politiker? Sie machen die Integration kaputt“, so Celal Bingöl. „Der Verein, der so viel für Multikulti und für Integration tut, der schon im DFB-Pokal und fast in der Zweiten Liga gespielt hat, wie kann der solche Probleme haben? Das ist nicht normal. Hier geht es auch um Rassismus.“
Ein Berliner Verein
Celal Bingöl will nichts unversucht lassen, dem Club zu seinem Recht zu verhelfen. Er denkt an Demonstrationen und ein Training der Männer- und Jugendmannschaften vor dem Bundestag, so soll der Druck auf die Politiker erhöht werden. „Mein Ziel war es, aus Türkiyemspor einen Multikulti-Verein zu machen. Das ist mir gelungen“, sagt Bingöl. Die meisten Politiker sähen in Türkiyemspor immer noch einen türkischen und keinen Berliner Verein, das ist ein Problem, auch um neue Sponsoren zu gewinnen, so Bingöl. Dabei hat der Verein im Jugendbereich über 25 Nationalitäten, bei den Männern stehen neun Deutsche in der Startelf, insgesamt sind sieben Nationalitäten in der Mannschaft vertreten. Und im Vorstand sind von acht Mitgliedern sechs Deutsche und nur zwei Türken. Dazu sind 60% der Fans Deutsche.
Türkiyemspor bleibt Türkiyemspor
Wie also soll es weitergehen? „Es ist ein Wunder, dass wir überhaupt existieren“, sagt Celal Bingöl. Der Club hat es schwer Sponsoren zu finden, vor allem deutsche Firmen engagieren sich woanders. Nur dank kleinerer Sponsoren aus der Nachbarschaft, wie Imbissbuden- und Café-Besitzern kann Türkiyemspor überleben. Für die Zukunft wünscht sich Celal Bingöl einen Großsponsor, der dem Verein hilft, ohne dass dieser jedoch dabei seine Identität verliert. „Wir wollen Sponsoren, aber der Name Türkiyemspor muss bleiben“, sagt Bingöl und nennt das Beispiel Coca-Cola. „Kommt zum Beispiel Coca-Cola und will den Verein ´Cola Türkiyemspor´ nennen, wäre das okay. Im Endeffekt sagen die Leute sowieso weiter Türkiyemspor.“ Bisher habe der Klub einfach noch nicht das Glück gehabt, dass „jemand gekommen ist und uns die Millionen hingelegt hat, obwohl der Verein fähig wäre, in der Bundesliga zu spielen“, erklärt Bingöl, der in den letzten Jahren schon mal an Aufgabe dachte, aber weiter kämpfen will.
Integration sehr wichtig
Auch um mehr Unterstützung aus der Politik. Schließlich tut der Verein viel für Integration und die Gemeinschaft. Türkiyemspor unterstützt viele soziale Projekte, veranstaltet Abende mit der Polizei, wo es um Gewaltprävention geht, muss diese jedoch aus eigener Tasche bezahlen, wie Celal Bingöl erklärt. „Mir war es immer wichtig, mich auch im sozialen Bereich zu engagieren. Fußball stand immer an zweiter Stelle“, sagt der ehemalige Profi-Fußballer. Doch auch für die sportliche Zukunft hat der Präsident Wünsche.
Wünsche für die Zukunft
Unterstützt von mehreren tausend Zuschauern stieg Türkiyem Ende der 80er Jahre neben Hertha BSC und Tennis Borussia Berlin zu der dritten sportlichen Kraft in West-Berlin auf. Viermal nahm man am DFB-Pokal teil, 1991 gelang sogar fast der Aufstieg in die zweite Bundesliga. Dort will Celal Bingöl wieder hin, zunächst wäre der Aufstieg in die Dritte Liga aber schon ein großer Erfolg. Auch eine Kooperation mit dem großen Nachbarn aus Charlottenburg, Hertha BSC, könnte sich Bingöl gut vorstellen. Wenn er so über die Zukunft spricht, scheint die Angst um seinen Verein Türkiyemspor für einen Moment verflogen zu sein.
Zweitliga-Aufstieg knapp verpasst
Sportlich hat Türkiyemspor einiges erreicht seit der Gründung. Viermal startete der Club im DFB-Pokal, 1991 stand man kurz vor dem Aufstieg in die Zweite Bundesliga. Doch auch abseits des Platzes kann der Kiezclub auf große Erfolge zurückblicken. Türkiyemspor ist Integrationsprojekt. Der Club beteiligt sich an mehreren sozialen Projekten und Kampagnen gegen Gewalt, Rassismus und Homophobie. Dafür bekam Türkiyemspor schon viele Auszeichnungen und wird für das Engagement von allen Seiten gelobt. Bingöl freut das: „Das Interesse ist ja da.“ Der Präsident schiebt aber hinterher, dass sich viele Politiker gern im Glanz des Erfolges sonnen würden, sobald der öffentliche Trubel aber wieder vorüber ist, dem Verein den Rücken zukehren würden.
Kein Geld und kein Trainingsplatz
„Wenn es um ihre eigenen Vorteile geht, wenn zum Beispiel Wahlen sind, dann wird Türkiyemspor gebraucht – ist ja ein interessanter Verein für Politiker. Danach wird der Verein aber mit seinen Problemen wieder allein gelassen“, erklärt Celal Bingöl. Und Türkiyem, was „meine Türkei“ bedeutet, hat mit einigen Problemen zu kämpfen: Es fehlt an Geld, Sponsoren, einem Vereinshaus und vor allem an geeigneten Trainingsmöglichkeiten. 31 Jahre war die Stadt Berlin nicht in der Lage, dem Regionalligisten ein festes Trainingsgelände zur Verfügung zu stellen. Inzwischen wurde dem Club ein Platz am Ostkreuz zugewiesen. Wirklich glücklich ist diese Entscheidung jedoch nicht.
Von Platz eins auf elf
„Wir sind froh, dass wir diesen Platz bekommen haben. Aber das Problem ist, dass wir im Winter kein Flutlicht haben“, sagt Bingöl. Seit Oktober ist Türkiyemspor also einmal mehr zum Wandern gezwungen, wirkliche Vorbereitung auf den Regionalliga-Alltag ist so nicht möglich. Türkiyemspor war lange Zeit Tabellenführer, seitdem die Trainingsprobleme wieder aufgetreten sind, ist der Verein bis auf Platz elf abgerutscht. „Das ist sicherlich mit ein Grund“, sagt Bingöl. „Es ist auch ein psychologisches Problem, weil die Spieler nie genau wissen, wo am nächsten Tag Training ist.“
„Hier geht es auch um Rassismus“
Vor zwei Jahren musste Türkiyemspor auch noch aus dem Katzbachstadion ausziehen, dem Stadion, wo Ende der 80er Jahre mehrere tausend Fans den Club unterstützten. Das Stadion erfüllt nicht die Auflagen des Deutschen Fußball-Bundes. Seit dem muss Türkiyemspor in den ungeliebten Jahnsportpark in Prenzlauer Berg ausweichen. „Unser Ziel ist es, die Menschen zusammenzuführen und zu integrieren. Aber was machen die Politiker? Sie machen die Integration kaputt“, so Celal Bingöl. „Der Verein, der so viel für Multikulti und für Integration tut, der schon im DFB-Pokal und fast in der Zweiten Liga gespielt hat, wie kann der solche Probleme haben? Das ist nicht normal. Hier geht es auch um Rassismus.“
Ein Berliner Verein
Celal Bingöl will nichts unversucht lassen, dem Club zu seinem Recht zu verhelfen. Er denkt an Demonstrationen und ein Training der Männer- und Jugendmannschaften vor dem Bundestag, so soll der Druck auf die Politiker erhöht werden. „Mein Ziel war es, aus Türkiyemspor einen Multikulti-Verein zu machen. Das ist mir gelungen“, sagt Bingöl. Die meisten Politiker sähen in Türkiyemspor immer noch einen türkischen und keinen Berliner Verein, das ist ein Problem, auch um neue Sponsoren zu gewinnen, so Bingöl. Dabei hat der Verein im Jugendbereich über 25 Nationalitäten, bei den Männern stehen neun Deutsche in der Startelf, insgesamt sind sieben Nationalitäten in der Mannschaft vertreten. Und im Vorstand sind von acht Mitgliedern sechs Deutsche und nur zwei Türken. Dazu sind 60% der Fans Deutsche.
Türkiyemspor bleibt Türkiyemspor
Wie also soll es weitergehen? „Es ist ein Wunder, dass wir überhaupt existieren“, sagt Celal Bingöl. Der Club hat es schwer Sponsoren zu finden, vor allem deutsche Firmen engagieren sich woanders. Nur dank kleinerer Sponsoren aus der Nachbarschaft, wie Imbissbuden- und Café-Besitzern kann Türkiyemspor überleben. Für die Zukunft wünscht sich Celal Bingöl einen Großsponsor, der dem Verein hilft, ohne dass dieser jedoch dabei seine Identität verliert. „Wir wollen Sponsoren, aber der Name Türkiyemspor muss bleiben“, sagt Bingöl und nennt das Beispiel Coca-Cola. „Kommt zum Beispiel Coca-Cola und will den Verein ´Cola Türkiyemspor´ nennen, wäre das okay. Im Endeffekt sagen die Leute sowieso weiter Türkiyemspor.“ Bisher habe der Klub einfach noch nicht das Glück gehabt, dass „jemand gekommen ist und uns die Millionen hingelegt hat, obwohl der Verein fähig wäre, in der Bundesliga zu spielen“, erklärt Bingöl, der in den letzten Jahren schon mal an Aufgabe dachte, aber weiter kämpfen will.
Integration sehr wichtig
Auch um mehr Unterstützung aus der Politik. Schließlich tut der Verein viel für Integration und die Gemeinschaft. Türkiyemspor unterstützt viele soziale Projekte, veranstaltet Abende mit der Polizei, wo es um Gewaltprävention geht, muss diese jedoch aus eigener Tasche bezahlen, wie Celal Bingöl erklärt. „Mir war es immer wichtig, mich auch im sozialen Bereich zu engagieren. Fußball stand immer an zweiter Stelle“, sagt der ehemalige Profi-Fußballer. Doch auch für die sportliche Zukunft hat der Präsident Wünsche.
Wünsche für die Zukunft
Unterstützt von mehreren tausend Zuschauern stieg Türkiyem Ende der 80er Jahre neben Hertha BSC und Tennis Borussia Berlin zu der dritten sportlichen Kraft in West-Berlin auf. Viermal nahm man am DFB-Pokal teil, 1991 gelang sogar fast der Aufstieg in die zweite Bundesliga. Dort will Celal Bingöl wieder hin, zunächst wäre der Aufstieg in die Dritte Liga aber schon ein großer Erfolg. Auch eine Kooperation mit dem großen Nachbarn aus Charlottenburg, Hertha BSC, könnte sich Bingöl gut vorstellen. Wenn er so über die Zukunft spricht, scheint die Angst um seinen Verein Türkiyemspor für einen Moment verflogen zu sein.
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