Die ELF spektakulärsten Champions-League-Matches (6): Ajax Amsterdam – FC Bayern München (1995)

Ihr liebt ELF, unser neues, populäres Ranking, bei dem Goal.com euch zu Kultthemen mit ordentlich Diskussionsstoff versorgt? Dann anschnallen zur nächsten Achterbahnfahrt: Dieses Mal hat die Redaktion erneut getagt und eine Liste erstellt mit den ELF spektakulärsten Champions League Matches der Geschichte. Wann und wo schlug die Sternstunde der „Königsklasse“? Bei unserem Platz 6 spielt der aktuelle Bayern-Coach, Louis van Gaal, die Hauptrolle, der 1995 noch mit Ajax die Münchener an die Wand spielte.

Jari Litmanen
Von François DUCHATEAU

Amsterdam.
Nachbarschaftsduelle zwischen Holland und Deutschland sind zwar schon immer von Brisanz überladen, aber die Sahnehaube dieser Konstellation ergießt sich ganz klar aus Ajax Amsterdam gegen Bayern München. Das riecht nach Siebziger, Neeskens, Beckenbauer und schmeckt nach Cruijff, kurz: den beiden wohl besten Vereinsmannschaften aller Zeiten. Trotz aller Vorschusslorbeeren war das Hinspiel des Champions-League-Halbfinals 1995 zwischen dem niederländischen und dem deutschen Rekordmeister keine Gala. Die 60.000 Angereisten sahen ein mageres 0:0 im Olympiastadion. Das Rückspiel drohte zu einem Taktikgeplänkel zu werden, zu viel stand auf dem Spiel. Wurde es aber nicht.

Mit Fußballtennis die Bayern-Abwehr schwindelig gespielt

Im Mittelpunkt steht einer, der heute auf der anderen Seite steht: Louis van Gaal. Der einstige Co-Trainer, der seinen Mentor Leo Beenhakker beim Traditionsclub beerbte, hatte gerade eine Elf von Weltklassekickern im Jugendgewächshaus herbeigezüchtet, dass mit dem „Voetbal Totaal“ der Cruijff’schen Schule der Siebziger die Bayern überrollte statt hinten dicht zu machen. Bereits nach 12 Minuten war es Jari Litmanen, der den Torregen eröffnete. Ajax belagert schon früh den Sechzehner von Scheuer. Vier Mann stehen permanent drin in den Anfangsminuten. Einer davon ist Rijkaard, der einen Seedorf-Bogenball mit der Birne weiter auf Litmanen köpft. Der Finne holt zu einem Seitfallzieher aus, der statt ins Tor im hohen Bogen zu Ronald de Boer an den rechten Pfosten fällt wie ein Regentropfen. De Boer fängt die Pille gerade noch ab und buchsiert das Leder lang zurück in den Fünfmeter, wo der auferstandene Finne mit dem Kopf ausholte. Sami Kuffour, der vorher im Duell mit Litmanen war lag noch gemütlich auf dem Rasen. Mit Fußballtennis überrollten die Weißen mit dem Roten Mittelstreifen die Trappattoni-Elf. Doch die Bayern wären nicht die Bayern, wenn sie nicht ihren Dusel im Gepäck hätten. Und mit dem glich Marcel Witeczek gut zwanzig Minuten später aus. Aber Ajax ließ sich nicht aus dem Konzept bringen.

Selbstbewusster Instinkfußball

Noch spektakulärer war allerdings die Antwort der Niederländer, die in der 41. Minute folgte. Marc Overmars hatte wieder zwei Gegenspieler auf sich gezogen, als er die Bayern-Abwehr durchbohren wollte, spielte dann aber einen harten Querpass, den Litmanen mit seinem Torinstinkt durchließ, sodass Finidi George freie Bahn hatte um voll auszuholen und das Leder mit Hyperspeed in den Winkel zu knallen. Die Talentstube aus Amsterdam strotzte nur vor Selbstbewusstsein. Das 3:1 von Ronald de Boer, eine Minute vor der Pause, wurde bereits wie der sichere Sieg gefeiert. Das würde ein historischer Abend werden, und natürlich war es Jari Litmanen, der kurz nach Wiederanpfiff mit einem Selbstbewusstsein an Scheuer vorbeizwiebelt, als würde er bereits wissen, dass Ajax nur wenig später in Wien dank eines Duseltors von Patrick Kluivert kurz vor Schluss den „großen“ AC Mailand bezwingen würde. Der Finne schaut nicht einmal, wo Bayerns Schlussmann stehen mag, sondern macht es mit kräftiger Intuition. Scholl korrigiert zwar in der 75. Minute per Handelfmeter kurz den Zwischenstand, aber Overmars brachte wenige Minuten vor Schluss den alten Abstand wieder in Ordnung in einem Spiel, das wohl nie in Vergessenheit geraten wird.

So spielten sie:
Ajax: Van der Sar; Reiziger, Rijkaard, Blind, Bogarde; R. de Boer, Litmanen, Seedorf; Finidi George (87. Davids), Kanu (67. Kluivert), Overmars
Bayern: Scheuer; Helmer (42. Kreuzer), Kuffour, Babbel, Ziege; Frey, Schupp, Scholl, Nerlinger; Zickler (72. Sutter), Witeczek

ELF spektakuläre Champions-League-Matches: Das Ranking (Übersicht)

Wie habt Ihr das Spiel in Erinnerung behalten?


 
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