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ELF Kultstadien (6): Tivoli, Aachen
In diesen Stadien geht die Post ab! Die Fans singen sich bis zur Ekstase. Die Stimmung schwappt auf den Rasen. Andere Stadien indes überzeugen durch ihre besondere Lage, durch ihre traditionsreiche Geschichte oder sind einfach nur Kult. ELF, das populäre Ranking auf Goal.com, widmet sich dieses Mal täglich den Kultstätten der Republik. Da, wo der Fußball zu Hause ist. Und das war wieder einmal keine leichte Aufgabe. Deswegen haben wir uns auch dazu entschieden, zunächst nur die Stadien in die engere Auswahl zu nehmen, in denen derzeit noch aktiv bis zur 3. Liga gekickt wird. Freunde der Glück Auf-Kampfbahn, des Hamburger Volksparkstadions oder andere Nostalgiker müssen sich also vorerst noch gedulden. Diese Stadien kamen nicht in die Wertung, bieten aber genügend Stoff für ein weiteres Ranking. Weiter geht es heute mit dem Tivoli in Aachen, welches es derzeit in einer alten sowie neuen Variante gibt....
Von François DUCHATEAU
Aachen. Wenn man in Deutschland von Kultstadien redet, dann kommt man um den Aachener Tivoli definitiv nicht herum. Diesen Status hat das Stadion aber sicher nicht seinem bautechnischen Zustands, denn der ist noch nahezu im selben Stand wie vor fünfzig Jahren. Nein, treue Alemannen machten aus dem 21.300 Plätze beherbergenden Tivoli einen magischen Ort aus Tradition.
„Tausende Fans, die wir an uns binden sind uns wichtiger als einmalig 300.000 € zu empfangen.“
Dass der Verein und Fans ein enges Verhältnis zueinander haben, ist fast schon symbolisch festgemacht an dem Abstand der Ränge zum Spielfeld - denn es gibt keinen. Nirgendwo sonst im Profi-Fußball war man näher am Geschehen dran als in Aachen, wo die Fans abends bei Flutlichtspielen die Mannschaften beim Einlaufen mit einem Meer aus angezündeten Streichhölzern, Feuerzeugflammen und Wunderkerzen empfangen. Candelight-Gänsehaut für den Profi-Fußball. Geschäftsführer Frithjof Kraemer machte gegenüber Voetbal International auch noch einmal deutlich: „Tausende Fans, die wir an uns binden sind uns wichtiger als einmalig 300.000 € zu empfangen.“ Eine Philosophie mit Erfolg: Dank des zwölften Mannes gewinnen die Aachener in ihren ersten beiden Bundesliga-Jahren 21 von 34 Heimspielen.
Hilfe aus Historie: Immer wieder retten die Fans den Tivoli und ihre Alemannia
Die Aachener Fans leben für den Fußball. Ohne sie gäbe es Alemannia und den Tivoli schon längst nicht mehr. Sobald es dem Verein schlecht ging, halfen die treuen Gefährten freiwillig aus eigener Kasse beim Aufbau, ein roter Faden, der sich durch die Historie zieht. Als nach dem ersten Weltkrieg der 1908 von Studenten gemietete Rasenplatz namens „Gut Tivoli“ (übrigens mit einem Höhenunterschied von einem halben Meter zwischen den beiden Strafräumen), in eine Spielstätte mit Tribünen verwandelt werden muss, stammt ein Großteil des Geldes aus dem Portemonnaie der Fans. Fertig wird man im 1928. Doch bereits 1954 ist wieder die Kreativität der Anhängerschaft gefragt: Eine 5-Jahres-Dauerkarte soll Zaster in die leere Vereinskasse spülen. Die Gelb-Schwarzen ziehen mit und werden belohnt: Mit dem Geld kann der Tivoli 1957 dezent aufgepäppelt werden. 38 Meter hohe Flutlichtmasten ermöglichen Spiele am Abend und Glaswände werden errichtet, die auf den Rängen vor Wind schützen. Selbst zum Ende des Zweiten Krieges, als Trümmer und Armut das von den Nazis geschändete Land zeichnen, stecken die Alemannen freiwillig ihr knappes Kapital in den Verein. Schließlich war Fußball damals ihre einzige Freude.

Schmal, steil, laut und gelb“ auch im neuen Tivoli
Umso trauriger ist es, dass die Geschichte des „alten“ Tivoli am Montag, den 17.08. 2009 beim Heimspiel gegen den FC St. Pauli enden muss, wenn der „neue“ Tivoli feierlich eröffnet wird, auch wenn Aachens zweiter Anzug zunächst noch im „alten“ weiterspielt. Aber der Verein möchte sportlich hoch hinaus und deswegen musste ein neues Stadion her. Die Identität des Vereins soll jedoch auch in der frischgebackenen Spielstätte erhalten bleiben, nur eben ohne löchrige Holzbänke in der Kabine und Unkraut auf den Rängen. „Schmal, steil, laut und gelb“, lautet weiterhin das Tivoli-Credo. Nur sechs Meter ist die Tribüne von der Seitenlinie entfernt, weniger Abstand erlaubt die UEFA nicht. Die Fans sprachen sich zudem für keinen zweiten Rang aus, und wollen als eine gelbe Wand von 32.900 Menschen auftreten. Der alte Tivoli, nur dreihundert Meter entfernt, wird in wenigen Jahren abgerissen. Dort entsteht dann ein Wohngebiet.
Tradition setzt sich fort: Fans stiften die eigenen Namensrechte
Trotz aller Liebe zu ihrer langjährigen Kult-Heimat haben die Fans mittlerweile auch erkannt, dass kein Weg mehr um ein neues Stadion herumführt, möchte man sich im Oberhaus etablieren und wachsen. „Bundesliga mittelfristig? Das geht nur mit einem neuen Stadion, Werbung, Mehreinnahmen und auch vielleicht einen höheren Preis, den die Zuschauer bereit sind zu zahlen“, meint Marketing-Manager Erik Meijer. Und die Tradition setzt sich auch im neuen Stadion fort. Da man den Namen „Tivoli“ erhalten wollte, haben die Fans quasi selbst die Namensrechte am Stadion erworben. Mit so genannten „Tivoli-Anleihen“ in Höhe von 100, 200 oder 500 € konnte jeder Anhänger seinen Beitrag dazu leisten, dass weiterhin im Tivoli gekickt wird. Etwa 4.500-Personen, die allesamt eine Schmuckurkunde ausgestellt bekamen, sammelten so 4,2 Millionen Euro, die der Verein auf ein bis 2013 fest verzinstes Konto legen wird. Danach bekommen die Unterstützer ihre Beträge in voller Höhe zurück. Die Zinsen von sechs Prozent pro Jahr bleiben beim Verein.
Tivoli bleibt ein Ort fürs Volk
Auch, wenn die Ticketpreise eventuell angehoben werden, Alemannia bleibt ein Club fürs Volk, sagt Erik Meijer. „Bei uns ist es möglich, als kleiner Bursche zum Spiel zu gehen und noch einen Stehplatz zu bekommen. Für Jugendliche ein ganzes Jahr 90 Euro? Da kann keiner meckern. Allerdings ist auch bis zur teuersten Dauerkarte von 539 € alles möglich.“ Aus diesem finanziellen und infrastrukturellen Wachstum, erhofft sich die Alemannia auch sportlich zu profitieren. Meijer: „Durch das Stadion generiert man mehr Geld. Wenn man vorher 6-7 Euro pro Zuschauer geniert hat, wird sich das jetzt verdoppeln. Wenn man vorher immer einen guten Schnitt hatte mit 19.000, hoffen wir, dass wir jetzt an die 23-25.000 im Schnitt kommen werden. Da kommt jedes Spiel schon etwas Extra rein. Am Anfang wird das sicherlich zurück in den Stadionbau fließen, da wir diese 55 Millionen irgendwie wieder zurückzahlen sollen, aber langfristig wird sich das für die Mannschaft auszahlen, da man sich da verstärken kann und Spieler holen kann, die jetzt zu Duisburg, Cottbus, Fürth oder anderen Mannschaften wechseln.“

Meijer würde die Schuhe am liebsten wieder sofort schnüren
Aachen will hoch hinaus, aber hat es nicht eilig, wie der holländische Ex-Stürmer erzählt. „Ja, aber warum soll man seine Ziele am Anfang nicht hochstecken? Wir versuchen natürlich so weit wie möglich zu kommen. Über der zweiten Liga, liegt die Bundesliga und dann muss man auch sagen: Da wollen wir hin – natürlich. Das braucht aber nicht nächstes Jahr zu sein. Wenn es so ist, nehmen wir es gerne an, es kann aber auch übernächstes oder in drei Jahren sein.“ Meijer ist so begeistert über das neue Projekt, dass er sich am liebsten wieder sofort die Stollenschuhe anziehen wollen würde: „Wenn ich ins Stadion komme, dann bedaure ich, dass ich 1969 geboren bin. Ich wäre lieber Jahrgang 1979 und könnte in so einem wunderschönen Stadion kicken. Ich bekomme jetzt schon Gänsehaut, wenn ich mit potenziellen Sponsoren hineinlaufe.“ Und wir sind uns sicher: Auch den neuen Tivoli werden die zahlreichen treuen Alemannen in eine neue Kultstätte verwandeln.
Unser Goal.com Ranking. Deutschlands ELF Kultstadien (Übersicht)
Was sagt ihr zu der bewegenden Historie vom Tivoli? Welche Erinnerungen habt ihr an den alten Tivoli? Wird auch der neue Kult?
Aachen. Wenn man in Deutschland von Kultstadien redet, dann kommt man um den Aachener Tivoli definitiv nicht herum. Diesen Status hat das Stadion aber sicher nicht seinem bautechnischen Zustands, denn der ist noch nahezu im selben Stand wie vor fünfzig Jahren. Nein, treue Alemannen machten aus dem 21.300 Plätze beherbergenden Tivoli einen magischen Ort aus Tradition.
„Tausende Fans, die wir an uns binden sind uns wichtiger als einmalig 300.000 € zu empfangen.“
Dass der Verein und Fans ein enges Verhältnis zueinander haben, ist fast schon symbolisch festgemacht an dem Abstand der Ränge zum Spielfeld - denn es gibt keinen. Nirgendwo sonst im Profi-Fußball war man näher am Geschehen dran als in Aachen, wo die Fans abends bei Flutlichtspielen die Mannschaften beim Einlaufen mit einem Meer aus angezündeten Streichhölzern, Feuerzeugflammen und Wunderkerzen empfangen. Candelight-Gänsehaut für den Profi-Fußball. Geschäftsführer Frithjof Kraemer machte gegenüber Voetbal International auch noch einmal deutlich: „Tausende Fans, die wir an uns binden sind uns wichtiger als einmalig 300.000 € zu empfangen.“ Eine Philosophie mit Erfolg: Dank des zwölften Mannes gewinnen die Aachener in ihren ersten beiden Bundesliga-Jahren 21 von 34 Heimspielen.
Hilfe aus Historie: Immer wieder retten die Fans den Tivoli und ihre Alemannia
Die Aachener Fans leben für den Fußball. Ohne sie gäbe es Alemannia und den Tivoli schon längst nicht mehr. Sobald es dem Verein schlecht ging, halfen die treuen Gefährten freiwillig aus eigener Kasse beim Aufbau, ein roter Faden, der sich durch die Historie zieht. Als nach dem ersten Weltkrieg der 1908 von Studenten gemietete Rasenplatz namens „Gut Tivoli“ (übrigens mit einem Höhenunterschied von einem halben Meter zwischen den beiden Strafräumen), in eine Spielstätte mit Tribünen verwandelt werden muss, stammt ein Großteil des Geldes aus dem Portemonnaie der Fans. Fertig wird man im 1928. Doch bereits 1954 ist wieder die Kreativität der Anhängerschaft gefragt: Eine 5-Jahres-Dauerkarte soll Zaster in die leere Vereinskasse spülen. Die Gelb-Schwarzen ziehen mit und werden belohnt: Mit dem Geld kann der Tivoli 1957 dezent aufgepäppelt werden. 38 Meter hohe Flutlichtmasten ermöglichen Spiele am Abend und Glaswände werden errichtet, die auf den Rängen vor Wind schützen. Selbst zum Ende des Zweiten Krieges, als Trümmer und Armut das von den Nazis geschändete Land zeichnen, stecken die Alemannen freiwillig ihr knappes Kapital in den Verein. Schließlich war Fußball damals ihre einzige Freude.

Schmal, steil, laut und gelb“ auch im neuen Tivoli
Umso trauriger ist es, dass die Geschichte des „alten“ Tivoli am Montag, den 17.08. 2009 beim Heimspiel gegen den FC St. Pauli enden muss, wenn der „neue“ Tivoli feierlich eröffnet wird, auch wenn Aachens zweiter Anzug zunächst noch im „alten“ weiterspielt. Aber der Verein möchte sportlich hoch hinaus und deswegen musste ein neues Stadion her. Die Identität des Vereins soll jedoch auch in der frischgebackenen Spielstätte erhalten bleiben, nur eben ohne löchrige Holzbänke in der Kabine und Unkraut auf den Rängen. „Schmal, steil, laut und gelb“, lautet weiterhin das Tivoli-Credo. Nur sechs Meter ist die Tribüne von der Seitenlinie entfernt, weniger Abstand erlaubt die UEFA nicht. Die Fans sprachen sich zudem für keinen zweiten Rang aus, und wollen als eine gelbe Wand von 32.900 Menschen auftreten. Der alte Tivoli, nur dreihundert Meter entfernt, wird in wenigen Jahren abgerissen. Dort entsteht dann ein Wohngebiet.
Tradition setzt sich fort: Fans stiften die eigenen Namensrechte
Trotz aller Liebe zu ihrer langjährigen Kult-Heimat haben die Fans mittlerweile auch erkannt, dass kein Weg mehr um ein neues Stadion herumführt, möchte man sich im Oberhaus etablieren und wachsen. „Bundesliga mittelfristig? Das geht nur mit einem neuen Stadion, Werbung, Mehreinnahmen und auch vielleicht einen höheren Preis, den die Zuschauer bereit sind zu zahlen“, meint Marketing-Manager Erik Meijer. Und die Tradition setzt sich auch im neuen Stadion fort. Da man den Namen „Tivoli“ erhalten wollte, haben die Fans quasi selbst die Namensrechte am Stadion erworben. Mit so genannten „Tivoli-Anleihen“ in Höhe von 100, 200 oder 500 € konnte jeder Anhänger seinen Beitrag dazu leisten, dass weiterhin im Tivoli gekickt wird. Etwa 4.500-Personen, die allesamt eine Schmuckurkunde ausgestellt bekamen, sammelten so 4,2 Millionen Euro, die der Verein auf ein bis 2013 fest verzinstes Konto legen wird. Danach bekommen die Unterstützer ihre Beträge in voller Höhe zurück. Die Zinsen von sechs Prozent pro Jahr bleiben beim Verein.
Tivoli bleibt ein Ort fürs Volk
Auch, wenn die Ticketpreise eventuell angehoben werden, Alemannia bleibt ein Club fürs Volk, sagt Erik Meijer. „Bei uns ist es möglich, als kleiner Bursche zum Spiel zu gehen und noch einen Stehplatz zu bekommen. Für Jugendliche ein ganzes Jahr 90 Euro? Da kann keiner meckern. Allerdings ist auch bis zur teuersten Dauerkarte von 539 € alles möglich.“ Aus diesem finanziellen und infrastrukturellen Wachstum, erhofft sich die Alemannia auch sportlich zu profitieren. Meijer: „Durch das Stadion generiert man mehr Geld. Wenn man vorher 6-7 Euro pro Zuschauer geniert hat, wird sich das jetzt verdoppeln. Wenn man vorher immer einen guten Schnitt hatte mit 19.000, hoffen wir, dass wir jetzt an die 23-25.000 im Schnitt kommen werden. Da kommt jedes Spiel schon etwas Extra rein. Am Anfang wird das sicherlich zurück in den Stadionbau fließen, da wir diese 55 Millionen irgendwie wieder zurückzahlen sollen, aber langfristig wird sich das für die Mannschaft auszahlen, da man sich da verstärken kann und Spieler holen kann, die jetzt zu Duisburg, Cottbus, Fürth oder anderen Mannschaften wechseln.“

Meijer würde die Schuhe am liebsten wieder sofort schnüren
Aachen will hoch hinaus, aber hat es nicht eilig, wie der holländische Ex-Stürmer erzählt. „Ja, aber warum soll man seine Ziele am Anfang nicht hochstecken? Wir versuchen natürlich so weit wie möglich zu kommen. Über der zweiten Liga, liegt die Bundesliga und dann muss man auch sagen: Da wollen wir hin – natürlich. Das braucht aber nicht nächstes Jahr zu sein. Wenn es so ist, nehmen wir es gerne an, es kann aber auch übernächstes oder in drei Jahren sein.“ Meijer ist so begeistert über das neue Projekt, dass er sich am liebsten wieder sofort die Stollenschuhe anziehen wollen würde: „Wenn ich ins Stadion komme, dann bedaure ich, dass ich 1969 geboren bin. Ich wäre lieber Jahrgang 1979 und könnte in so einem wunderschönen Stadion kicken. Ich bekomme jetzt schon Gänsehaut, wenn ich mit potenziellen Sponsoren hineinlaufe.“ Und wir sind uns sicher: Auch den neuen Tivoli werden die zahlreichen treuen Alemannen in eine neue Kultstätte verwandeln.
Unser Goal.com Ranking. Deutschlands ELF Kultstadien (Übersicht)
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