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Sang- und klanglos hat sich das japanische Team aus Brasilien verabschiedet. Auch weil der ehemalige Dortmunder nur selten zu seiner Leistung fand.

Cuiaba. Am bitteren Ende einer völlig enttäuschenden WM war Shinji Kagawa untröstlich. "Worte können meine Gefühle nicht beschreiben", sagte der ehemalige Dortmunder nach dem 1:4 (1:1) gegen Kolumbien und dem damit feststehenden Vorrunden-Aus der Japaner.

Mit leiser Stimme, den Blick nach unten gerichtet, stand der 25-Jährige unzähligen Reporter aus seinem Heimatland Rede und Antwort. Dabei sah man dem offensiven Mittelfeldspieler deutlich an, wo er eigentlich hin wollte - nur noch weg.

Kagawa mit deutlicher Leistungssteigerung

"Ich bin sehr enttäuscht, dass dies jetzt das Ende der WM ist", sagte Kagawa, der in einer aufopferungsvoll kämpfenden, aber letztlich wie so häufig abschlussschwachen Mannschaft noch einer der Besten war. Doch trotz seiner deutlichen Leistungssteigerung im Vergleich zu seinen zwei bisherigen Auftritten zog der Star von Manchester United ein selbstkritisches Fazit: "Ich habe bei der WM nicht das gezeigt, was ich kann."

Dabei waren die Erwartungen an den "Messi Japans" trotz zweier enttäuschenden Spielzeiten in England ungeheuer hoch gewesen - bei seiner ersten WM konnte er sie aber eigentlich zu keinem Zeitpunkt erfüllen. Die Last der Verantwortung lastete schwer auf seinen Schultern.

Als erstes Team hatte sich Japan für die WM in Brasilien qualifiziert. Mit nur einem Punkt aus drei Spielen schieden die Japaner nun als eines der ersten aus - als Letzter in einer nicht gerade stark besetzten Gruppe mit Griechenland, der Elfenbeinküste und eben den Kolumbianern. Besonders bitter: Ein Sieg gegen Kolumbien hätte zum Weiterkommen gereicht.

Trainer Zaccheroni den Tränen nahe

Aber nicht nur an Kagawa, auch an Trainer Alberto Zaccheroni war der enttäuschende Auftritt der "Blauen Samurai" nicht spurlos vorbeigegangen. Auf einer emotionalen Pressekonferenz kämpfte der Italiener teilweise mit den Tränen. Und seine Äußerungen klangen fast schon wie eine Abschiedsrede.

"Als ich vor vier Jahren angefangen habe, hätte ich nie gedacht, dass ich in Japan solche Erfahrungen machen werde", sagte der 61-Jährige: "Das Land, die Menschen, die Kultur haben mir unglaublich viel gegeben - mehr als ich ihnen zurückgeben konnte."

Die unvermeidliche Frage nach seiner Zukunft konnte und wollte Zaccheroni nur wenige Minuten nach dem Spiel nicht endgültig beantworten. Doch zwischen den Zeilen wurde mehr als deutlich, dass seine Amtszeit beim Team, mit dem er 2011 die Asienmeisterschaft gewonnen hatte, höchstwahrscheinlich enden wird.

Japan weiterhin abschlussschwach

"Wir gehen jetzt erst einmal zurück nach Japan. Dann werden wir mit den Verantwortlichen besprechen, ob ich bleibe", sagte er. Angetreten war Zaccheroni aber auch, um die chronische Abschlussschwäche der Japaner zu beheben. Bei der WM klappte das nicht.

"In Erinnerung von Brasilien bleibt mir, dass wir die ersten beiden Spiele nicht unsere Leistung gebracht haben", erklärte er. Dieses Team, so Zaccheroni, hätte deutlich mehr erreichen können.

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