Sturmflaute bei Japanern - "Uns fehlen Ideen"

Nur ein Sieg hilft Japan gegen Kolumbien. Doch das große Problem der Asiaten liegt im Toreschießen.

Cuiaba. Vor dem entscheidenden Spiel um das Weltmeisterschafts-Achtelfinale gab es für Japans Hoffnungsträger erst einmal einen Tag frei. Die Seele baumeln lassen, abschalten - und vor allem: Den Kopf frei bekommen für das eminent wichtige Duell gegen das qualifizierte Kolumbien. Denn nur mit einem Sieg dürfen sich Shinji Kagawa und Co. weiter Hoffnungen auf das Weiterkommen machen.

"Ich sehe keine Fitnessprobleme. Es ist wichtiger, dass sie mental im nächsten Spiel auf der Höhe sind", begründete Japans Trainer Alberto Zaccheroni vor dem letzten Gruppenspiel am Dienstag (22 Uhr im Live-Ticker) in Cuiaba die Ruhepause.

Die Ausgangslage ist jedenfalls klar: Gegen das bereits qualifizierte Überraschungsteam brauchen die Japaner nicht nur einen Sieg, sondern müssen auch auf Schützenhilfe der anderen beiden Teams hoffen. Doch gibt es dabei nur ein kleines Problem. Bisher blieben die Asiaten weit hinter ihren eigenen Ansprüchen zurück - besonders vor dem Tor.

Eine Enttäuschung

Selbst gegen die lange in Unterzahl spielenden Griechen gelang ihnen kein Treffer. Obwohl sie fast 70 Prozent Ballbesitz hatten und 16 Mal aufs Tor schossen. Jedes mal erfolglos. "Meistens reicht das, um ein Tor zu erzielen", sagte Zaccheroni. "Uns fehlen die Ideen", betonte Keisuke Honda: "Wir müssen irgendwie versuchen, Tore zu schießen. Und zu gewinnen." Der Mittelfeldspieler des AC Mailand hat es als einziger vorgemacht, wie man bei der WM einen Treffer erzielt. Der war bei der 1:2-Niederlage gegen die Elfenbeinküste aber zu wenig.

Ohnehin sind die Japaner bisher eher eine Enttäuschung, das gefürchtete offensive Kombinationsspiel blieb meist ein Muster ohne Wert. Obwohl sie mit dem Mainzer Shinji Okazaki einen treffsicheren Stürmer in ihren Reihen haben. Zu oft ließen sie sich nach außen abdrängen und mussten es mit Flanken versuchen. Gegen die kopfballstarken Griechen nicht der erfolgversprechendste Weg.

"Wir wissen, dass wir in den vergangenen vier Jahren schon sehr viel besser gespielt haben als hier", sagte Zaccheroni: "Das Team hat in der Vergangenheit schon sehr viel Freude gemacht. Wir sind nicht damit zufrieden, wie wir uns hier präsentiert haben."

Kagawa als Rätsel

Schon viel Freude gemacht, aber hinter den Erwartungen zurückgeblieben? Das trifft bisher in Brasilien auch uneingeschränkt auf den ehemaligen Dortmunder Shinji Kagawa zu. Die Leistungen des Mittelfeldspielers geben weiter Rätsel auf. Nach einer schwachen Partie gegen die Elfenbeinküste saß er gegen die Griechen zunächst nur auf der Bank.

Seitdem der Japaner den BVB verlassen hat, scheint dem 25-Jährigem fast jegliche spielerische Leichtigkeit abhanden gekommen zu sein. Auch die abgelaufene Saison bei Manchester United war ein Reinfall. Umso größer waren seine Hoffnungen auf die WM, doch ob er im letzten Gruppenspiel überhaupt noch einmal ran darf, ist noch offen.

Nach der Niederlage gegen die Ivorer war Kagawa so frustriert, dass ihn seine Teamkollegen bei einem traditionellen gemeinsamen Bad aufmuntern mussten. "Er war so niedergeschlagen, aber jetzt schaut er wieder nach vorne", sagte Stürmer Shinji Okubo: "Wenn er nicht seinen Job macht, hat Japan keine Chance."