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Der DFB-Präsident hält eine weitere Amtszeit des FIFA-Bosses für nicht gesichert. Zudem versuchte er, Bedenken an der Nations League und dem deutschen WM-Quartier zu zerstreuen.

Mainz. Das deutsche WM-Quartier in Brasilien ist sicher, die WM 2022 in Katar und die Zukunft von Joseph S. Blatter als FIFA-Präsident sind es dagegen nicht: Bei einem Auftritt im ZDF-Sportstudio hat DFB-Boss Wolfgang Niersbach versucht, die Bedenken hinsichtlich der für 2018 beschlossenen Nations League und des Brasilien-Quartiers zu zerstreuen. Dagegen äußerte er selbst Zweifel an einer weiteren Kandidatur von Blatter (78) beim Weltverband und der tatsächlichen Durchführung der umstrittenen WM in acht Jahren in Katar.

"Wenn es klare Beweise gibt, muss die FIFA das Thema neu aufrollen", sagte Niersbach, betonte allerdings auch, "dass der Beweis, dass Korruption im Spiel war, noch nicht erbracht ist. Die Frage muss erlaubt sein, ob es Ergebnisse gibt. Es kann sein, dass alles sauber gelaufen ist." Es seien zwar "einige FIFA-Funktionäre zurückgetreten. Ob das in unmittelbarem Zusammenhang mit der WM-Vergabe an Katar steht, ist jedoch nicht klar ersichtlich."

Überrascht war der 63-Jährige von der von Blatter geäußerten Absicht auf eine erneute Kandidatur für den Chefposten beim Weltverband. "Für mich gilt immer noch das, was auf dem letzten UEFA-Kongress in Paris gesagt wurde. Damals sagte Blatter, dies sei definitiv seine letzte Amtszeit. Das gilt auch für die Leute in der UEFA", sagte Niersbach.

"Er muss es auch mal offiziell sagen"

Zuletzt hatte Blatter angekündigt, im Mai 2015 erneut zu kandidieren. "Ich gebe nichts darauf, was immer wieder an Statements in irgendwelchen Interviews gesagt wird", sagte der DFB-Chef: "Er muss es auch mal offiziell sagen." Der Schweizer werde sich sicher "vor oder während der WM" zu seinen Zukunftsplänen äußern.

Sollte Blatter (78), seit 1998 an der Spitze des Weltverbandes, sich offiziell für eine weitere Kandidatur entscheiden, würde ihm UEFA-Boss Michel Platini nach Ansicht Niersbachs nicht im Wege stehen. "Ich weiß nicht, ob er sich dann entschließen würde, in den Wahlkampf zu ziehen", sagte Niersbach: "Ich würde es eher für wahrscheinlicher halten, dass er dann am Ende UEFA-Präsident bleibt."

Kein Alleingang von Platini

Die umstrittene Einführung der Nations League habe mit eventuellen FIFA-Ambitionen des Franzosen indes nichts zu tun. Sie sei auch "kein Alleingang und kein Handstreich" von Platini gewesen. Dieser habe nur auf einen "Hilferuf von vielen Verbänden" gehört. Niersbach erklärte erneut, der DFB habe Bedenken gehabt. Er habe sich jedoch "nach links und rechts umgeschaut, ob da noch ein Zweiter ist, der aufstehen könnte. Aber da war kein Zweiter." Deshalb sei es sein Verständnis von Demokratie und Solidarität, "dass man einen solchen Weg mitgehen muss". Niersbach garantierte jedoch, "dass es keine zusätzlichen Termine geben wird". Er teile "die Ansicht der Trainer und Spieler, dass die Belastungsgrenze erreicht ist."

Auch Sorgen um die rechtzeitige Fertigstellung des WM-Quartiers 2014 hält der DFB-Boss für unbegründet. "Es wird fertig. Wir werden ein gutes Quartier haben, aus!", betonte er. Die brasilianische Tageszeitung Folha de São Paulo hatte kürzlich über mehrere Problemfelder auf der Baustelle berichtet. "Ich war zwar selbst noch nicht vor Ort, aber ich vertraue meinen Kollegen an der Spitze", erklärte Niersbach. DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff hatten das Quartier in Brasilien kürzlich inspiziert.

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