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Kwadwo Asamoah bearbeitet Ghanas linke Seite

DFB-Gegner Ghana: Flankenmaschine mit Defensivproblemen

Kwadwo Asamoah bearbeitet Ghanas linke Seite

Getty Images

Im zweiten Gruppenspiel trifft Deutschland auf die ghanaische Mannschaft. Löws Team erwartet ein physisch starker Gegner mit dem Hang zum exzessiven Flanken.

Der Auftakt hätte für beide Auswahlmannschaften nicht unterschiedlicher verlaufen können. Während die DFB-Elf souverän mit 4:0 gegen Portugal gewann und allerhöchstens in den ersten zehn Minuten leichte Schwierigkeiten mit Ronaldo und Co. hatte, verlor Ghana die erste Gruppenpartie gegen die USA.

Lange lagen die "Black Stars" mit 1:0 zurück, nachdem Clint Dempsey in der ersten Minute zur Führung traf. Eine fast einstündige Druckphase wurde mit dem Treffer von Andre Ayew belohnt. Doch der Herthaner John Brooks sorgte mit einem Kopfballtreffer für die Entscheidung zuungunsten Ghanas.

Stärke: Durchschlagskraft auf den Flügeln

Der Kader von Trainer James Kwesi Appiah ist mit einigen in Europa bekannten Namen besetzt. Im Mittelfeld treibt Milans Sulley Muntari an. Auf dem Flügel dribbelt sich Andre Ayew durch die gegnerischen Abwehrreihen, während sein Bruder Jordan eher im Zentrum an der Seite von Asamoah Gyan agiert. Christian Atsu, zuletzt von Chelsea an Vitesse ausgeliehen, besetzt zumeist den zweiten Flügel. Mit Kevin-Prince Boateng hat man sogleich einen Edeljoker für die Offensive. Der Schalker spielt im Gegensatz zum Verein in der ghanaischen Nationalmannschaft häufig in der vordersten Linie beziehungsweise als spielmachender Neuner.

Bereits gegen die USA war augenscheinlich, dass der Spielaufbau der Westafrikaner recht simpel ist. Die ersten Pässe gehen entweder direkt in Richtung Außenbahn oder gelangen über eine Zwischenstation im zentralen Mittelfeld auf die Flügel. Die Seiten werden ganz klassisch im 4-4-2 mit zwei Akteuren besetzt. Der Außenverteidiger hinterläuft oder es wird ein Doppelpass gespielt, um den Raum zu öffnen.

Interessanterweise wurde zuletzt die Dynamik von Juventus‘ Kwadwo Asamoah nicht wirklich eingesetzt. Der linke Flügelakteur kann einerseits mit seiner Durchschlagskraft nach vorn stürmen oder den Spielaufbau aus dem linken Halbfeld ankurbeln und dabei Muntari und Mohammed Rabiu entlasten.

Beim Spiel gegen Klinsmanns Team gingen aber vor allem in der ersten Halbzeit zahlreiche Angriffe über die rechte Seite, wo Daniel Opare und Atsu auf Jermaine Jones und DaMarcus Beasley trafen und beide häufiger ausspielten. Zudem können die Ayew-Brüder oder Atsu nicht selten isolierte Eins-gegen-Eins-Dribblings mit ihrer Schnelligkeit für sich entscheiden. Auf die deutschen Außenverteidiger, Benedikt Höwedes und Jerome Boateng oder Shkodran Mustafi, wird einiges an Arbeit zukommen, sofern die DFB-Auswahl nicht gut in die ballnahen Räume verschiebt.

Schwäche: Mangelhaft im Abschluss

Zugleich nützen all diese Durchbrüche auf Seiten Ghanas nichts, wenn sie daraus kein Kapital schlagen können. Beim ersten Gruppenspiel kamen sie auf 21 Torschüsse, nur drei flogen aber wirklich auf den Kasten des US-amerikanischen Torhüters, einer davon war drin. Es waren oftmals kleine technische Ungenauigkeiten, unsaubere Annahmen oder aber überhastete Abschlüsse. Wird Druck in und am Strafraum ausgeübt, neigen die ghanaischen Angreifer zu einer größtenteils schlechten Entscheidungsfindung.

Zudem ist der ständige Flankenfokus im Endeffekt ausrechenbar. Die Innenverteidiger können sich darauf einstellen und die Bälle in der Regel abwehren, wenn die Hereingaben nicht präzise gespielt sind. Das gelang sogar dem US-Duo Matt Besler und Geoff Cameron, obwohl diese nicht sattelfest wirkten.

Schlüssel: Instabile rechte Seite nutzen

Ein Knackpunkt bei Ghana können individuelle Aussetzer in der Defensive oder aber mangelnde Kompaktheiten im gesamten Verbund sein. Gerade die rechte Seite mit Opare und dem rechten Innenverteidiger John Boye kann von einer fluiden deutschen Angriffsreihe ausgehebelt werden. Was Mario Götze mit seinem portugiesischen Gegenspieler Joao Pereira veranstaltete, ist auch mit den oben genannten ghanaischen Abwehrakteuren möglich.

Verstrickt man die "Black Stars" in weitläufigere Raumbewegungen, wo sie nur mit kollektiven Verschieben die Gesamtstabilität aufrechterhalten können, sind geöffnete Zonen immer wieder möglich. Gerade Toni Kroos mit seinen Verlagerungsbällen kann in diesem Punkt ein entscheidender Faktor sein, da auch das zentrale Mittelfeld der Deutschen nicht unter enormem Pressingdruck stehen wird.

Fazit

Von der ganzen Spielanlage her ist die DFB-Elf dem nächsten Gegner eigentlich überlegen. Hinzu kommt die starke Vorstellung gegen Portugal. Trotzdem darf die Euphorie nicht die Konzentration im Spiel gegen Ghana beeinflussen. Auch gegen die "Black Stars" muss man aufpassen, nicht in Konter zu laufen. Zugleich muss Stabilität im gesamten Verschiebeprozess sowie in der Strafraumverteidigung vorherrschen. Dann kann man mit längeren Überbrückungsbällen Räume öffnen und die gefährlichen Angreifer um Müller, Götze und Co. in den freien Zonen einsetzen. 

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