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Der Torschützenkönig der WM 1966 ist am Sonntag im Alter von 71 Jahren gestorben. Die Fußball-Welt und ganz Portugal trägt Trauer.

Lissabon. Eusébios wundersamer Aufstieg zum Idol einer ganzen Generation begann im Elend. Aus den Slums von Maputo kämpfte sich der Schwarze Panther bis ganz nach oben, mit seinem unwiderstehlichen Stil wurde er zu einem der besten Spieler der Fußball-Geschichte. Am Sonntag starb Eusébioim Alter von 71 Jahren an einem Herzstillstand - ganz Portugal trauert um seinen Volkshelden.

"Sein Leben ist ein Vermächtnis für alle, die den Fußball lieben. Diese Nachricht ist brutal. Einige Menschen sollten uns nie verlassen", schrieb der nationale Verband FPF in seiner Würdigung eines ganz Großen. "Wir erinnern an das Talent und den Charakter eines Mannes, der unseren Fußball zu einem Aushängeschild in der Welt machte."

Eusébios Biograph John Malheiro hatte den Tod des WM-Torschützenkönigs von 1966 bestätigt. "Sein Herz hat um 3.30 Uhr Lissaboner Zeit aufgehört zu schlagen", sagte er dem Fernsehsender RTP: "Seine Gesundheit war zerbrechlich, aber er wird unsterblich bleiben. Eusébio war ein Symbol besonders in den 60er Jahren, als in Portugal die Diktatur herrschte."

Der Mythos Eusébio

O Rei, der König, wie sie ihn ehrfürchtig nannten, war vor allem für die dunkelhäutige Bevölkerung seines Landes eine Ikone. Mit seiner kraftvollen und zugleich künstlerisch-leichtfüßigen Spielweise hat er Generationen von Fußballern inspiriert - auch Portugals heutigen Superstar Cristiano Ronaldo. "Für immer und in Ewigkeit, ruhe in Frieden, Eusébio!", twitterte der Torjäger von Real Madrid am Sonntagmorgen betroffen.

Eusébio da Silva Ferreira war einer der ersten Mittelstürmer moderner Prägung, in 15 Jahren bei Benfica Lissabon begründete er einen Mythos. Zehnmal führte er den berühmtesten Klub des Landes zur Meisterschaft, 1962 zum Triumph im Europokal der Landesmeister, er war Europas Fußballer des Jahres 1965, zweimal europäischer Torschützenkönig, traf in 301 Liga-Spielen 317-mal. Vor Benficas Estádio da Luz zeugt eine Bronzestatue des Idols von diesem Glanz.

"Er hat so schöne Tore geschossen", sagte Pelé, einer der wenigen Fußballer seiner Zeit, die ihm ebenbürtig waren: "Alle beim FC Santos, auch ich, hielten ihn für einen großartigen Spieler." Selbst Englands Raubein Nobby Stiles, Gegenspieler Eusébios bei Portugals 1:2-Niederlage im WM-Halbfinale 1966, meinte: "Er war gleichzeitig ein Gentleman, ein sehr respektvoller Mensch und ein außerordentlicher Spieler."

Benfica statt Juventus

In ärmlichsten Verhältnissen war Eusébio als viertes von neun Kindern eines Weißen und einer Dunkelhäutigen in Portugals rücksichtslos ausgebeuteter Kolonie Mosambik geboren worden. Mit 15 debütierte er beim Sporting Clube de Lourenço Marques, zeigte derart viel Talent, dass Juventus Turin den Teenager verpflichten wollte. "Mein Mutter wollte aber darüber nichts von niemandem hören", erinnerte sich Eusébio.

Mit 36 Toren schoss er den Klub zur Landesmeisterschaft und wechselte als 18-Jähriger nach Portugal. Die Legende will es, dass Benficas Trainer-Idol Bela Guttmann nach Eusebios erstem Training nur stammelte: "Das ist Gold, das ist Gold."

Auf seinem Höhepunkt wurde Eusébio bei der WM 1966 mit neun Treffern Torschützenkönig, die Portugiesen feierten als Dritter ihren größten Erfolg. Im Viertelfinale gegen Nordkorea (5:3) drehte Eusébio einen 0:3-Rückstand fast im Alleingang mit vier Toren. "Das war mein Tag. Jeder Spieler träumt davon, eines Tages ein Spiel zu wenden. Und an diesem Tag war ich es", schwärmte Eusébio einst.

"Er darf nicht ins Ausland"

Seine Karriere bestand aber nicht nur aus Glanz. Auch bei Benfica ließ man Eusébio den damals üblichen Rassismus der menschenverachtenden portugiesischen Kolonialzeit spüren und ihn für ein Minimalgehalt spielen. Portugals Staatspräsident António de Oliveira Salazar untersagte ihm höchstpersönlich den lukrativen Wechsel: "Eusébio ist das wertvollste Staatseigentum von Portugal. Er darf nicht ins Ausland wechseln."

Bezeichnend war, dass Eusébio erst mit dem Ende der portugiesischen Kolonialzeit in Mosambik 1975 die Freiheit in Lissabon geschenkt bekam. Mit 31 Jahren ging er nach Nordamerika und tingelte dort - auf der Suche nach dem großen Geld - zwischen den USA und Kanada hin und her, ehe er drei Jahre später seine Karriere beendete.

Eine große Trainer-Karriere blieb ihm versagt, von 1985 bis 1992 war er immerhin Co-Trainer der Nationalmannschaft. Seine letzten Jahre verbrachte er kränkelnd, schon 2011 sorgte sich die ganze Nation um den kurz vor seinem 70. Geburtstag mit einer Lungenentzündung kämpfenden Eusébio. Am frühen Sonntagmorgen versagte sein großes Herz den Dienst.

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