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Vor 20 Jahren stürzte ein Flugzeug mit 18 Spielern der sambischen Nationalmannschaft in den Atlantik. Der Tod fast einer kompletten Fußballer-Generation wirkt bis heute nach.

Köln/Lusaka. In dieser Woche wird das "Feld der Helden" endlich wieder gepflegt. Direkt vor dem Nationalstadion in Lusaka sind 30 Gräber im Halbkreis angeordnet, in der Mitte ein Denkmal, auf dem ein steinerner Ball thront. Hier ruht seit 20 Jahren die "goldene Generation" des sambischen Fußballs. Wenn sich am Samstag der Flugzeugabsturz, bei dem 18 Spieler ums Leben kamen, zum 20. Mal jährt, werden die sonst vernachlässigten Gräber wieder glänzen.

Sinkala: "Es waren unsere größten Spieler aller Zeiten"

Der ehemalige Bundesliga- und sambische Nationalspieler Andrew Sinkala war 1993 13 Jahre alt. "Das war furchtbar für das ganze Land, es waren unsere größten Spieler aller Zeiten, sehr gute Fußballer", erzählt der ehemalige Kölner und Augsburger im Gespräch mit dem SID.

Am späten Abend des 27. April 1993 waren 18 Akteure der Nationalmannschaft Sambias auf dem Weg zum WM-Qualifikationsspiel gegen Senegal in Dakar. Die Chancen auf eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft im folgenden Jahr in den USA waren gut. Sambia galt durch die jahrelange Förderung des Staatspräsidenten Kenneth Kaunda und der Kupferbergbau-Unternehmen des Landes als beste Mannschaft des südlichen Afrikas.

Ganz konnten die Rahmenbedingungen Anfang der 90er Jahre aber nicht mehr mit den sportlichen Aussichten mithalten. Statt per Chartermaschine flog der Tross mit 18 Sportlern, dem Trainerteam und zehn weiteren Passagieren mit einem alten, zuvor zwei Jahre nicht mehr benutzten Militärflugzeug.

Bereits vor dem Abflug in Sambia waren Mängel am Flieger entdeckt worden, bei der letzten von drei zum Tanken benötigten Zwischenlandungen in Gabuns Hauptstadt Libreville zudem Probleme am linken Triebwerk. Kurz nach dem Start stürzte die Maschine dann in den Atlantik, alle 30 Personen an Bord kamen um. Von der menschlichen Tragödie abgesehen, war es auch der Tod fast einer kompletten Generation an begabten Sportlern.

Zweiter bei der Afrikameisterschaft

Der befürchtete sportliche Einbruch blieb zunächst aus. Sambias Superstar Kalusha Bwalya und zwei weitere Europa-Legionäre des Teams waren nicht an Bord, um diese Spieler wurde schnell eine neue Mannschaft aufgebaut, die zweieinhalb Monate nach dem Unglück im ersten Pflichtspiel Marokko schlug. "Die Verantwortlichen haben das damals wirklich gut hinbekommen und dem Team neue Motivation gegeben", sagt Sinkala.

Die Qualifikation für die Afrikameisterschaft gelang souverän, die WM-Teilnahme wurde nur denkbar unglücklich verpasst. Ein Jahr später erreichten die "Kupferkugeln" beim Turnier der besten afrikanischen Teams vollig überraschend das Finale und unterlagen nach einer 1:0-Führung noch 1:2 gegen die Übermannschaft aus Nigeria.

Afrikameister 19 Jahre später

Nach dem dritten Platz im Folgejahr blieben die Achtungserfolge allerdings aus. Bis zur sportlichen Wiederauferstehung sollte es ganze 19 Jahre dauern, emotionaler hätte es dann aber kaum passieren können. Im Februar 2012 besiegte Sambia als krasser Außenseiter die Elfenbeinküste im Finale des Afrika-Cups im Elfmeterschießen; das Finale fand in Libreville statt - wenige hundert Meter vom Unglücksort entfernt.

Der Jubel nach dem Sieg kam einer verzögerten Trauerfeier gleich: Die Spieler knieten an der Eckfahne nieder zum Gebet und sangen die Triumphlieder ihrer verunglückten Idole, der heutige Verbandspräsident Bwalya weinte hemmungslos, in Lusaka pilgerten Zehntausende zum "Feld der Helden". "Es war sehr emotional. Dieser Titel in Gabun hat eine große Bedeutung für das Land und für die Geschichte Sambias", sagt Sinkala, dessen Bruder Nathan in der Startelf stand und einen Elfmeter verwandelte.

Denn auch wenn die 30 Gräber am Nationalstadion den Großteil des Jahres einen vergessenen Eindruck machen, die Katastrophe von Libreville ist es nicht.

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