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US-Boys „verbrennen“ - Kritik an Klinsmann wächst

Zum Auftakt der Quali-Runde in Nord- und Mittelamerika ist Klinsmann an der ersten Hürde gescheitert. Zu viele Spieler hätten ihr Potenzial nicht abgerufen, sagte der 48-Jährige.

London. Der Gegenwind für Jürgen Klinsmann wird rauer, die Kritik wächst und die Geduld mit dem US-Fußball-Nationaltrainer schwindet zusehends. Der frühere Coach der DFB-Auswahl wollte die US-Boys eigentlich stärker machen als sie jemals waren. Beim enttäuschenden 1:2 (1:1) gegen Honduras zum Auftakt der entscheidenden Qualifikationsrunde um die Tickets zur WM 2014 im brodelnden Glutofen von San Pedro Sula wurde aber klar, dass sie davon weit entfernt sind. Sollte Klinsmann gar die Endrunde in Brasilien verpassen, dürfte sein Projekt vorzeitig enden.

Dass der Kredit nicht mehr unendlich ist, verdeutlichten die Analysen in den US-Medien. Sein Modernisierungskurs, den er den Gegebenheiten in den Staaten anpassen wollte („Ich markiere hier nicht den Europäer“), stößt nicht mehr nur auf Gegenliebe. Das Spiel in Honduras habe bewiesen, dass anders nicht unbedingt besser bedeute, hieß es beim TV-Sender ESPN.

Mittelfristig die WM-Qualifikation schaffen

Es hätten Ideen und Initiative gefehlt, die Leistung des Teams hätte nach Verzweiflung ausgesehen. Schon vor Monaten hatte es die Kritik gegeben, die Mannschaft habe sich unter Klinsmann zurückentwickelt. Nun wird er wieder Antworten liefern müssen.

US-Verbandspräsident Sunil Gulati hat die großen Herausforderungen des Deutschen am Mittwoch noch einmal beschrieben: Langfristig das System in den USA zu verändern, mittelfristig die WM-Qualifikation zu schaffen und kurzfristig Spiele zu gewinnen.

Zum Auftakt der Quali-Runde in Nord- und Mittelamerika ist Klinsmann an der ersten Hürde gescheitert. Zu viele Spieler hätten ihr Potenzial nicht abgerufen, sagte der 48-Jährige. „Wir haben zu viele Fehler gemacht. Wenn nicht alle an ihre Leistungsgrenze kommen, wird es schwer, hier zu gewinnen“.

Zu schaffen machten den US-Boys aber wohl auch die tropische Bedingungen in Honduras. Gerade die in Europa aktiven Spieler hatten Probleme mit Hitze und Luftfeuchtigkeit. „Honduras war viel besser als wir. Wir waren platt“, sagte Torhüter Tim Howard vom FC Everton. Und Clint Dempsey von Tottenham Hotspur, der die USA nach einem Pass des Schalkers Jermaine Jones in der 36. Minute in Führung gebracht hatte, ergänzte: „Es fühlte sich an wie 90 Grad“.

Den Catrachos gelang allerdings ein Ausgleichstreffer, den Klinsmann nachher als „Tor des Jahrhunderts in Honduras“ bezeichnete. Juan Carlos Garcia (39.) leitete mit einem grandiosen Fallrückzieher die Wende ein. Auf das 2:1 von Jerry Bengtson (79.) hatten die „Soccer-Boys“ keine Antwort mehr und „verbrannten“ im Glutofen.

Gegentore nicht zu erklären

Bei beiden Gegentoren versagte jedoch auch die gesamte US-Defensive. „Wir hatten Probleme, die Passwege zu schließen“, gestand Klinsmann. Dass der Coach in Geoff Cameron und Omar Gonzalez in einem so wichtigen Spiel auf ein neues Verteidiger-Duo setzte, dafür wurde er ebenfalls angezählt.

Gleichwohl haben die USA, die sich am 2. Juni in Washington auch mit der DFB-Elf messen werden, bei neun ausstehenden Spielen natürlich noch alle Möglichkeiten, das Ticket nach Brasilien zu lösen. Von den sechs Teams in der CONCACAF-Endrunde kommen drei direkt weiter, der Vierte hat noch eine Chance in den Duellen mit dem Vertreter Ozeaniens.

„So wollten wir nicht starten, aber der Weg ist lang“, sagte der frühere Gladbacher Michael Bradley gelassen: „Niemand von uns hat zehn Siege erwartet. Das ist doch die Realität“. Klinsmann hätte das genauso sagen können. Gegen Costa Rica am 22. März sind ein anderer Auftritt und drei Punkte aber trotzdem ein Muss.


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