Matthew, Chris und Joe Willock: Brüder-Trio mit Potenzial zum großen Wurf

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Ein englisches Brüder-Trio mit karibischer Abstammung schnuppert an einer Profikarriere. Goal stellt Euch Matthew, Chris und Joe Willock vor.


HINTERGRUND

Es war ein typisch frühsommerlicher Abend in London, als es am 8. Mai 2017 im Emirates Stadium des FC Arsenal zum Spiel der U23 gegen die gleichaltrige Konkurrenz von Manchester United kam. Eine gewöhnliche Partie in der Premier League 2 – zumindest für den Großteil der Spieler und Fans. Doch für drei Akteure war es ein ganz besonderer, ja sogar ein historischer Abend.

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Zum Anpfiff der zweiten Halbzeit kam es aus ihrer Sicht nämlich zum persönlichen Höhepunkt, als Gunners-Coach Steve Gatting den 17-jährigen Joe Willock einwechselte und dieser schließlich zusammen mit seinen älteren Brüdern Matthew und Chris in einem Pflichtspiel auf dem Platz stand.

Doch die englischen Nachwuchskicker mit Wurzeln auf der Karibikinsel Montserrat trugen nicht dasselbe Trikot. Während Chris und Joe für die Londoner aufliefen, stand Matthew für die Red Devils auf dem Feld. Dabei war auch er einst in der Jugendakademie von Arsenal aktiv. Goal stellt das Brüder-Trio, das am Tor zum Profigeschäft anklopft, vor.


Porträt von Matthew Willock


Matthew ist der Älteste der Willock-Brüder. Der 21-jährige zentrale Mittelfeldspieler ist seit Januar von Manchester United an St. Johnstone FC in die schottische Premiership verliehen. Zuvor verbrachte er bereits ein halbes Jahr beim FC Utrecht in der Eredivisie. Sowohl in den Niederlanden als auch jetzt in Schottland kam er mehrmals in den Profiligen zum Einsatz. Kein Wunder, beorderte ihn Jose Mourinho in der Vorsaison doch regelmäßig ins Training der ersten Mannschaft und nominierte ihn gar zweimal in den Kader eines Pflichtspiels.

Einen Teil seiner Ausbildung verbrachte er wie seine Brüder beim FC Arsenal, doch im Jahr 2011 wurde er von den Gunners aussortiert. Den Traum vom Profi wollte er deshalb nicht aufgeben. Über Probetrainings beim FC Reading und AFC Sunderland landete er ein Jahr später schließlich bei Manchester United.

Germany ONLY_Chris Willock

"Ich war Jugendspieler bei Arsenal, ehe man mich im Alter von 15 Jahren aussortierte", erklärte er einst auf der vereinseigenen Homepage des englischen Rekordmeisters. "Danach spielte ich bei einigen Vereinen vor und landete schließlich bei United. Natürlich war ich enttäuscht, dass ich Arsenal verlassen musste, aber es ist letztlich doch alles gut gelaufen."

Matthew ist Rechtsfuß und mit 1,72 Meter Körpergröße verhältnismäßig klein für die Position in der Mittelfeldzentrale. Sein körperliches Defizit gleicht er mit seiner Spielintelligenz und den ausgeprägten technischen Fähigkeiten aus. Matthew versteht es sehr gut, das Spiel mit einem Diagonalball blitzschnell zu verlagern. Außerdem ist er in der Lage, das Mittelfeld mit einem Dribbling zu überbrücken und so regelmäßig gute Chancen zu initiieren.

Willock kehrt im Sommer zu Manchester United zurück

Seine aktuelle Spielweise erinnert an die Pogbas oder Keitas der aktuellen Generation, die Idole seiner Kindheit waren jedoch Paul Scholes, Patrick Vieira und Kaka. Matthew ist der spielerische Sechser, der ein Spiel gestalten kann, mit Leihen zu Klubs fernab der Top-Ligen soll er sich an die Körperlichkeit des Profifußballs adaptieren.

Im Sommer endet seine Leihe nach Schottland, Stand jetzt kehrt er nach Manchester zurück. Inwiefern er dort eine Zukunft bei den Profis hat, wird sich zeigen. Das Potential ist vorhanden, doch die Konkurrenz bei United ist auf seiner Position alles andere als gering.


Porträt von Chris Willock


Viele Jahre galt Chris Willock in England als der nächste große Superstar. Er kam bereits im Alter von fünf Jahren zum FC Arsenal und entwickelte sich dort zum Junioren-Nationalspieler, der von der U16 bis zur U20 jede Auswahl Englands durchlief. Der 20-jährige Linksaußen feierte mit 18 sein Debüt unter Arsene Wenger, als er im September 2016 im EFL-Cup beim 4:0-Auswärtssieg über Nottingham Forest eingewechselt wurde.

In der darauffolgenden Runde setzte ihn der langjährige Coach der Londoner erneut ein und ließ ihn in der Schlussphase an der Seite von jetzigen Premier-League-Profis wie Alex Oxlade-Chamberlain, Alex Iwobi oder auch Mohamed Elneny auflaufen. Doch mehr als diese beiden Einsätze bei den Profis sprangen für Chris am Ende nicht heraus.

Borussia Dortmund zeigte offenbar Interesse an Chris Willock

Also entschied er sich im Sommer 2017 zu einem ablösefreien Wechsel zu Benfica nach Portugal. Dort unterschrieb der technisch versierte Offensivspieler einen Vertrag bis 2022. Doch nicht nur der Rekordmeister aus dem Land des amtierenden Europameisters zeigte Interesse, auch Manchester City und Borussia Dortmund sollen damals ein Auge auf den Engländer geworfen haben.

In Lissabon kommt Chris regelmäßig zum Einsatz – bislang jedoch beim Reserveteam, das in der zweiten Liga spielt. 25 Einsätze stehen in der aktuellen Spielzeit auf dem Konto, dabei gelangen ihm drei Tore und zwei Vorlagen. Die ganz steile Karriere, die man nach der Unterzeichnung seines ersten Profivertrags vor mehr als drei Jahren vermuten konnte, blieb bislang noch aus.

Chris Willock 29072017

Doch man sollte nicht vergessen, dass er weiterhin am Anfang seiner Karriere steht. Es ist hinlänglich bekannt, dass Benfica die richtige Adresse für vielversprechende Talente sein kann. Mit regelmäßigen und guten Auftritten in der zweiten Mannschaft will er sich nach und nach für die Profis empfehlen und schon bald sein Debüt in der Primeira Liga feiern.


Porträt von Joe Willock


Joe ist der jüngste Sprössling und aktuell scheint bei ihm die vielversprechendste Karriere möglich. Erst am vergangenen Sonntag verhalf ihm Arsene Wenger zu seinem Premier-League-Debüt, als er ihn gegen Newcastle United in die Startelf beorderte. Dort bearbeitete er zusammen mit Granit Xhaka und Mohamed Elneny das zentrale Mittelfeld hinter den drei Angreifern Pierre-Emerick Aubameyang, Alexandre Lacazette und Alex Iwobi.

"Er macht seine Sache im Training sehr gut, doch nun muss er das bei den Spielen zeigen", lobte ihn der Trainer im Vorfeld der Partie. "Es ist eine gute Möglichkeit, zu sehen, ob er bereit für regelmäßige Einsätze bei den Profis ist."

46 Ballaktionen, vier Tacklings, ein Torschuss und eine Passquote von 82,4 Prozent tauchten nach seinem 68-minütigen Einsatz letztlich in der Statistik auf. Seine Zweikampfquote von 40 Prozent zeigte jedoch deutlich auf, dass er physisch noch zulegen muss, um auf der Position im zentralen Mittelfeld eine prägende Figur zu werden.

Joe Willock

Dass Joe körperlich noch an sich arbeiten muss, merkte vor einiger Zeit auch Arsenal-Legende Thierry Henry an. "Ich durfte ihn damals als 16-Jährigen kennenlernen", sagte der Franzose bei Sky Sports. "Auch wenn es komisch klingt, aber auf mich machte es den Eindruck, als hätte er die Pubertät noch nicht durchlaufen."

Auch die Tatsache, dass er zwei ältere Brüder hat, die bei Profiklubs Fuß gefasst haben, machte es aus Henrys Sicht für Joe nicht leicht. "Die Leute glaubten nicht hundertprozentig an ihn, das war schwierig für einen jungen Kerl wie ihn", so der Weltmeister weiter.

Joe Willock ist von Lionel Messi begeistert

Dennoch überzeugte er in der Sommervorbereitung auf die aktuelle Saison und die Gunners statteten ihn im November mit seinem ersten Profikontrakt aus. Bevor er am vergangenen Wochenende das erste Mal in der Liga zum Einsatz kam, durfte er bereits bei fünf Europa-League-Spielen ran und wurde in vier Pokalspielen in England eingesetzt.

Möglicherweise nutzt Arsene Wenger die verbleibenden Ligaspiele, um Joe weitere Einsätze zu geben. Die Gunners haben nur noch rechnerische Chancen auf einen Tabellenplatz, der zur Teilnahme an der Champions League berechtigt, folglich konzentriert man sich auf die Europa League, wo man im Halbfinale auf Atletico Madrid trifft, und nutzt die Premier League zur Rotation.

Für den Messi-Fan, der sich aufgrund seiner Spielweise jedoch eher mit Paul Pogba vergleicht, ist das eine Möglichkeit, sich anderen Vereinen auf der Insel zu präsentieren. Dass er in der kommenden Saison bereits zum Stammpersonal im Mittelfeld von Arsenal gehören wird, scheint fraglich. Deshalb dürfte eine Leihe wohl die logische Folge sein – und je besser er sich präsentiert, umso länger sollte die Liste an Interessenten für den U19-Nationalspieler sein.

 

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